RSS

Auch die Engel essen Bohnen – Bud mal ohne Terence

04 Jul

Auch_die_Engel_essen_Bohnen-Packshot

Anche gli angeli mangiano fagioli

Von Volker Schönenberger

Gaunerkomödie // Ruhe in Frieden, Bud Spencer! Mit dem am 27. Juni 2016 im Alter von 86 Jahren verstorbenen Olympiaschwimmer und Haudrauf-Actionstar sind wohl viele aufgewachsen, die – wie ich – aktuell in ihren Vierzigern sind. An der Anteilnahme im Netz sieht man, dass er vielen viel bedeutet. Als Idol meiner Jugend kann ich ihn nicht bezeichnen, aber wenn in den 70ern und 80ern das Abendprogramm im Ersten oder Zweiten einen Film mit Bud Spencer angekündigt hat, hat sich meist auch in meinem Elternhaus die ganze Familie vor dem Fernseher versammelt.

Terence Hill gerade als „Nobody“ aktiv

Meist war Terence Hill sein kongenialer Partner, gemeinsam bildeten die beiden ein schlagkräftiges Duo. Als der Dreh von „Auch die Engel essen Bohnen“ anstand, war Hill aber vertraglich anderweitig gebunden. Im Bonusmaterial des Films auf der Blu-ray äußert Bud Spencer in seiner Einleitung, Hill habe sich damals gerade in Richtung USA orientiert. Tatsächlich drehte Hill 1973 mit Sergio Leones „Mein Name ist Nobody“ zwar eine europäische Produktion, die Westernparodie mit Henry Fonda entstand jedoch in den USA.

Neuer Partner für Bud Spencer: Giuliano Gemma

Daher wurde Spencer als Ersatz Giuliano Gemma (1938–2013) an die Seite gestellt, der früh in seiner Karriere immerhin eine Komparsenrolle in William Wylers „Ben Hur“ (1959) mit Charlton Heston ergattert hatte. 1963 hatte er einen kleinen Part in Luchino Viscontis „Der Leopard“, in dem kurioserweise auch Terence Hill unter seinem echten Namen Mario Girotti eine Nebenrolle hatte. Zum Star etlicher Italowestern wurde er ab 1965 mit Filmen wie „Eine Pistole für Ringo“ und „Adios Gringo“, in denen er teilweise unter dem Pseudonym Montgomery Wood in Vor- und Abspann auftauchte – derlei Amerikanisierungen italienischer Filmschaffender waren in jener Zeit durchaus üblich.

In „Auch die Engel essen Bohnen“ gibt Gemma den Tunichtgut Sonny, der im Chicago der Gangster-Ära auf den Catcher Charlie (Spencer) trifft. Nachdem sie bei einer Essensausgabe der Heilsarmee ein paar renitente Polizisten in die Flucht geprügelt haben, werden sie vom Mafioso Don Angelo (Robert Middleton) als Geldeintreiber angeheuert. Besonders erfolgreich agieren die beiden nicht gerade. Ihre Opfer sind viel zu arm, um ihre Schulden zu bezahlen. In der Folge zetteln die beiden ungewollt einen Bandenkrieg an.

Der Pfirsich im Nachttopf

Unvergessen die Szene, in der das Duo eine am Hungertuch leidende Familie erleichtern will, dessen Baby permanent einen alten Pfirsichkern lutscht, diesen zuverlässig verschluckt, sodass er klöternd im Nachttopf landet und dem Kleinen wieder in den Mund geschoben wird. Klar, dass Sonny alsbald mit einem Großeinkauf an Lebensmitteln auf der Bildfläche erscheint.

„Auch die Engel essen Bohnen“ ragt als Parodie aufs Gangstergenre sicher nicht als Großtat aus der Filmografie von Bud Spencer heraus, dürfte seine Fans aber zufriedenstellen. Gemma kann Hill zwar nicht ersetzen, hat aber als etwas naiver Geselle auch ein paar lockere Sprüche zu bieten – in der deutschen Synchronisation vermutlich wie gewohnt lockerer als im Original.

