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Archiv für den Monat Juli 2016

Jean-Claude Van Damme (XI): Mit stählerner Faust – Der Belgier teilt im Knast aus

Death Warrant

Von Volker Schönenberger

Knast-Action // Gerade erst hat der kanadische Polizist Louis Burke (Jean-Claude Van Damme) in Los Angeles den berüchtigten Copkiller und Serienmörder „Sandman“ (Patrick Kilpatrick) dingfest gemacht, da wartet ein weiterer heikler Einsatz auf ihn: Der verdeckte Ermittler soll als Insasse getarnt ins kalifornische Harrison Penitentiary eingeschleust werden. Seine kanadische Herkunft macht es unwahrscheinlich, dass ihn ein Knacki enttarnt. In der Strafanstalt haben sich zuletzt mysteriöse Todesfälle unter den Gefangenen gehäuft.

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Ankunft im Knast

Als Kontaktperson nach draußen dient die Juristin Amanda Beckett (Cynthia Gibb), die sich als Burkes Ehefrau ausgeben wird. Kaum im Knast angekommen, macht Burke sogleich schlagkräftig auf sich aufmerksam. Die Fronten sind verhärtet, Latinos, Schwarze, Weiße und das Aufsichtspersonal stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Burke erregt sogleich Aufmerksamkeit …

Wer Knast-Klischees mag, ist bei „Mit stählerner Faust“ goldrichtig. Da ist Burkes Zellengenosse Konefke (Conrad Dunn), der den Neuen sogleich zu seinem Lustknaben machen will, aber bei Burke logischerweise den Kürzeren zieht. Da ist der geheimnisvolle „Priest“ (Abdul Salaam El Razzac), ein mächtiger Strippenzieher, mythisch überhöht. Burke lernt Hawkins (Robert Guillaume) kennen, dem einst ein Auge ausgestochen wurde und der dennoch den Überblick über die Verhältnisse im Knast hat. Wir haben – was sonst? – sadistische Aufseher, angeführt vom knallharten Sergeant DeGraf (Art LaFleur).

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… und macht sich Feinde

Das Gefängnis ist als düsterer Moloch inszeniert. In Verbindung mit der Figur des „Sandman“ entwickelt sich phasenweise sogar eine gewisse Horror-Atmosphäre – der Copkiller aus dem Prolog tritt zum Ende hin erneut bedeutsam in Erscheinung. Dies gleicht das Übermaß an Knast-Stereotypen etwas aus. Die Story ist nicht der Rede wert, sie treibt die Handlung voran und liefert irgendwann die Auflösung.

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„Ehefrau“ Amanda kommt zu Besuch

Mitte der 80er-Jahre hatte sich Jean-Claude Van Damme zum Actionstar aufgeschwungen: Mit „Karate Tiger“ (1986) und „Bloodsport“ (1988) begann seine Goldene Ära, in der er gut beschäftigt war und die Massen ins Kino zog. Etliche Filme dieser Zeit gelten unter Actionfans heute als Klassiker, auch „Mit stählerner Faust“ ist dazuzurechnen. Sein durchtrainierter Körper und die Eleganz seiner Kampfkunst gleichen darstellerische Defizite locker aus, zumal im Actiongenre ohnehin keine hohe Schauspielkunst gefragt ist. Wer den Knaststreifen als brutal, simpel und sinnlos kritisiert, hat damit sicher recht, aber das kann uns Fans klassischer Action der 80er und 90er egal sein. Auf den Spaßfaktor kommt es an, und Spaß bringt „Mit stählerner Faust“ bei aller Ironiefreiheit auf jeden Fall. Mit diesen Filmen können wir die politisch korrekte Gesinnung einfach mal links liegen lassen.

Hawkins weiß, wie der Hase läuft

„Mit stählerner Faust“ ist die bekannteste Arbeit von Deran Sarafian. Der Regisseur war in jener Zeit für B-Ware wie „Gunmen – Hetzjagd durch den Dschungel“ (1993) mit Christopher Lambert und „Tödliche Geschwindigkeit“ (1994) mit immerhin Charlie Sheen, Nastassja Kinski und James Gandolfini zuständig. Seit der Jahrtausendwende tritt Sarafian vornehmlich als Regisseur für TV-Serien in Erscheinung.

Ergänzung Februar 2023

NSM Records hat „Mit stählerner Faust“ bereits 2016 als Mediabooks veröffentlicht. Die drei Covermotive sind längst vergriffen, somit ist es nur recht und billig, dass es eine Neuauflage gibt – und mit capelight pictures hat sich ein renommiertes Label dessen angenommen. Da mir keins der alten Mediabooks vorlag, kann ich über etwaige Unterschiede bei der Bild- und Tonqualität keine Angaben machen. Bild und Ton der capelight-Blu-ray halten aber das gewohnt hohe Niveau des Labels.

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Pech für Burke: Der „Sandman“ taucht auf

Beim Zusatzmaterial unterscheiden sich alt und neu: Der sicher unterhaltsame Audiokommentar von Lisa Schmidt und Daniel Perée von Wicked Vision musste weichen, stattdessen gibt es einen von Regisseur Deran Sarafian. Hinzu kommen zwei Interviews mit den Darstellern Patrick Kilpatrick und Art LaFleur und ein brandneues Feature mit Darstellerin Cynthia Gibb. Gab es im Booklet von NSM einen Text von Nando Rohner, so enthält das von capelight einen von Oliver Nöding. Beides Fachleute und versierte Schreiber, da macht man nichts falsch. Mit capelight-Mediabooks in aller Regel sowieso nicht, das gilt auch in diesem Fall.

Mit stählerner Faust

Alle als „Limited Collector’s Edition” von capelight pictures veröffentlichten Filme sowie die Filme der Reihe „Action Cult Uncut“ von Twentieth Century Fox Home Entertainment haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jean-Claude Van Damme haben wir unter Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 26. August 2022 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD) und DVD, 11. März 2016 als Mediabook (Blu-ray & DVD, zwei Covermotive à 999 Exemplare, ein Covermotiv à 500 Exemplare), 20. Januar 2012 und 26. Juli 2001 als DVD

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen 2022: Deutsch, Englisch
Untertitel 2022: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Death Warrant
KAN/USA 1990
Regie: Deran Sarafian
Drehbuch: David S. Goyer
Besetzung: Jean-Claude Van Damme, Robert Guillaume, Cynthia Gibb, Art LaFleur, Patrick Kilpatrick, Joshua John Miller, Conrad Dunn, Abdul Salaam El Razzac, Armin Shimerman, George Dickerson
Zusatzmaterial 2022: Audiokommentar von Regisseur Deran Sarafian, Interviews mit Patrick Kilpatrick (10:01 Min.) und Art LaFleur (7:18 Min.), „Defender of Death“ – Erinnerungen an einen Van-Damme-Klassiker mit Cynthia Gibb (35:07 Min.), US-Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, Trailershow, nur DVD: Wendecover, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet
Zusatzmaterial 2016: Audiokommentar von Lisa Schmidt und Daniel Perée, Darsteller-Filmografien (Text), deutscher Trailer, Originaltrailer, Bildergalerie, 12-seitiges Booklet mit einem Text von Nando Rohner
Label 2022: capelight pictures
Vertrieb 2022: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2016: NSM Records
Label/Vertrieb 2012: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Label/Vertrieb 2001: MGM

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Doppel-Packshot: © 2022 capelight pictures,
Packshot Action-Cult-Uncut-DVD: © 2012 Twentieth Century Fox Home Entertainment,
Packshots Mediabooks A, B & C: © 2016 NSM Records

 

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Casbah – Verbotene Gassen: Film noir mit Gesangsleinlagen

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Casbah

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Dreimal innerhalb kurzer Zeit ist Henri La Barthes unter dem Pseudonym Detective Ashelbe veröffentlichter Roman „Pepe Le Moko“ verfilmt worden: Die erste Adaption unter dem Titel „Pépé le Moko – Im Dunkel von Algier“ mit Jean Gabin in der Titelrolle datiert von 1937. Der französischen Umsetzung folgte ein Jahr später die US-amerikanische mit Charles Boyer und Hedy Lamarr. 1948 schließlich brachte Regisseur John Berry „Casbah – Verbotene Gassen“ ins Kino – nun auch in Deutschland auf DVD erschienen. Der Vollständigkeit halber sei auch die italienische Parodie „Totò le mokò“ von 1949 genannt.

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Inez liebt Pepe, doch er weist sie zurück

In „Casbah – Verbotene Gassen“ ist der auch als Sänger erfolgreiche Tony Martin als notorischer Juwelendieb Pepe Le Moko zu sehen, weshalb der Film – für ein Krimidrama ungewöhnlich – mit einigen Gesangseinlagen aufwartet. Vor der Polizei verbirgt er sich in der Kasbah von Algier, der befestigten Altstadt der algerischen Hauptstadt. Beschützt von den Bewohnern, wähnt er sich sicher, auch wenn der neue Polizeichef Louvain (Thomas Gomez) alle Kräfte mobilisiert. Der listige Inspektor Slimane (Peter Lorre) setzt mit Carlo (Douglas Dick) einen alten Weggefährten Pepes als verdeckten Ermittler auf den Ganoven an. Pepes Freundin Inez (Yvonne De Carlo) riecht zwar Lunte, doch er selbst traut Carlo den Verrat nicht zu und hat sich zu seinem Unglück in die auswärtige Schönheit Gaby (Marta Toren) verliebt.

Tony Martin oder Jean Gabin?

Mangels Sichtung der beiden Vorgänger kann ich die drei Romanverfilmungen nicht miteinander vergleichen. Gemeinhin gelten Jean Gabins und Charles Boyers Darbietungen als überzeugender als die von Tony Martin. Immerhin kann er besser singen (Dean Martin war aber charmanter). Peter Lorre („M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, „Casablanca“) sehen wir gern zu, wie er auf durchtriebene Weise das Netz um Pepe spinnt. Natürlich hat das Melodram nicht das Format von „Casablanca“, aber welcher Film hat das schon?

