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Archiv für den Monat August 2016

The Stalking Dead – Mein kopfloser Ex: Horror in YouTube-Ästhetik

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Clinger

Von Matthias Holm

Horrorkomödie // Die erste Liebe ist immer etwas ganz Besonderes. So auch für Fern Petersen (Jennifer Laporte). Allerdings merkt sie recht schnell, dass ihr Freund Robert (Vincent Martella) etwas zu anhänglich ist. Als Fern letzten Endes Schluss machen will, wird Robert dabei durch einen blöden Zufall geköpft. Das hält ihn nicht davon ab, Fern weiter seine Liebe zu gestehen – er kehrt als Geist zurück. Nun muss die Teenagerin also einen Geist loswerden, ohne Robert allzu sehr aufzuregen. Denn wütende Geister können ziemlich fies werden.

Amateurhaft in vielen Belangen

Dem unter anderem durch Kickstarter finanzierte Film sieht man sein schmales Budget an den meisten Stellen an. Vor allem aufgrund seiner amateurhaften, beinahe sterilen Optik und des simplen Schnitts hat man das Gefühl, ein überlanges YouTube-Video zu sehen. Auch die Schauspieler füllen ihre Rollen nicht wirklich aus, mit Ausnahme von Jennifer Laporte kommt niemand im Cast über das bloße Aufsagen des Textes hinaus.

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Was kann bei einer solchen Konstruktion schon schiefgehen?

Dafür punktet der Film an anderen Stellen. Jennifer Laporte ist wie erwähnt als Hauptfigur gut gewählt, sie vermittelt überzeugend den Liebes- und Leidensweg von Fern. Was „Clinger“ (engl. für Anhänger), so der passendere englische Titel, dann noch hervorhebt, ist sein Humor. Der herrscht vor allem in den Dialogen vor, die teilweise rabenschwarz, teilweise obskur und absurd sind. Hätte man Schauspieler mit einem besseren Gespür für Timing gehabt, wäre der Film eine ganze Ecke witziger ausgefallen.

Wenige, aber riesige Blutfontänen

Auch die Gewaltszenen stechen heraus. Davon gibt es zwar nicht viele, aber wenn sie da sind, wie die anfangs erwähnte Enthauptung, dann werden sie sehr gut und mit viel Kunstblut inszeniert – das passt zum Humor des Films. Zumindest hat man bisher keinen Film gesehen, in denen ein Mann brutal von Teddybären zerfetzt wird und dessen Geist daraufhin seine eigene Leiche wegträgt. Die Kuscheltiere werden übrigens allesamt gesprochen von Regisseur und Drehbuchautor Michael Steves. Der FSK war all das eine Freigabe ab 16 Jahren wert. Dass die Blu-ray und DVD mit einem FSK-18-Logo daherkommen, liegt an einigen FSK-18-Trailern im Zusatzmaterial.

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Sex mit Toten kann blutig werden

„The Stalking Dead – Mein kopfloser Ex“ ist ein B-Movie. Mehr erwartet man aber auch von nicht von einem Film, der mit 15.411 Dollar über Kickstarter finanziert wurde. Und dafür macht Michael Steves mit seinem ersten Langfilm einiges richtig, wenn auch nicht alle Zahnräder ineinander passen. Dafür haben wir aber einen kurzen, sehr unterhaltsamen Rohdiamanten. Und danach sucht man doch als Genre-Fan.

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Mit Spielzeugwaffen zur Geisterjagd

Veröffentlichung: 1. September 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 80 Min. (Blu-ray), 77 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Clinger
USA 2015
Regie: Michael Steves
Drehbuch: Gabi Chennisi, Bubba Fish, Michael Steves
Besetzung: Jennifer Laporte, Vincent Martella, Julia Aks, Shonna Major, Alicia Monet Caldwell, Taylor Clift
Zusatzmaterial: Filmtrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2016 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2016 Tiberius Film

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David Cronenberg (VI): Die Brut – Materialisierter Trennungsschmerz

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The Brood

Gastrezension von Simon Kyprianou

It was very emotional, it was vengeance. It was definitely catharsis in a very personal way for me. That explains my famous statement, that this was my version of “Kramer vs. Kramer”, which was the most false, sentimental, bullshit movie ever. (David Cronenberg)

SF-Horror // Nola Carveth (Samantha Eggar) ist in der psychiatrischen Klinik von Dr. Ragland (Oliver Reed) und lässt sich ominöser, moderner Behandlungsmethoden unterziehen. Plötzlich tauchen geschlechtslose, entstellte Kinder im Leben ihres Ehemanns Frank (Art Hindle) und ihrer Tochter Candice (Cindy Hinds) auf und töten Menschen, angefangen mit Candices Großeltern. Fieberhaft versucht Frank, den Morden auf die Spur zu kommen.

