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R100 – Härter ist besser: Absurder SM-Trip

02 Aug

R100-Packshot

R100

Von Matthias Holm

Groteske // Um aus seinem tristen Alltag zu entkommen, tritt der Kaufhaus-Angestellte Takafumi (Nao Omori) einem geheimen Sado-Maso-Club bei. Die Regeln sind einfach. Ein Jahr lang wird Takafumi von Dominas gezüchtigt – jedoch nicht in einem Bordell, sondern während seines Alltags und das zufällig. Ein Austritt aus dem Club ist nicht möglich. Anfangs genießt Takafumi die unerwarteten Erniedrigungen. Doch dann wird seine Familie bedroht und das SM-Spiel läuft außer Kontrolle.

Alles andere als normal

Was Regisseur und Drehbuchautor Hitoshi Matsumoto den Zuschauern hier vorsetzt, kann nur mit einem Wort beschrieben werden – absurd. Bereits nach der Eröffnungssequenz sollte jedem klar sein, dass „R100“ kein normaler Film ist: Nachdem ein Mann sein Date beim Essen über Beethoven aufklärt, wird sein Gesicht erst einmal gegen das Fenster des Restaurants getreten.

Matsumoto springt mit „R100“ quer durch alle Genres. Handelt es sich anfangs um ein künstlerisch angehauchtes Drama – die Befreiung während der Sessions, die Takafumi erlebt, wird durch visuelle Stilmittel deutlich gemacht –, benutzt Matsumoto bald darauf unvermittelt Elemente aus Dokumentationen und Torture-Porn-Filmen.

Filmkritiker werden gleich mitgeliefert

Auch die Komik kommt nicht zu kurz, gerade der Einsatz von Musik wirkt manchmal absichtlich daneben. Und dann gibt es Sequenzen, die außerhalb des eigentlichen Geschehens spielen: Kritiker nehmen den Film auseinander und prangern diverse Logiklöcher an. Wenn gegen Ende die Latex-Dominas zu wild durch die Gegend fliegenden Ninja-Kämpferinnen werden, wird jeglicher bis dato verbliebener Sinn über Bord geworfen.

Bei einem solchen Werk sind die üblichen Herangehensweisen an eine Kritik – wie waren die Schauspieler, wie gut durchdacht ist die Geschichte oder Ähnliches – obsolet. Hitoshi Matsumoto weiß um den Unsinn, den er dem Zuschauer bietet. Dementsprechend wird dies zum Fixpunkt des Films erhoben, ständig wartet man auf neue Eskapaden – entweder der Dominas oder des Filmemachers.

Grober Unfug?

So ist „R100“ ein interessantes, aber auch krudes Werk. SM-Freunde dürfen sich wohl an der ein oder anderen Szene und den Outfits der Damen ergötzen. Alle anderen können sich an der dargebotenen Sinnlosigkeit erfreuen – es ist aber auch verständlich, wenn man dem Ganzen überhaupt nichts abgewinnen kann.

Die FSK-18-Freigabe auf dem Cover täuscht etwas: Der Film ist ab 16 freigegeben, das rote Logo resultiert vermutlich aus einem 18er-Trailer im Zusatzmaterial. Ein mittlerweile bei manchen Labeln üblicher Etikettenschwindel.

Veröffentlichung: 29. Juli 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: R100
JAP 2013
Regie: Hitoshi Matsumoto
Drehbuch: Nao Omori, Hitoshi Matsumoto, Mitsuyoshi Takasu, Tomoji Hasegawa, Kôji Ema, Mitsuru Kuramoto
Besetzung: Hitoshi Matsumoto, Mao Asou, Mao Daichi, Hairi Katagiri, Lindsay Hayward, Gin Maeda
Zusatzmaterial: Trailer, Japanischer TV-Spot, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2016 by Matthias Holm
Packshot: © 2016 Al!ve AG / donau film

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