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Videospiel-Verfilmungen (V): Warcraft – The Beginning: Episch soll es sein!

25 Mai

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Warcraft

Kinostart: 26. Mai 2016

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // Lange ist es inzwischen her, das die Menschen in Scharen in die Kinos geströmt sind, um einen gewissen Hobbit dabei zu beobachten, wie er einen Ring in einen Vulkan wirft. Seitdem ist es still im Bereich der Verfilmungen sogenannter epischer Fantasy – ausladende Geschichten mit Drachen, Elfen und Zauberern – geworden, die mediokre „Hobbit“-Trilogie mal außen vor gelassen. Stattdessen häuften sich Buchverfilmungen, die an ein junges Publikum gerichtet sind, Stichwort: Young Adult. Doch nun kommt „Warcraft“ auf einem CGI-Greifen angeritten, um dem Kino wieder fantastischen Stoff zu liefern.

Menschen gegen Orks

Unruhe herrscht in Azeroth. Die friedliche Welt wird von Orks heimgesucht, die aus ihrer Welt Draenor über ein magisches Portal eindringen, um eine neue Heimat zu finden. Dabei gehen sie nicht gerade zimperlich vor und nehmen viele Menschen gefangen – sie sollen dem finsteren Gul’dan (Daniel Wu) als Energiequelle dienen, um auch den Rest der Orks nach Azeroth zu lotsen. König Llane Wrynn (Dominic Cooper) kann dies natürlich nicht mit ansehen und entsendet den Krieger Anduin Lothar (Travis Fimmel), um Medivh (Ben Foster), den mächtigsten Magier des Reiches, als Verbündeten gegen die Orks zu gewinnen. Doch der junge Zauberer Khadgar (Ben Schnetzer, „Pride“) entdeckt in einer Leiche Magie der dunkelsten Sorte, die Menschen und Orks gleichermaßen bedroht.

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Die Orks suchen eine neue Heimat

Zuerst sei gesagt, dass die Namen der Figuren wirklich merkwürdig klingen und nicht im Kopf bleiben. Beim Schreiben der Inhaltsangabe musste ich mich wirklich anstrengen, um mich an die Figuren zu erinnern. Das ist allerdings im Verlauf des Filmes nicht von Bedeutung. Bei dem Bombast, den Regisseur Duncan Jones auf die Leinwand zaubert, sind Namen eher Schall und Rauch.

Mit Gefühl für die Videogame-Vorlage

Da es sich hierbei um die Verfilmung eines Videospiels handelt, muss ein Vergleich gezogen werden. Dem Original wird glücklicherweise vor allem in den Massenschlachten gedacht. Die werden nämlich häufig aus der Vogelperspektive gezeigt, sodass sich beim Zuschauer ein wenig das Gefühl einstellt, gerade eine zeitgemäße Version der ersten drei „Warcraft“-Spiele zu sehen.

Ein häufiger Fehler bei Umsetzungen von Spielen zu Filmen ist das Drehbuch. Doch Jones und Drehbuchautor Charles Leavitt sind klug genug, um nicht in eine der typischsten Fallen zu tappen. Sie erzählen die Geschichte der Spiele nämlich nicht nach, sondern bilden eine Art Prequel. Dabei gibt es bereits einige Figuren, die im Gesamtverlauf der „Warcraft“-Historie wichtig sind – wie der angesprochene Gul’dan –, aber der Zuschauer wird nie überfordert. So können sich Neulinge zurechtfinden, aber auch Fans über bestimmte Gegebenheiten in Erwartung auf Kommendes leicht schmunzeln.

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König Wryn sorgt sich um sein Volk

Die Geschichte bietet nicht unbedingt viele Überraschungen. Für den Zuschauer wird schnell klar, von wo die wahre Bedrohung kommt. Leider gilt das nicht für die Helden. So hat der Film im Mittelteil die eine oder andere Länge, in der jedes kleinste Detail dem Zuschauer brav vorgekaut wird, damit auch jeder mitkommt. Das ist in den meisten Fällen ärgerlich, „Warcraft“ sei dies aber verziehen.

Starke Fantasy-Welt

Zum einen ist die Welt einfach wunderschön gestaltet. Das letzte Mal, dass mich ein fiktionales Universum so in seinen Bann ziehen konnte, war in Mittelerde. Jeder Wald, jedes Gebirge und jeder Fleck wirken real und organisch zusammengehörend. Dabei wird dem Zuschauer durch kurzes Einbinden anderer Rassen oder einer Weltkarte offenbart, dass dies nur eine Andeutung der Größe des „Warcraft“-Universums ist.