Genrekino und Arthausfilm gleichermaßen

In seinen Frühwerken hat David Cronenbergs mit schlafwandlerischer Sicherheit den Balanceakt zwischen räudigem Genrekino und hochintelligentem Kunstfilm geschafft. So auch bei „Die Brut“: Cronenberg gelingt es, mit der Kamera etwas sichtbar zu machen, was ohne die Kamera unsichtbar geblieben wäre, eine Fähigkeit, die der Mehrzahl der heutigen Filmemacher laut Jean-Luc Godard abgeht. All den Hass, die Angst und die Wut, die bei einer Trennung unter der Fassade der Menschen schwelen, verwandelt Cronenberg in organische Objekte – die entstellten Kinder. So gelingt es ihm, abstrakte Gefühle und diffuse Seelenzustände fassbar und erfahrbar zu machen.

Sezierung des Hasses

Cronenberg untersucht und fühlt sich ein in den Schmerz und die Wut einer Scheidung, einer Trennung und auch die Auswirkungen auf Kinder. Er demaskiert und seziert den Hass, der normalerweise unter der kultivierten Oberfläche verborgen bleibt. Howard Shores unheilvolle Klänge und Cronenbergs langsam treibende Inszenierung verdichten diese konsequente Übersetzung seelischen Schmerzes auf direkte körperliche Schädigung bis hin zum Ende, an dem Cronenberg Menschen in einem schockierenden, trashigen Inferno zu Tieren werden lässt. Eine konsequente, fantastische Kollision der Emotionen, eine Studie und Beobachtung von roher Menschlichkeit. „Die Brut“ ist für Cronenberg, was für Andrzej Zulawski „Possession“ ist.

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Nola ist nicht gut auf ihren Mann Frank zu sprechen …

Nachdem Criterion den Film kürzlich in den USA in einer herausragenden Edition veröffentlicht hat, ist „Die Brut“ nun endlich auch hierzulande mit einer angemessenen Veröffentlichung im Mediabook bedacht worden. Die 2-Disc Collector’s Edition vom jungen Label Wicked-Vision Media erhält zahlreiche aufwändig produzierte Extras, ein ausführliches Booklet von Marcus Stiglegger sowie einen Audiokommentar von Stiglegger und seinem Kollegen Kai Naumann. Eine bessere Edition hätte man sich nicht wünschen können. Es bleibt zu hoffen, dass in naher Zukunft auch die Filme von Cronenberg bedacht werden, zu denen es noch keine derartigen Veröffentlichungen gibt – wie beispielsweise „Crash“.

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… und hetzt ihm die Brut auf den Hals

Abschließend ein Kommentar zur bis 2013 andauernden Indizierung von „Die Brut“ in Deutschland – von Cronenberg persönlich: Censors tend to do what only psychotics do: they confuse reality with illusion.

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Die richtet gehörig Schaden an …

David Cronenberg bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Parasiten-Mörder (1975, geplant)
Die Brut (1979)
Scanners – Ihre Gedanken können töten (1981)
Dead Zone (1983)
Die Fliege (1986)
Naked Lunch (1991, geplant)
Crash (1996)
eXistenZ (1999, geplant)
Spider (2002)
A History of Violence (2005, geplant)
Maps to the Stars (2014)

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… und macht selbst vor Franks und Nolas Kind nicht Halt

Veröffentlichung: 5. August 2016 als 2-Disc Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, limitiert auf 2999 Exemplare), 7. Juli 2006 als DVD