Als „Der Dicke in Amerika“ gekürzt erneut ins Kino

Die Prügeldichte ist hoch, das Ganze geht wie üblich unblutig und durch klatschende Toneffekte verstärkt über die Bühne. Gern zeigt Spencer auch seine Spezialität: mit der Faust auf den Kopf. Das strahlt den knurrigen Charme aus, den wir von Bud Spencer kennen und lieben, ab und zu geht es sogar recht brutal zu, was sich immerhin meist als Traumsequenz herausstellt. Das befremdet etwas, wirkt inkonsequent. An sich hätte man einige Passagen ganz herauslassen können. Apropos herauslassen: 1979 kam der Film um eine halbe Stunde gekürzt unter dem Titel „Der Dicke in Amerika“ erneut in die deutschen Kinos, wo er dem Booklet zufolge zum zweiten Mal richtig Kasse machte – 1973 hatten 3,5 Millionen Besucher „Auch die Engel essen Bohnen“ geschaut. Die gestraffte Version hat ihm womöglich gutgetan, was ich aber mangels Sichtung der gekürzten Fassung nicht beurteilen kann. Ein paar Längen haben sich bei der Zweistundenversion jedenfalls eingeschlichen.

Von der Kamera auf den Regiestuhl: Enzo Barboni

Wie in nahezu jedem seiner nur 13 Filme wurde Regisseur und Drehbuchautor Enzo Barboni (1922–2002) auch in diesem Fall unter dem Künstlernamen E. B. Clucher gelistet. Bis Ende der 1960er-Jahre war er als Kameramann aktiv gewesen, hatte diese Tätigkeit immerhin auch bei Sergio Corbuccis „Django“ (1966) ausgeübt. Mit „Django – Die Nacht der langen Messer“ wechselte er 1970 ins Regiefach, inszenierte kurz darauf mit „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ (1970) und „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (1971) zwei der besten Bud-Spencer-Terence-Hill-Filme überhaupt. 1974 drehte er eine Fortsetzung von „Auch die Engel essen Bohnen“: In „Auch die Engel mögen’s heiß“ übernahm Giuliano Gemma erneut die Rolle des Sonny. Bud Spencer war jedoch nicht wieder dabei, ihn ersetzte ein gewisser Ricky Bruch, wohl einer der Gründe, weshalb das Sequel keine größere Bekanntheit erlangte.

Das HD-Bild der Blu-ray ist überzeugend geraten. Einige Szenen lagen wie auf der älteren DVD nicht in deutscher Synchronisation vor, sodass sie deutsch untertitelt worden sind. Dass nicht immer lippensynchron eingedeutscht wurde, war damals wohl üblich. Keine perfekte Edition, aber anständig genug und mit informativem Booklet aufgewertet, sodass die Blu-ray empfohlen werden kann.

Veröffentlichung: 25. September 2014 als Blu-ray und DVD (3L), 21. Oktober 2004 als DVD (e-m-s)

Länge: 125 Min. (Blu-ray), 119 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch (bei italienischer Tonspur nicht ausblendbar)
Originaltitel: Anche gli angeli mangiano fagioli
Deutscher Alternativtitel: Der Dicke in Amerika
IT/F/SP 1973
Regie: Enzo Barboni (als E. B. Clucher)
Drehbuch: Enzo Barboni (als E. B. Clucher), Tulio Demicheli, J. Fortini, Ángel G. Gauna, Marie Claire Solleville
Besetzung: Bud Spencer, Giuliano Gemma, Robert Middleton, Bill Vanders, Riccardo Pizzuti, Lara Sender, Steffen Zacharias, Francy Fair, Claudio Ruffini, George Rigaud
Zusatzmaterial: Intro mit Bud Spencer (1 Min.), Teil 1 der Super-8-Fassung (21 Min.), geschnittene Szenen (5 Min.), deutscher Trailer „Auch die Engel essen Bohnen“ (3 Min.), deutscher Trailer „Der Dicke in Amerika“ (3 Min.), alternative Vorspänne (Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch), erweiterte Aushangbilder- und Artworkgalerie, Bildvergleich SD/HD, Werbetafel mit allen bisher erhältlichen Spencer-Hill-Blu-rays von 3L, 8-seitiges Booklet, vermutlich nur Erstauflage: O-Ring-Schuber (Vertikalschuber)
Vertrieb: 3L Vertriebs GmbH & Co. KG

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2014 3L Vertriebs GmbH & Co. KG

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: