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Jane Got a Gun – Natalie Portman wehrhaft im Westen

04 Jun

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Jane Got a Gun

Von Volker Schönenberger

Western // Irgendwo im Territorium New Mexico, wir schreiben das Jahr 1871: Jane Hammond (Natalie Portman) ist mit ihrer Tochter und dem Ehemann Bill (Noah Emmerich) sesshaft geworden. Doch als Bill von Kugeln durchlöchert das Heim erreicht, wird klar, dass die Vergangenheit sie eingeholt hat. Die Bande von John Bishop (Ewan McGregor) hat sie aufgespürt – sieben Jahre, nachdem die drei deren Fängen entkommen waren. Jane bittet ihren ehemaligen Verlobten Dan Frost (Joel Edgerton) um Hilfe gegen Bishop und seine Männer.

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Jane muss ihren schwerverletzten Ehemann versorgen

Laut IMDb basiert „Jane Got a Gun“ lose auf dem 1972er-Western „In einem Sattel mit dem Tod“ („Hannie Caulder“) mit Raquel Welch, Robert Culp, Ernest Borgnine und Christopher Lee. Vergleiche kann ich mangels Sichtung des älteren Films nicht ziehen. „Jane Got a Gun“ hat eine lange Entstehungsgeschichte hinter sich. Anfangs war Lynne Ramsay („We Need to Talk About Kevin“) als Regisseurin vorgesehen, sie wurde aber kurz vor den Dreharbeiten durch Gavin O’Connor („Warrior“) ersetzt. Unter den Namen, die im Lauf der Zeit auf der Besetzungsliste auftauchten und verschwanden: Michael Fassbender, Jude Law, Bradley Cooper, Tobey Maguire, Joseph Gordon-Levitt, Tom Hiddleston und Jake Gyllenhaal. Mal waren dem Vernehmen nach Querelen zwischen Beteiligten Ursache, mal Terminschwierigkeiten aufgrund des aufgeschobenen Drehstarts. Gedreht wurde schließlich 2013, in die Kinos kam der Film sogar erst knapp drei Jahre später.

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John Bishop (r.) ist hinter den Hammonds her

Die Internet Movie Database listet in den Credits sage und schreibe 31 Namen als Producer, Associate Producer oder Executive Producer auf, darunter Natalie Portman als Produzentin. Verderben viele Köche den Brei? Auch wenn kein großer Wurf herausgekommen ist, hat das Hin und Her „Jane Got a Gun“ überraschend wenig geschadet. Zerfahren wirkt die Inszenierung jedenfalls zu keiner Zeit, im Gegenteil: Wir haben es mit einem grundsoliden Westerndrama und einer im positiven Sinne einfachen Story zu tun. Ein paar Rückblenden geben Aufschluss über die Vorgeschichte, ohne den Roten Faden zu stören. Natalie Portman überzeugt als starke Frau, ohne klischeehaft die toughe Revolverschwingerin zu geben. Im Moment der Schwäche und Angreifbarkeit holt sie sich eben Hilfe. Das kann man als emanzipatorischen Ansatz sehen, gehört für mich aber nicht zur Essenz des Films.

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Gegen die Bishop-Bande …

So viel zur Habenseite. Was fehlt, ist eine eigene Handschrift, eine Dramaturgie, die „Jane Got a Gun“ zum originellen und originären Genrebeitrag macht. Mit „Slow West“, „The Salvation – Spur der Vergeltung“ und dem sperrigen „The Homesman“ gab’s zuletzt Western, die sich mehr getraut haben. Deren Niveau erreicht „Jane Got a Gun“ nicht. Die Visualisierung in gedämpften Brauntönen unterstreicht die Kargheit des Daseins in New Mexico, das hat Tommy Lee Jones mit „The Homesman“ aber konsequenter umgesetzt.

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… holt sich Jane …

Portmans Schauspielkollegen verblassen da teilweise. Ewan McGregor, den ich an sich mag, setzt als Schurke keine Impulse – er tut eben Böses, das macht ihn böse. Noah Emmerich ist letztlich Staffage, da er ausschließlich als Schwerverletzter zu sehen ist. Bleibt als starke Figur Joel Edgerton, der mit Regisseur Gavin O’Connor bereits „Warrior“ gedreht hat. Sein Dan Frost, Revolverheld und Ex-Love-Interest von Jane, ist der Titelfigur ebenbürtig inszeniert und gespielt.

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… Hilfe von Dan Frost …

Als Westernfan freue ich mich immer, wenn ich der Western-Rubrik von „Die Nacht der lebenden Texte“ auch neue Filme hinzufügen kann und nicht nur alten Stoff. Glücklicherweise erweist sich das oft totgesagte Genre als nicht so einfach totzukriegen. „Jane Got a Gun“ setzt keine neuen Impulse, ist aber auch kein Sargnagel, sondern ein anständiger Beitrag.

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… der mit Widersachern nicht zimperlich umgeht

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Natalie Portman sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Ewan McGregor in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 13. Mai 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Jane Got a Gun
USA 2016
Regie: Gavin O’Connor
Drehbuch: Brian Duffield, Anthony Tambakis, Joel Edgerton
Besetzung: Natalie Portman, Ewan McGregor, Joel Edgerton, Noah Emmerich, Boyd Holbrook, Rodrigo Santoro, Sam Quinn, James Burnett, Jenny Gabrielle, Alex Manette
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Universum Film / SquareOne Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Film / SquareOne Entertainment

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