Länge: 87 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Brood
KAN 1979
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Besetzung: Oliver Reed, Samantha Eggar, Art Hindle, Cindy Hinds, Susan Hogan
Zusatzmaterial Mediabook: 24-seitiges Booklet von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Audiokommentare, Featurettes, Super-8-Fassung, TV-Spot, Radio-Spot, Teaser, Trailer, Bildergalerien
Zusatzmaterial DVD: Filmografien von David Cronenberg, Oliver Reed, Samantha Eggar, Art Hindle, Henry Beckman
Vertrieb: Wicked-Vision Media (Mediabook), Black Hill Pictures / Warner Home Video (DVD)

Copyright 2016 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2016 Wicked-Vision Media

 

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Rache – Bound to Vengeance: Die Gepeinigte schlägt zurück

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Bound to Vengeance

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Das Cover mit einer leichtbekleideten Dame inklusive Waffe in ihrer Hand lässt erst einmal nichts Besonderes erwarten. Ähnliche Motive hat man in der jüngsten Vergangenheit mehrfach erblickt, nicht zuletzt von Tiberius Film, dem Label, das auch „Rache – Bound to Vengeance“ für den deutschen Markt zugänglich macht – ungeschnitten, immerhin.

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Eve bringt …

Der Einstieg verspricht dann aber doch etwas mehr – und der Rest hält es ein. Wir sehen einen Mann mit einem Tablett in den Keller gehen. Er will seiner Gefangenen die tägliche Mahlzeit bringen. Phil (Richard Tyson), so erfahren wir später, hat Eve (Tina Ivlev) ein halbes Jahr zuvor in seine Gewalt gebracht, um sie wieder und wieder zu vergewaltigen. Doch Eve hat niemals aufgegeben, überwältigt Phil nun mit einem Ziegelstein. Vor seinem Haus merkt sie, dass Phil sie in eine gottverlassene Wüstengegend gebracht hat. Sie gönnt sich erst einmal eine Dusche. Eve entdeckt einige Fotos, die sie vermuten lassen, Phil habe an anderen Orten weitere Frauen in seiner Gewalt. Sie versucht, deren Verbleib aus Phil herauszuholen …

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… ihren Peiniger Phil in ihre Gewalt

Was anfangs einen herkömmlichen Rape-and-Revenge-Streifen vermuten lässt, entwickelt sich in der Folge zu einem durchaus doppelbödigen Horrorthriller, der einige Verwirrung auslöst. Da sind etwa die immer wieder eingestreuten Video-Schnipsel, die Eve in unbeschwerten Momenten mit ihrem Freund Ronnie (Kristoffer Kjornes) zeigen – sie scheint im Urlaub und glücklich zu sein. Was soll uns das sagen?

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Wo sind die anderen Frauen?

Man könnte andere Szenen erwähnen, lobend erwähnen, wie sie die Doppelbödigkeit vorantreiben. Aber es erscheint dem Filmgenuss unserer Leser zuträglicher, einfach gar nichts mehr zu verraten. Stürzt euch kopfüber in die Nacht mit Eve und ihrer Tour de Force mit Phil! Wie so oft im Sektor billig produzierter Genrefilme ist die deutsche Synchronfassung bestensfalls mittelmäßig zu nennen. Wer der englischen Sprache ausreichend mächtig ist, greife daher lieber auf die Original-Tonspur zurück. „Rache – Bound to Vengeance“ ist als fieser kleiner Horrorthriller die Sichtung auf jeden Fall wert.

Rape and Revenge ist ein finsterer Bastard des Horrorgenres. Für den Konsum dieser Filme wird man im privaten Umfeld gern mal scheel angeschaut – vielleicht nicht zu Unrecht. Welche könnt Ihr empfehlen?

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Da ist eine von ihnen

Veröffentlichung: 1. September 2016 als limitiertes 2-Disc-Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 80 Min. (Blu-ray), 76 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Bound to Vengeance
USA 2015
Regie: José Manuel Cravioto
Drehbuch: Rock Shaink Jr., Keith Kjornes, Dustin Quick, Kristoffer Kjornes, Stephanie Charles
Besetzung: Tina Ivlev, Richard Tyson, Amy Okuda, Bianca Malinowski
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Trailer, Trailershow, Wendecover, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Tiberius Film

 
 

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