RSS

Casbah – Verbotene Gassen: Film noir mit Gesangsleinlagen

31 Jul

Casbah-Packshot

Casbah

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Dreimal innerhalb kurzer Zeit ist Henri La Barthes unter dem Pseudonym Detective Ashelbe veröffentlichter Roman „Pepe Le Moko“ verfilmt worden: Die erste Adaption unter dem Titel „Pépé le Moko – Im Dunkel von Algier“ mit Jean Gabin in der Titelrolle datiert von 1937. Der französischen Umsetzung folgte ein Jahr später die US-amerikanische mit Charles Boyer und Hedy Lamarr. 1948 schließlich brachte Regisseur John Berry „Casbah – Verbotene Gassen“ ins Kino – nun auch in Deutschland auf DVD erschienen. Der Vollständigkeit halber sei auch die italienische Parodie „Totò le mokò“ von 1949 genannt.

Casbah-3

Inez liebt Pepe, doch er weist sie zurück

In „Casbah – Verbotene Gassen“ ist der auch als Sänger erfolgreiche Tony Martin als notorischer Juwelendieb Pepe Le Moko zu sehen, weshalb der Film – für ein Krimidrama ungewöhnlich – mit einigen Gesangseinlagen aufwartet. Vor der Polizei verbirgt er sich in der Kasbah von Algier, der befestigten Altstadt der algerischen Hauptstadt. Beschützt von den Bewohnern, wähnt er sich sicher, auch wenn der neue Polizeichef Louvain (Thomas Gomez) alle Kräfte mobilisiert. Der listige Inspektor Slimane (Peter Lorre) setzt mit Carlo (Douglas Dick) einen alten Weggefährten Pepes als verdeckten Ermittler auf den Ganoven an. Pepes Freundin Inez (Yvonne De Carlo) riecht zwar Lunte, doch er selbst traut Carlo den Verrat nicht zu und hat sich zu seinem Unglück in die auswärtige Schönheit Gaby (Marta Toren) verliebt.

Tony Martin oder Jean Gabin?

Mangels Sichtung der beiden Vorgänger kann ich die drei Romanverfilmungen nicht miteinander vergleichen. Gemeinhin gelten Jean Gabins und Charles Boyers Darbietungen als überzeugender als die von Tony Martin. Immerhin kann er besser singen (Dean Martin war aber charmanter). Peter Lorre („M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, „Casablanca“) sehen wir gern zu, wie er auf durchtriebene Weise das Netz um Pepe spinnt. Natürlich hat das Melodram nicht das Format von „Casablanca“, aber welcher Film hat das schon?

Bisweilen hat „Casbah – Verbotene Gassen“ eine Leichtigkeit, die ihn in die Nähe einer Krimikomödie rückt. Letztlich gewinnt aber das dramatische Moment klar die Überhand. Cherchez la femme ist schon manchem Kerl zum Verhängnis geworden.

Emigrant John Berry

Der Film markiert die vierte Regiearbeit von John Berry (1917–1999), der auch als Schauspieler aktiv war. Anfang der 1950er-Jahre in der McCarthy-Ära als Kommunist denunziert, emigrierte er aus den USA und drehte fortan in Europa, darunter als Ko-Regisseur ohne Nennung in den Credits „Atoll K“ (1951), den letzten Film von Laurel & Hardy. 1957 inszenierte Berry das Historiendrama „Die schwarze Sklavin“ mit Curd Jürgens. Dreimal drehte er mit Eddie Constantine.

Casbah-2

Inspektor Slimane benutzt Gaby als Lockvogel

Die Koch-Films-Veröffentlichung von „Casbah – Verbotene Gassen“ in der Reihe Film Noir Collection überzeugt im gewohnten schmalen Mediabook mit aufschlussreichem Booklet-Text über die Romanvorlage und die drei Adaptionen sowie guter Bildqualität der DVD. Einziger Wermutstropfen: die fehlenden Untertitel. Immerhin sind deutsche wie englische Tonspur gut zu verstehen. Ein würdiger Titel der Reihe und ein ungewöhnlicher Film noir mit Gesangseinlagen, endlich erstmals bei uns fürs Heimkino erschienen.

Die Film Noir Collection von Koch Films (vormals Koch Media):

01. Die blaue Dahlie (The Blue Dahlia, 1946)
02. Spiel mit dem Tode (The Big Clock, 1948)
03. Schwarzer Engel (Black Angel, 1946)
04. Desert Fury – Liebe gewinnt (Desert Fury, 1947)
05. Der schwarze Spiegel (The Dark Mirror, 1946)
06. Du und ich (You and Me, 1938)
07. Der General starb im Morgengrauen (The General Died at Dawn, 1936)
08. Der Mann mit der Narbe (Hollow Triumph, 1947)
09. Ausgestoßen (Odd Man Out, 1947)
10. Briefe aus dem Jenseits (The Lost Moment, 1947)
11. Chicago Joe und das Showgirl (Chicago Joe and the Showgirl, 1990)
12. Schritte in der Nacht (He Walked by Night, 1948)
13. Detour – Umleitung (Detour, 1945)
14. Das schwarze Buch (Reign of Terror aka The Black Book, 1949)
15. Zeuge gesucht (Phantom Lady, 1944)
16. Unter Verdacht (The Suspect, 1944)
17. Der unheimliche Gast (The Uninvited, 1944)
18. Ministerium der Angst (Ministry of Fear, 1944)
19. Die Killer (The Killers, 1946)
20. Opfer der Unterwelt (D.O.A., 1950)
21. Die Nacht hat tausend Augen (Night Has a Thousand Eyes, 1948)
22. Der gläserne Schlüssel (The Glass Key, 1942)
23. Casbah – Verbotene Gassen (Casbah, 1948)
24. Die Narbenhand (This Gun for Hire, 1942)
25. Die rote Schlinge (The Big Steal, 1949)

Veröffentlichung: 28. April 2016 als DVD

Länge: 82 Min. (europäische Fassung), 89 Minuten (US-Langfassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Casbah
USA 1948
Regie: John Berry
Drehbuch: Leslie Bush-Fekete, Arnold Manoff, Erik Charell (Musical-Story), nach einem Roman von Henri La Barthe (als Detective Ashelbe)
Besetzung: Yvonne De Carlo, Tony Martin, Peter Lorre, Märta Torén, Hugo Haas, Thomas Gomez, Douglas Dick, Katherine Dunham, Virginia Gregg
Zusatzmaterial: Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: