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Winterkrieg – Das finnische Bollwerk gegen die Rote Armee

28 Mai

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Talvisota

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Er tobte nur kurz: Im sogenannten Winterkrieg (auch: Sowjetisch-Finnischer Krieg) kämpften zwischen dem 30. November 1939 und dem 13. März 1940 Finnland und die Sowjetunion um Teile der Karelischen Landenge, die die Sowjetunion für sich beanspruchte. Die Rote Armee wurde dabei phasenweise von den zahlenmäßig weit unterlegenen finnischen Streitkräften gestoppt.

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Das Infanterieregiment JR23 rückt zusammen

Nach erbitterten Kämpfen mit großen Verlusten auf beiden Seiten sah sich Finnland dennoch gezwungen, mit dem Friedensvertrag von Moskau große Territorien an die Sowjetunion abzutreten, behielt dafür aber seine Unabhängigkeit. Der Winterkrieg bewirkte in Finnland ein Zusammenrücken und das Erstarken des finnischen Nationalgefühls.

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In banger Erwartung …

1989 verfilmte der finnische Regisseur Pekka Parikka den Roman von Antti Tuuri über die Auseinandersetzung. Es war die bis dato teuerste finnische Kinoproduktion und in Finnland ein großer Erfolg. Der ausbleibende internationale Erfolg führte allerdings zum Bankrott der Produktionsfirma – so dachte ich in der ersten Fassung meiner Rezension. Tatsächlich war es offenbar deutlich komplizierter, wie mir Antti Tuuri, Autor des dem Film zugrundeliegenden Romans und des Drehbuchs, dankenswerterweise mitteilte. Hier bin ich einem Problem des Internets aufgesessen: Wenn sich eine Fehlinformation erst einmal ausreichend verbreitet hat, wird sie zur Wahrheit. Lest Antti Tuuris richtigstellenden Kommentar unter dieser Rezension!

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… des Ansturms der Rotarmisten

„Winterkrieg“ folgt dem finnischen Infanterieregiment JR23, das nach Karelien abkommandiert wird, um dem zu erwartenden Ansturm der Roten Armee entgegenzutreten. Dabei sind auch die Brüder Martti (Taneli Mäkelä) und Paavo Hakala (Konsta Mäkelä). Nach einer quälend langen Zeit des Ausharrens kommt es bei eisigen Temperaturen zu ersten Gefechten. Das tödliche Ringen in den Schützengräben hat begonnen. Die auch an Waffenmaterial unterlegenen Finnen müssen zu Behelfsmitteln greifen und setzen schließlich erstmals Molotowcocktails ein.

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Erbitterter Kampf …

Schon die Länge deutet an, dass es Regisseur Pekka Parikka darum ging, ein Epos zu erschaffen, den Kampf der finnischen Soldaten als Heldendrama zu inszenieren. Das Sterben ist blutig und schmutzig, wenn auch weniger drastisch als heute oft üblich. „Winterkrieg“ hat internationales Niveau und vermag mit seinem Fokus auf den einfachen Infanteristen zu fesseln, hat aber einige Längen. Mit einer Stunde zusätzlich gedrehtem Material entstand daraus später eine fünfteilige Miniserie – eine solcherart gestückelte und dramaturgisch anders aufbereitete Fassung funktioniert womöglich etwas besser. In Deutschland sind die Kinofassung und der 70 Minuten längere Director’s Cut erschienen. Obwohl „Winterkrieg“ dem Kriegsfilmgenre keine neuen Facetten gibt, ist es doch löblich, wenn auch dieser ansonsten international weniger im Fokus stehende Schauplatz des Zweiten Weltkriegs seine filmische Würdigung erhält. Etwas überambitioniert, aber beeindruckend.

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… gegen die Invasoren

Veröffentlichung: 6. November 2015 als Blu-ray und DVD (Director’s Cut) sowie als Blu-ray und DVD (Kinofassung)

Länge: 197 Min. (Director’s Cut, Blu-ray), 191 Min. (Director’s Cut, DVD), 125 Min. (Kinofassung, Blu-ray), 121 Min. (Kinofassung, DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Finnisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Talvisota
FIN 1989
Regie: Pekka Parikka
Drehbuch: Pekka Parikka, Antti Tuuri, nach einem Roman von Antti Tuuri
Besetzung: Taneli Mäkelä, Konsta Mäkelä, Vesa Vierikko, Timo Torikka, Heikki Paavilainen, Antti Raivio, Samuli Edelmann, Vesa Mäkelä, Aarno Sulkanen, Esko Kovero, Martti Suosalo, Markku Huhtamo, Matti Onnismaa, Ville Virtanen, Leea Klemola
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover, nur Director’s Cut: Interview mit Dr. Agilof Kesselring (Militärhistoriker, Lehrbeauftragter der Universität Helsinki) zu den historischen Hintergründen, Wochenschaubeiträge: Bombardement am Ladogasee & Blick in die Zukunft, Rundfunkberichte: Ansprache von Präsident Kyösti Kallio vom 6. Dezember 1939, Ankündigungen und Hinweise, Der erste Luftangriff auf Helsinki
Vertrieb: Pandastorm Pictures

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 Pandastorm Pictures

 
 

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2 Antworten zu “Winterkrieg – Das finnische Bollwerk gegen die Rote Armee

  1. Antti Tuuri

    2016/05/29 at 05:12

    Leider ist in vielen Rezensionen von Talvisota derselbe Fehler: „führte allerdings zum Bankrott der Produktionsfirma“ So ging es nicht. Mehr als 600.000 Finnen sahen Talvisota, und Geld zur Produktionsfirma National-Film kam von Türen und Fenstern. National-Film war aber Tochterfirma von Finnkino, der tief in Schulden schwamm. Dann wurde National-Film zu Finnkino fusioniert, Finnkino konnte seine Schulden mit National-Films Geld bezahlen und man brauchte nicht die Steuern bezahlen von Gewinnen. Das alles war aber zu kompliziert für Filmkritiker damals, und die Saga von Bankrott lebt immer noch. Also: Nicht Bankrott, Fusion die man nicht Steuer bezahlen musste.

    Mit Grüssen
    Antti Tuuri
    Schriftsteller.
    dipl.ing

     

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