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Star Trek – Beyond: Hinterhalt auf der Rettungsmission

20 Jul

Star_Trek_Beyond-Plakat

Star Trek – Beyond

Kinostart: 21. Juli 2016

Von Volker Schönenberger

Zur Erinnerung an Anton Yelchin (1989–2016) und Leonard Nimoy (1931–2015)

SF-Action-Abenteuer // Um die Jahrtausendwende als Kind zum Film gekommen, hat Anton Yelchin 2009 mit seiner Rolle des Navigationsoffiziers Pavel Chekov in „Star Trek“ und der Verkörperung von Kyle Reese in „Terminator – Die Erlösung“ nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Mit der Titelrolle im Mysterythriller „Odd Thomas“ (2013), einer Nebenrolle in Jim Jarmuschs betörendem Vampir-Melodram „Only Lovers Left Alive“ (2013) und seinem Part als Punkmusiker im Nazi-Horrorthriller „Green Room“ (2015) bewies er ein Faible für interessante Figuren jenseits des Hollywood-Mainstreams. Einen Monat vor den weltweiten Premieren von „Star Trek – Beyond“ starb Anton Yelchin an den Folgen eines Autounfalls. Er wurde nur 27 Jahre alt.

Left to right: John Cho plays Sulu, Anton Yelchin plays Chekov, Karl Urban plays Bones, Chris Pine plays Kirk, Zachary Quinto plays Spock and Simon Pegg plays Scotty in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Kirk (vo.) und seine Crew müssen sich einmal mehr bewähren

In seiner dritten und letzten Verkörperung von Chekov hat Yelchin immerhin anständig Leinwandzeit spendiert bekommen – zu Anfang noch recht unauffällig auf der Brücke der „USS Enterprise“, später deutlich mehr. Das Raumschiff unter dem Kommando von Captain James Tiberius Kirk (Chris Pine) befindet sich auf einer fünfjährigen Forschungsmission. Nach einem Zwischenstopp auf der gigantischen Raumstation „Yorktown“ macht sich die „Enterprise“ zu einer Rettungsmission in Richtung eines entlegenen Planeten auf. Kaum in dessen Nähe angekommen, gerät sie in einen Hinterhalt und unter massive Attacken fremdartiger Waffensysteme. Die „Enterprise“ wird geentert, ihr Warp-Antrieb ausgeschaltet, ihre Flucht so verhindert. Große Teile des Raumschiffs werden zerstört und abgetrennt, bis sein Rumpf schließlich schwer in Mitleidenschaft gezogen auf dem Planeten niedergeht.

Left to right: Chris Pine plays Kirk and Idris Elba plays Crowl in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Krall (r.) hegt finstere Pläne

Bis zu dieser ersten großen Actionsequenz des Films geht es in „Star Trek – Beyond“ vergleichsweise ruhig zu, doch mit diesem Zerstörungs-Szenario legt Regisseur Justin Lin („Fast & Furious“ – Teile 3 bis 6) die Action-Messlatte erst einmal hoch. In der Folge kommt es zu weiteren der Story dienenden Erzähl-Passagen, bis es zum Finale dann eine ganze Weile ununterbrochen zur Sache geht. Das ist nicht immer übersichtlich, bisweilen fragt man sich, was da gerade zu Bruch gegangen ist. Technisch perfekt ist das natürlich inszeniert und produziert, auch wenn mich einmal mehr die dritte Dimension eher achselzuckend zurückgelassen hat. Einen Wow-Effekt habe ich zu keinem Zeitpunkt gespürt.

Left to right: Karl Urban plays Bones and Zachary Quinto plays Spock in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Pille (l.) und Spock schlagen sich durch

Die liebgewonnene Crew der „Enterprise“ ist vollzählig versammelt. Commander Spock (Zachary Quinto) wird von ungeahnten Emotionen heimgesucht. Die Nachricht vom Tod des Botschafters Spock (Leonard Nimoy, nur auf Fotos zu sehen) trifft ihn, obendrein muss er sich über seine Gefühle zu Lieutenant Nyota Uhura (Zoe Saldana) im Klaren werden. Beim erwähnten Absturz der „Enterprise“ werden Spock und Doc „Pille“ McCoy (Karl Urban) von allen anderen getrennt und müssen sich zu zweit durchschlagen. Bordingenieur Montgomery „Scotty“ Scott (Simon Pegg) ist anfangs gar völlig auf sich allein gestellt, erhält bald aber Hilfe von der Amazone Jaylah (Sofia Boutella), die seit langer Zeit allein auf dem Planeten lebt und sich in einem abgestürzten Raumschiff der Föderation ein Zuhause eingerichtet hat. Während sich auch Kirk und Chekov vorerst zu zweit vorankämpfen, sind Uhura, Lieutenant Hikaru Sulu (John Cho) und viele andere überlebende Besatzungsmitglieder Gefangene des fiesen Krall (Idris Elba) geworden, dessen Absichten ganz sicher nicht friedfertig sind.