Bisweilen hat „Casbah – Verbotene Gassen“ eine Leichtigkeit, die ihn in die Nähe einer Krimikomödie rückt. Letztlich gewinnt aber das dramatische Moment klar die Überhand. Cherchez la femme ist schon manchem Kerl zum Verhängnis geworden.

Emigrant John Berry

Der Film markiert die vierte Regiearbeit von John Berry (1917–1999), der auch als Schauspieler aktiv war. Anfang der 1950er-Jahre in der McCarthy-Ära als Kommunist denunziert, emigrierte er aus den USA und drehte fortan in Europa, darunter als Ko-Regisseur ohne Nennung in den Credits „Atoll K“ (1951), den letzten Film von Laurel & Hardy. 1957 inszenierte Berry das Historiendrama „Die schwarze Sklavin“ mit Curd Jürgens. Dreimal drehte er mit Eddie Constantine.

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Inspektor Slimane benutzt Gaby als Lockvogel

Die Koch-Films-Veröffentlichung von „Casbah – Verbotene Gassen“ in der Reihe Film Noir Collection überzeugt im gewohnten schmalen Mediabook mit aufschlussreichem Booklet-Text über die Romanvorlage und die drei Adaptionen sowie guter Bildqualität der DVD. Einziger Wermutstropfen: die fehlenden Untertitel. Immerhin sind deutsche wie englische Tonspur gut zu verstehen. Ein würdiger Titel der Reihe und ein ungewöhnlicher Film noir mit Gesangseinlagen, endlich erstmals bei uns fürs Heimkino erschienen.

Die „Film Noir Collection“ von Koch Media haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet, Filme mit Peter Lorre unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 28. April 2016 als DVD

Länge: 82 Min. (europäische Fassung), 89 Minuten (US-Langfassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Casbah
USA 1948
Regie: John Berry
Drehbuch: Leslie Bush-Fekete, Arnold Manoff, Erik Charell (Musical-Story), nach einem Roman von Henri La Barthe (als Detective Ashelbe)
Besetzung: Yvonne De Carlo, Tony Martin, Peter Lorre, Märta Torén, Hugo Haas, Thomas Gomez, Douglas Dick, Katherine Dunham, Virginia Gregg
Zusatzmaterial: Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Booklet
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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The House at the End of Time – Zeitreise ins Grauen

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La casa del fin de los tiempos

Von Volker Schönenberger

SF-Horrordrama // Venezuela ist bislang nicht gerade als ausgewiesenes Filmland aufgefallen. Aber das lässt auf eine eigenständige Handschrift und unverbrauchte Gesichter hoffen – und das bekommen wir mit „The House at the End of Time“ geboten.

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Dulce erwacht aus der Bewusstlosigkeit

Dulce (Ruddy Rodríguez) erlebt Entsetzliches: Sie erwacht in ihrem Haus aus der Bewusstlosigkeit, blutend. Benommen stapft sie durch das Gebäude, entdeckt ihren sterbenden Ehemann Juan José (Gonzalo Cubero) mit einem Messer im Hals. Ihren Sohn Leopoldo (Rosmel Bustamante) sieht sie kurz, doch er verschwindet unter mysteriösen Umständen. Dulce wird wegen Mordes verurteilt. 30 Jahre später wird ihre Strafe in Hausarrest umgewandelt. Sie kehrt zurück an die Stätte ihrer schrecklichen Erinnerungen. Doch das Grauen ist in den Mauern verblieben.

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30 Jahre später kehrt sie ins Haus des Grauens zurück

Mehr muss man über die Handlung von „The House at the End of Time“ gar nicht wissen, sollte man auch gar nicht. Regisseur und Drehbuchautor Alejandro Hidalgo entfaltet die Geschichte in seinem bislang einzigen Film mittels Rückblenden, was insofern folgerichtig ist, als … aber ich will nicht zu viel verraten. Es geht rätselhaft zu, die Zeitsprünge verlangen Konzentration.

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Schreckliches geschieht

„The House at the End of Time“ ist Sozial- wie Familiendrama, Horror- wie Science-Fiction-Film – eine intelligente Mischung, und mit dem Hinweis auf Beachtung des Filmtitels verrate ich fast schon zu viel. Die Horrorelemente gehen eher in Richtung klassischen Grusels und weniger zum modernen Terrorfilm. Die lateinamerikanische Produktion wurde 2014 beim Screamfest in Hollywood mit dem Preis für den besten Film und die beste Regie prämiert und fand auch beim deutschen Fantasy Filmfest viel Beachtung. Zu Recht!

Veröffentlichung: 20. Februar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Spanisch
Untertitel: keine
Originaltitel: La casa del fin de los tiempos
VEN 2013
Regie: Alejandro Hidalgo
Drehbuch: Alejandro Hidalgo
Besetzung: Ruddy Rodríguez, Rosmel Bustamante, Adriana Calzadilla, Simona Chirinos, Gonzalo Cubero, Miguel Flores, Guillermo García, José León, Efraín Romero, Yucemar Morales, Héctor Mercado
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2015 Universum Film

 

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