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Robert Siodmak (IV): Ein Tag zum Kämpfen – Der geschönte General Custer

10 Jul

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Custer of the West

Von Volker Schönenberger

Western // Die Schlacht am Little Bighorn mit dem Tod von General George Armstrong Custer gehört zu den großen mythischen Ereignissen der Indianerkriege, des Landraubs durch die Weißen, einhergehend mit der systematischen Unterwerfung und Vertreibung der Ureinwohner Nordamerikas. In zahlreichen Filmen sind die Vorgänge aufbereitet worden, dabei wurde Custer unterschiedlich porträtiert – mal als aufrechter Offizier mit Prinzipien, mal als gnadenloser Indianerkiller. Egal von welcher Seite – dass Hollywood zur seriösen geschichtlichen Aufarbeitung des Geschehens am 25. Juni 1876 taugt, darf ohnehin bezweifelt werden.

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Brillanter Offizier: George Armstrong Custer

Kriegsheld im Amerikanischen Bürgerkrieg

„Ein Tag zum Kämpfen“ mit Robert Shaw in der Rolle von Custer zeichnet ein differenziertes, aber geschöntes Bild des Offiziers, der im US-Bürgerkrieg auf Seiten der Nordstaaten zum Kriegshelden und aufgrund seiner Jugend landesweit bekannt wird – bei Kriegsende 1865 ist er erst 25 Jahre alt. Er wird zum Kommandanten des 7. Kavallerie-Regiments ernannt, um die aufsässigen Indianer zu besiegen. Zwar hegt er keinen Groll, keine persönliche Abneigung gegen die Indianer, seinen Auftrag führt er aber ohne Skrupel aus.

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Die Kavalleristen schießen …

Die Untergeordneten sind schwer zu bändigen

Nach seiner Ankunft gerät er schnell mit zwei untergeordneten Offizieren aneinander: Lieutenant Benteen (Jeffrey Hunter) hat Verständnis für die Situation der Indianer, bei Major Reno (Ty Hardin) macht sich Custer unbeliebt, weil er ihn wegen dessen Alkoholkonsums maßregelt. Als er einen Einsatz gegen die Indianer befiehlt, melden sich prompt etliche Soldaten krank. Auch mit Deserteuren muss sich Custer herumplagen – als einer von ihnen ist übrigens Robert Ryan („Das dreckige Dutzend“, „The Wild Bunch – sie kannten kein Gesetz“) zu sehen.

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… auf die Indianer

Wäscht Robert Siodmak den General rein?

Mary Ure fungiert in der Rolle von Custers Ehefrau Elizabeth als gutes Gewissen ihres Gatten, zu mehr taugt ihre Rolle nicht. Der von Lawrence Tierney verkörperte, historisch verbürgte General Philip Sheridan ist die übergeordnete Instanz, der Befehlsgeber zu den Attacken gegen die Indianer. Dem historischen Sheridan wird das bekannte Leitmotiv „Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer“ zugeschrieben. Im Film dient seine Figur letztlich als Legitimierung von Custers Handeln. Offiziere müssen Befehlen gehorchen, mit der Rechtfertigung Befehlsnotstand sind seit jeher viele Kriegsverbrechen verharmlost worden. Den Vorwurf, Custer auf diese Weise reinzuwaschen, muss sich auch Regisseur Robert Siodmak gefallen lassen.

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Ein Deserteur (l.) wird gefasst

Routiniert inszeniertes Biopic

Bevor Siodmak übernahm, waren Akira Kurosawa („Die sieben Samurai“) und Fred Zinnemann („12 Uhr mittags“) als Regisseure vorgesehen gewesen. Natürlich beherrscht Siodmak sein Handwerk, der Western ist episch angelegt und schön fotografiert, seine Interpretation von Custer deckt sich aber wohl kaum mit dem Stand der Forschung über Custer. Damit verharmlost Siodmak letztlich eine historisch bedeutsame Figur, das wertet ein ansonsten routiniert inszeniertes Biopic zwangsläufig ab. Dazu trägt auch Robert Shaw bei, dessen versiertes Spiel Custer als ehrenhaften, prinzipientreuen Offizier zeichnet, der bis zum Ende seinen Mann steht und aufrecht, geradezu heldenhaft in den Tod geht. Wie wohl die Nachfahren seiner damaligen Gegner über diese Verklärung denken?

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Gepanzertes Kriegsgerät

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Robert Siodmak sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

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Ritt ins Verderben

Veröffentlichung: 26. Februar 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 135 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Custer of the West
Alternativtitel: Big Horn – Ein Tag zum Kämpfen
GB/F/SP/USA 1967
Regie: Robert Siodmak
Drehbuch: Bernard Gordon, Julian Zimet
Besetzung: Robert Shaw, Mary Ure, Ty Hardin, Jeffrey Hunter, Lawrence Tierney, Marc Lawrence, Kieron Moore, Charles Stalmaker, Robert Hall, Robert Ryan
Zusatzmaterial: keins
Vertrieb: White Pearl Movies / daredo (Soulfood)

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2016 White Pearl Movies / daredo (Soulfood)

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