Dies ist gleich doppelt so hoch anzurechnen, ist „Warcraft“ doch ein wahres Fest der Computereffekte. Gerade die Interaktionen zwischen Menschen und Orks sind immer wieder erstaunlich, kommen letztgenannte doch vollständig aus dem Computer. Dabei wirken die Effekte nicht ganz so lebensnah wie zuletzt in „The Jungle Book“. Das stört womöglich den einen oder anderen, ich empfand es als angenehmen Verweis auf die Herkunft des Materials – man sieht, dass man es mit einer Videospiel-Verfilmung zu tun hat, ohne dass es plump oder gar billig wirkt.

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Khadgar ahnt Böses

Zum anderen verharmlost Jones nicht alles. Wenn reale Schauspieler zu Tode kommen, wird dies häufig nur kurz gezeigt und weggeschnitten, viel Blut ist nicht zu sehen. Bei den Orks hingegen sieht das schon anders aus. Da es sich um am Computer entstandene Wesen handelt, darf man mit ihnen wohl alles machen. Das reicht von Enthauptungen über Durchbohren bis hin zum Verstümmeln einzelner Gliedmaßen. Alles wird in voller Pracht gezeigt, sodass auch jüngere Zuschauer ein Gespür dafür bekommen, dass wir es hier mit einem wahren Krieg zu tun haben.

Die Macht des Tons

Eine weitere Erwähnung soll hier der Ton des Films finden. Neben dem wummernden Score von Ramin Djavadi, seines Zeichens Komponist des allseits bekannten „Game of Thrones“-Intros, sind es vor allem die Soundeffekte, die gelungen sind. Zauber zischen durch die Luft, der Greif kreischt, ein Ork schlägt mit einem riesigen Hammer auf ein Schild – all diese Kleinigkeiten haben eine Wucht, wie es sie lange nicht mehr zu bestaunen gab und die „Warcraft“ zusätzlich aus dem Fantasy-Mittelmaß heraus hebt.

Wenn am Ende einige unvorhergesehene Ereignisse eintreten, wird der Zuschauer mit Macht an den deutschen Titelzusatz „The Beginning“ erinnert – es soll nur ein Anfang sein. Das macht aber überhaupt nichts. Es gibt noch genügend spannende Geschichten im „Warcraft“-Universum, die ich gern auf der Leinwand sähe, zum Beispiel der Werdegang des Kriegers Arthas. Gern erneut von Duncan Jones inszeniert – der Sohn von David Bowie hat nach den bemerkenswerten SF-Dramen „Moon – Die dunkle Seite des Mondes“ (2009) und „Source Code“ (2011) nun bewiesen, dass man ihm auch einen Fantasy-Blockbuster anvertrauen kann. Wer gehofft hat, endlich mal wieder epische Fantasy auf der Kinoleinwand zu sehen, wird mit „Warcraft – The Beginning“ bestens bedient.

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Anduin attackiert gern von oben

Videospiel-Verfilmungen bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Super Mario Bros. (Fantasy-Abenteuer, USA 1993, geplant)
Alone in the Dark (also doch Uwe Boll! SF-Horror, KAN/D/USA 2005, geplant)
Silent Hill – Willkommen in der Hölle (Horror, KAN/F/JAP 2006)
Hitman – Jeder stirbt alleine (Actionthriller, F/USA 2007)
Prince of Persia – Der Sand der Zeit (Fantasy-Abenteuer, USA 2010, geplant)
Silent Hill – Revelation (Horror, F/KAN 2012, geplant)
FPS – First Person Shooter (Horror-Action, D 2014)
Heavenly Sword (Computertrick-Fantasy-Action, USA 2014)
Dead Rising – Watchtower (Horror-Action, USA 2015)
Hitman – Agent 47 (Actionthriller, USA/D 2015)
Assassin’s Creed (SF-Abenteuer, GB/F/HK/USA 2016)
Dead Rising – Endgame (Horror-Action, USA 2016)
Kingsglaive – Final Fantasy XV (Computertrick-Fantasy-Action, USA/JAP 2016)
Ratchet & Clank (Computertrick-Fantasy-Action, HK/KAN/USA 2016)
Resident Evil – The Final Chapter (Horror-Action, F/D/KAN/AUS 2016)
Warcraft – The Beginning (Fantasy-Action, USA 2016)

Und vielleicht auch mal der eine oder andere Film der „Resident Evil“-Reihe …

Länge: 123 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Warcraft
USA 2016
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Duncan Jones, Charles Leavitt
Besetzung: Travis Fimmel, Ben Schnetzer, Toby Kebbell, Ben Foster, Paula Patton, Dominic Cooper, Clancy Brown, Robert Kazinsky, Callum Keith Rennie, Daniel Wu, Ryan Robbins
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Universal Pictures Germany GmbH

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