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Brian De Palma (III): Redacted – Tod im Irak

11 Jun

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Redacted

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // „Redacted“ bedeutet im Englischen so viel wie redaktionell bearbeitet, redigiert – oder auch zensiert. Brian De Palma macht in seinem filmischen Kommentar zum Irakkrieg zügig seine diesbezügliche Intention klar, wenn er einen der US-Soldaten darüber schwadronieren lässt, dass das erste Opfer des Krieges die Wahrheit sei. Auch wenn der GI nicht unbedingt selbstkritische Reflexion im Sinn hat – De Palma geht es darum: Das bekannte Zitat ziert auch Plakate und DVD-Hüllen des Films. „Redacted“ ist als Aufarbeitung des Massakers von Mahmudiyya zu deuten, bei dem 2006 fünf US-Soldaten eine 14-jährige Irakerin vergewaltigten und mitsamt ihrer Familie ermordeten. Aus rechtlichen Gründen wird der fiktive Charakter des Films betont, die Parallelen sind aber deutlich.

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Der Dienst am Kontrollpunkt …

„Redacted“ folgt in dokumentarischer Anmutung einer Einheit der Alpha Company, deren Aufgabe darin besteht, Passanten und Fahrzeuge zu kontrollieren, die eine Straße in Samarra nördlich von Bagdad passieren wollen. Oft ist das eintönig, doch bisweilen missachtet ein Autofahrer die Haltsignale der Soldaten. Das kostet eines Tages eine schwangere Beifahrerin das Leben.

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… nimmt bisweilen dramatische Züge an

Eine französische Filmcrew dreht eine Dokumentation über die Einheit. Parallel filmt auch Infanterist Angel Salazar (Izzy Diaz) mit seinem Camcorder – er will auf die Filmschule. Master Sergeant Sweet (Ty Jones) hält die Truppe einigermaßen beisammen, bis ihm eine Sprengfalle den Garaus macht. Bald darauf dringen die beiden Soldaten Flake (Patrick Carroll) und Rush (Daniel Stewart Sherman) in das Haus einer irakischen Familie ein. Ihr erklärtes Ziel: die 15-jährige Tochter zu vergewaltigen. Ihr Kamerad McCoy (Rob Devaney) versucht vergeblich, sie daran zu hindern.

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Die Folgen sind tödlich

Es ist harte Kost, die Brian De Palma den Zuschauern da zumutet. Er zwingt speziell US-Filmgucker, sich auf schmerzliche Weise mit der Rolle ihres Landes und ihrer Streitkräfte im Mittleren Osten auseinanderzusetzen. Am Ende legt er mit Fotos von Toten und Verstümmelten des Irakkrieges gar noch einen drauf. In Venedig erhielt er 2007 den Silbernen Löwen für die beste Regie, ein Jahr später beim Amnesty International Film Festival den Preis der Jugendjury. Das ist berechtigt, auch wenn De Palma die Figuren mit grobem Strich und wenig differenziert zeichnet. Dafür beweist er einmal mehr sein Talent für Spannungsbögen und Suspense. Den dokumentarischen Stil verlässt er ein paar Mal zugunsten eines getragenen dramatischen Moments – dann ertönt Händels Sarabande und bringt mächtig Atmosphäre ins Spiel. Auch das zeigt Wirkung beim Zuschauer.

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Soldat Rush …

De Palma und Executive Producer Mark Cuban sind für „Redacted“ in den USA teilweise heftig kritisiert worden. Mit ihrem Film würden sie die im Ausland stationierten Soldaten gefährden. Filmkritiker Roger Ebert allerdings fand ihn „schockierend, bedrückend und frustrierend“ und fragte rhetorisch, weshalb es ein Rätsel sein solle, dass die Iraker die Amerikaner nicht mögen. Für die filmische Bewertung von „Redacted“ kann man die politische Kontroverse in den USA außen vor lassen: Brian De Palma hat damit ein kraftvolles Statement gegen den Krieg abgegeben und die Haltung bekräftigt, die er bereits 1989 mit dem im Vietnamkrieg angesiedelten „Die Verdammten des Krieges“ demonstriert hatte. Der Film ist zudem ein klares Signal, die USA mögen sich nicht weiter mit internationalen (und völkerrechtswidrigen) Auslandseinsätzen als Weltpolizist gebärden – da käme nichts Gutes bei heraus (wie sich ja immer wieder zeigt). Ein starkes Kriegsdrama.

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… hat ein Auge auf eine junge Irakerin geworfen

Des Englisch Mächtigen sei ein ausführlicher Text über das seinerzeit geringe Interesse an Filmen über den Irakkrieg nahegelegt, den „Guardian“-Journalist Simon Hattenstone anlässlich des englischen Kinostarts (14. März 2008) von „Redacted“ veröffentlicht hat.

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Nach der Tat wird ein Kamerad zum Schweigen verdonnert

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Brian De Palma sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 4. Februar 2009 als Blu-ray, 6. Februar 2009 als DVD

Länge: 90 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Redacted
USA/KAN 2007
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: Brian De Palma
Besetzung: Patrick Carroll, Rob Devaney, Izzy Diaz, Daniel Stewart Sherman, Ty Jones, Mike Figueroa
Zusatzmaterial: Interview mit Brian de Palma, Interviews mit Flüchtlingen, Hinter den Kulissen, Trailer, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2009 Studiocanal Home Entertainment

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