Sofia Boutella plays Jayla in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Amazone Jaylah …

Ob Krall mit der Zeit einen Ehrenplatz in der Riege der „Star Trek“-Finsterlinge einnehmen wird, darf bezweifelt werden. Die Figur ist mit Idris Elba zwar gut besetzt – man erkennt ihn allerdings erst gegen Ende –, ihre sich spät offenbarende Hintergrundgeschichte überzeugt aber nicht, hinterlässt mit fragwürdiger Psychologisierung etwas Ratlosigkeit. Jaylah hingegen etabliert sich auf frische Weise als Sidekick von Scotty, im bereits angekündigten vierten Teil des aktuellen „Star Trek“-Reboots sehen wir sie hoffentlich wieder. Ob alle Crew-Mitglieder der „Enterprise“ in einer Fortsetzung auftauchen werden, darf hingegen bezweifelt werden. Chekov-Darsteller Yelchin soll aus Respekt nicht ersetzt werden. Spock-Darsteller Quinto hat seine vertraglichen Pflichten für drei Filme erfüllt und bereits angekündigt, sich neuen Aufgaben widmen zu wollen. Ob seine Absage an Teil 4 in Stein gemeißelt ist, mag die Zeit und seine künftige Auslastung mit interessanten Rollen zeigen. Quinto sei jeder Erfolg gegönnt, aber er ist ein großartiger Spock. Produzent J. J. Abrams hat für das Sequel kürzlich Chris „Thor“ Hemsworth in seiner Rolle als Kirks Vater George bestätigt. Der war zwar in „Star Trek“ (2009) gestorben, aber Zeitreisen sind in Gene Roddenberrys Universum kein Ding der Unmöglichkeit. Gespannt dürfen wir auch auf die neue „Star Trek“-Serie sein, die in Deutschland voraussichtlich ab Januar 2017 über Netflix verfügbar sein wird.

Left to right: Sofia Boutella plays Jaylah and Simon Pegg plays Scotty in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

… hilft Scotty

„Star Trek – Beyond“ hat jedenfalls Freude gemacht und lohnt den Kinogang, da ist Vorfreude auf eine weitere Kino-Umsetzung zulässig. Die recht einfach gestrickte Story – die Crew um Kirk gegen einen Schurken mit zerstörerischen Absichten – ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss und auch in der „Star Trek“-Welt nicht zum ersten Mal erzählt worden, aber es darf auch mal Bewährtes sein. Die Action ist bombastisch, einen gewissen Ermüdungseffekt angesichts immer neuer Blockbuster-Spektakel lasten wir nicht „Star Trek“ an. Es wird der Schauwerte langsam zu viel mit all diesen Marvel-, DC- und sonstigen Gigantismen. „Star Trek – Beyond“ wird dereinst vermutlich nicht als der große Blockbuster des Jahres 2016 vermerkt sein, wird aber vermutlich Trekkies und insbesondere Fans des 2009 gestarteten Reboots zufriedenstellen – sofern sie sich nicht daran stören, dass plötzlich hämmernde Hip-Hop-Beats von „Public Enemy“ erschallen. Und wer hätte gedacht, dass man eine gegnerische Angriffsformation mit dem Sound der „Beastie Boys“ verwirren kann?

Left to right: Simon Pegg plays Scotty, Sofia Boutella plays Jaylah and Chris Pine plays Kirk in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Jaylahs Respekt muss Kirk erst einmal erringen

Etwas Aufsehen erregte im Vorfeld die Enthüllung, dass Lieutenant Sulu als schwul dargestellt werden solle. George Takei, Darsteller des Sulu in den klassischen „Raumschiff Enterprise“-Folgen und „Star Trek“-Filmen und selbst seit seinem Coming-out im Jahr 2005 als Aktivist für die Rechte Homosexueller bekannt, war darüber gar nicht erfreut: „Star Trek“-Schöpfer Gene Roddenberry habe die Figur Sulu seinerzeit klar als heterosexuell angelegt. In „Star Trek – Beyond“ erhält Sulus sexuelle Orientierung aber nur kurz Raum – bei einem „Landgang“ auf „Yorktown“ wird der Offizier von seinem Lebensgefährten und der gemeinsamen Tochter begrüßt. Bemerkenswert, dass sogar eine Elternschaft eines schwulen Paars eingebaut worden ist. Die nonchalante Szene ist schnell vorbei, funktioniert als kurzes Statement gut – das passt. Puristische Trekkies mögen sich auf George Takeis Seite schlagen – dürfen sie. Homophobiker hingegen mögen sich gehackt legen.

Zoë Saldana plays Uhura in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Uhura in Gefahr

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Chris Pine und/oder Anton Yelchin sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Left to right: Zachary Quinto plays Spock, Sofia Boutella plays Jaylah and Karl Urban plays Bones in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Die Rettung naht

Länge: 120 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Star Trek – Beyond
USA 2016
Regie: Justin Lin
Drehbuch: Simon Pegg, Doug Jung
Besetzung: Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban, Simon Pegg, Anton Yelchin, Zoe Saldana, John Cho, Sofia Boutella, Idris Elba, Greg Grunberg
Verleih: Paramount Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Left to right: Anton Yelchin plays Chekov, Chris Pine plays Kirk and John Cho plays Sulu in Star Trek Beyond from Paramount Pictures, Skydance, Bad Robot, Sneaky Shark and Perfect Storm Entertainment

Riskanter Start

Filmplakat & Fotos &amp: © 2016 Paramount Pictures Germany GmbH

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