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John Carpenter (XI): Christine – Auch Autos können eifersüchtig sein

05 Jun

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Christine

Von Volker Schönenberger

Horror // Eine Fertigungsstraße im Werk des Automobilherstellers Plymouth in Detroit, wir schreiben das Jahr 1957. Die neuen Plymouth Fury rollen vom Band. Ein Exemplar in besonders schönem Rot sticht ins Auge. Ein Arbeiter öffnet die Motorhaube, schaut unter die Karosserie. Die Motorhaube schnellt herab, zerquetscht die Hand des Mannes. Kurz darauf setzt sich ein anderer Arbeiter hinters Lenkrad des Autos, raucht genüsslich eine Zigarre. Zum Feierabend findet ihn dort ein Kollege – tot.

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Ist sie nicht zum Verlieben schön?

Zu den Klängen von „Bad to the Bone“ (George Thorogood & The Destroyers) und „Not Fade Away“ (Buddy Holly) beginnt mit diesem stimmungsvollen Prolog John Carpenters Verfilmung des Romans von Stephen King. Es folgt ein Zeitsprung ins Jahr 1978. Teenager Dennis (John Stockwell) holt mit dem Auto seinen etwas ungelenken Mitschüler Arnie (Keith Gordon) ab. Sie sind ungleiche Kumpels – der Frauentyp Dennis und der scheue Arnie, den Schul-Bully Buddy Repperton (William Ostrander) und seine Clique auf dem Kieker haben.

Das muss Liebe sein: Männer und Autos

Auf dem Heimweg bemerkt Arnie auf einem abgewirtschafteten Grundstück ein ebenso abgewirtschaftetes Auto: einen alten roten Plymouth Fury. Für nach Dennis‘ Meinung weit überteuerte 250 Dollar kauft Arnie dem verschrobenen Eigentümer das stark reparaturbedürftige Auto ab. Beginn einer fatalen Liebesbeziehung zwischen einem jungen Mann und einem Auto mit Eigenleben und mörderischen Neigungen. Christine, so heißt das Auto, ist auch noch sehr eifersüchtig – erst recht, als Arnie beginnt, mit der Schulschönheit Leigh (Alexandra Paul) auszugehen.

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Leigh ist Christines Nebenbuhlerin

Über Stephen-King-Verfilmungen lässt sich eine Menge schreiben. Von Meisterwerken wie Frank Darabonts „Die Verurteilten“ (1990), Brian De Palmas „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ (1976) und Stanley Kubricks von King ungeliebtem „Shining“ (1980) bis hin zu grottigen Machwerken wie Kings einziger Regiearbeit „Rhea M. – Es begann ohne Warnung“ (1986) ist die ganze Qualitätsbandbreite vertreten. „Christine“ ist Durchschnittsware, auch wenn ich den Film als Teenager in den 80ern im Kino gern gesehen und mich auch heuer bei der erneuten Sichtung amüsiert habe. Damals war Stephen King der Gott der Horrorautoren, so beliebt, dass die Verfilmung von „Christine“ beschlossene Sache war, noch bevor der Roman im Handel erhältlich war. Ich entsinne mich jedenfalls nicht mehr, ob ich das Buch zu Ende gelesen oder überhaupt begonnen hatte, als ich den Film schaute.

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Das lässt sich reparieren

Ein paar Highschool-Stereotype zu Beginn sind nicht weiter wild, etwas schwerer wiegen da einige Längen in der ersten Hälfte. Obendrein stellt sich viel zu selten mal echter Grusel oder gar Horror ein. Das Auto Christine ist zwar mörderisch, Angst löst es beim Zuschauen jedoch nicht gerade aus.

Pluspunkt Musik

Positiv zu bewerten ist der Soundtrack, eine Mischung aus typisch minimalistischen John-Carpenter-Elektro-Klängen und alten Rock-and-Roll-Songs – klasse. Auch Arnies Metamorphose – unter dem Einfluss des Autos – vom Außenseiter über den zwischenzeitlich coolen Checker bis hin zum von Christine besessenen Psycho weiß zu gefallen. Und wenn das Auto die bösen Buben jagt, dürfen wir uns als Zuschauer gemeinerweise freuen, wenn sie draufgehen. Is‘ ja nur ‘n Film!

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Der Dicke hat’s gleich hinter sich

Der Plymouth Fury ist toll! Christine ist zum Verlieben. Die Szenen, in denen das Auto malträtiert wird, tun wirklich weh. Aber das Auto verfügt über höllische Selbstheilungskräfte – die tricktechnisch übrigens sehr gut umgesetzt sind. „Christine“ gehört ganz sicher nicht zu John Carpenters inspiriertesten Regiearbeiten. Als feine Zeitreise in die 80er habe ich den letztlich harmlosen Film aber gern wieder geschaut.

John Carpenter bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Assault – Anschlag bei Nacht (1976)
Halloween – Die Nacht des Grauens (1978)
The Fog – Nebel des Grauens (1980)
Die Klapperschlange (1981)
Halloween 2 – Das Grauen kehrt zurück (1981, nur Drehbuch)
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
Halloween III – Die Nacht der Entscheidung (1982, nur Drehbuch ohne Credits & Produktion)
Christine (1983)
Das Philadelphia Experiment (1984, nur Produktion)
Black Moon (1986, nur Drehbuch)
Big Trouble in Little China (1986, geplant)
Die Fürsten der Dunkelheit (1987)
Sie leben (1988)
Die Mächte des Wahnsinns (1994)
John Carpenters Vampire (1998, geplant)

Stephen King bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976)
Shining (1980, Rezension folgt in Kürze)
Christine (1983)
Dead Zone (1983)
Werwolf von Tarker Mills (1985)
Manchmal kommen sie wieder (1991)
Carrie (2013)
Mercy – Der Teufel kennt keine Gnade (2014)
Stephen King’s A Good Marriage (2014)
11.22.63 – Der Anschlag (2016)

Veröffentlichung: 2. Oktober 2014 als Blu-ray, 9. November 2004 als Special Edition DVD, 1. Oktober 1999 als DVD

Länge:110 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Russisch (Voice-over)
Untertitel: Englisch, Spanisch, Englisch für Hörgeschädigte, Japanisch, Chinesisch, Koreanisch, Thailändisch
Originaltitel: Christine
USA 1983
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Bill Phillips, nach dem Roman von Stephen King
Besetzung: Keith Gordon, John Stockwell, Alexandra Paul, Harry Dean Stanton, William Ostrander, Robert Prosky
Zusatzmaterial Blu-ray: Kommentar mit John Carpenter und Star Keith Gordon, entfallene & alternative Szenen, 3 neue exklusive Featurettes
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Sony Pictures Home Entertainment

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2 Antworten zu “John Carpenter (XI): Christine – Auch Autos können eifersüchtig sein

  1. Schauerfee

    2017/03/29 at 10:39

    Eine absolute Katastrophe. Selten so eine schlechte Verfilmung gesehen. 😀

     
  2. Da Wolf

    2016/06/06 at 07:20

    Einer meiner absoluten Lieblingsfilme …

     

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