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Schock – The Quatermass Xperiment: Wenn der Schrecken durch die Nacht schleicht

07 Aug

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The Quatermass Xperiment

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Eine bemannte Rakete geht im ländlichen England auf einem Feld nieder. Ihr entsteigt der Astronaut Victor Carroon (Richard Wordsworth, „Der Fluch von Siniestro“), der umgehend zusammenbricht. An Bord müssten zwei weitere Astronauten sein, doch es finden sich nur ihre leeren Raumanzüge, darin eine gallertartige Masse. Während Professor Bernard Quatermass (Brian Donlevy) und sein Assistent Dr. Gordon Briscoe (David King-Wood) von der britischen Raumfahrtbehörde untersuchen, was während der Weltraummission geschehen sein mag, verändert sich Carroon auf groteske und furchterregende Weise …

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Astronaut Carroon (r.) hat etwas aus dem All mitgebracht

Zwischen Horror und Science-Fiction angesiedelt, läutete „Schock – The Quatermass Xperiment“ für die britische Produktionsfirma Hammer Films deren Goldenes Zeitalter des Horrors ein – zwei Jahre später startete Hammer mit „Frankensteins Fluch“ in Richtung klassischer Horror durch. „Schock“ steht als recht typischer Vertreter der 50er-Jahre in einer Tradition mit Filmen wie „Formicula“ („Them!“, 1954), „Die Dämonischen“ („Invasion of the Body Snatchers“, 1956) und „Blob – Schrecken ohne Namen“ („The Blob“, 1958). Speziell zum Letztgenannten weist er Parallelen auf. Diese im Grenzbereich zwischen Science-Fiction und Horror angesiedelten Filme spielten mit einer verbreiteten, diffusen Angst vor einer Herrschaft des Bösen, bisweilen – besonders in den USA – war damit weniger diffus der Bolschewismus Stalinscher Prägung gemeint. Auch Warnungen vor ungezügelter Forschung sind zu bemerken. Ist es in „Tarantula“ (1955) die Arbeit an einem Wachstumsserum, die fatale Folgen hat, bringt in „Schock“ das Raumfahrtprogramm eine Bedrohung auf die Erde – und dennoch will Professor Quatermass seine Arbeit am Ende fortsetzen.

Von H. P. Lovecraft zu David Cronenberg

Wenn in „Schock“ der Schrecken durch die Nacht schleicht, fesselt das auch heute noch – es hätte H. P. Lovecraft gefallen. Dieser Schrecken kann als Frühform des „Body Horror“ gesehen werden, den viel später erst David Cronenberg begründet hat – ein menschlicher Körper wird vor den Augen des so faszinierten wie angeekelten Publikums zerstört. Die Wirkung dieser Zersetzung auf die Zuschauer verdanken wir Richard Wordsworth („Der Fluch von Siniestro“), der das Entsetzen seiner Figur angesichts ihrer voranschreitenden Deformation spürbar macht – Carroon weiß, was mit ihm geschieht, kann aber nichts dagegen tun. Flucht ist zwecklos, wir fühlen mit ihm, zumal es bei den übrigen Akteuren an Sympathieträgern mangelt.

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Was hat es mit der gallertartigen Masse auf sich?

Auch wenn der Schrecken, den das zeitgenössische Publikum im Kino verspürt haben wird, heute beim Schauen nicht mehr ganz so präsent ist, lässt es sich mit „Schock“ nach wie vor ganz wunderbar gruseln. Make-up und Maske haben ganze Arbeit geleistet; was womöglich veraltet wirken würde – wenn überhaupt –, wird durch das Schwarz-Weiß-Bild kaschiert.

Adaption einer Fernsehserie

„Schock – The Quatermass Xperiment“ ist die Kinoumsetzung einer 1953 entstandenen TV-Serie mit sechs Episoden. Der Film zog zwei Fortsetzungen nach sich: Zum einen ist „Feinde aus dem Nichts“ („Quatermass 2“, 1957) zu nennen, bei uns 2004 in der alten Hammer-Edition von Anolis & E-M-S auf DVD erschienen. Das zweite Sequel „Das grüne Blut der Dämonen“ („Quatermass and the Pit“, 1967) wurde ebenfalls 2004 von Anolis & E-M-S veröffentlicht, im Dezember 2013 dann auch von Anolis als Blu-ray im Mediabook und in herkömmlicher Softbox sowie zehn Monate später als DVD in Hartbox. Letztgenannter Film bildete 2013 den Auftakt der Anolis-Veröffentlichungen von Klassikern von Hammer Films. „Schock“ markiert den elften Teil der Reihe.

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Der bedauernswerte Carroon ist auf aussichtsloser Flucht

Regisseur Val Guest inszenierte 1961 das beeindruckende Endzeitdrama „Der Tag, an dem die Erde Feuer fing“, für dessen Drehbuch er den britischen Filmpreis BAFTA erhielt. Guest war einer von fünf Regisseuren der James-Bond-Parodie „Casino Royale“ (1967), zu seinen bekannten Filmen zählt auch das Agenten-Abenteuer „Dolche in der Kasbah“ (1966).

Blu-ray mit üppigem Bonusmaterial

Wo Anolis draufsteht, ist ganz viel interessantes Zusatzmaterial drin, das gilt auch für „Schock“. Das beginnt beim ausführlichen Booklet des Mediabooks. Zwar lag mir zum Rezensieren lediglich die Softbox vor, die ohne Booklet daherkommt, aber es ist wohl keine gewagte Behauptung, den Texten von Uwe Sommerlad und Dr. Rolf Giesen sowohl Fachkunde als auch unterhaltsame Lektüre zu unterstellen. Das Zusatzmaterial auf der Disc der Softbox immerhin ist mit dem des Mediabooks identisch und reicht von der Super-8-Fassung (schaut jemand sowas eigentlich?) über den Comic zum Film, der immerhin über eine Viertelstunde hinweg abgespult wird, zwei Interviews mit Regisseur Val Guest bis hin zu zwei Featurettes. Auch bei Bild- und Tonqualität gibt es nichts zu mäkeln – „Schock“ reiht sich nahtlos in die herausragenden Veröffentlichungen aus dem Hause Anolis ein. Wer die Blu-ray seiner Sammlung einverleiben will, möge sich sputen: Die beiden Mediabook-Varianten sind im Handel nicht mehr zu finden, ihre Preise ziehen an, auch für einen Schnäppchenpreis der Keep-Case-Fassung muss man suchen. Es lohnt sich.

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Der Tod macht auch vor dem Zoo nicht Halt

Veröffentlichung: 3. Juni 2016 als als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten) und Blu-ray, 18. September 2003 als DVD (E-M-S)

Länge: 82 Min. (Blu-ray), 78 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch (Kinofassung und TV-Fassung), Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Quatermass Xperiment
Alternativtitel: Das Quatermass-Experiment
GB 1955
Regie: Val Guest
Drehbuch: Richard H. Landau, Val Guest, nach einer TV-Vorlage von Nigel Kneale
Besetzung: Brian Donlevy, Jack Warner, Richard Wordsworth, Margia Dean, Gordon Jackson, Thora Hird, David King-Wood, Harold Lang, Lionel Jeffries
Zusatzmaterial Anolis: Audiokommentar mit Val Guest und Marcus Hearn, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, deutsche Kinofassung (1:1.37), Interview mit Val Guest, Interview mit Val Guest (Manchester 2000), Featurette „From Reality to Science-Fiction“, Featurette „ A Creeping Xperiment“, US-Trailer, US-Titelsequenz, Super-8-Fassung (27 Min.), Comic (16 Min.), Filmprogramme, Bildergalerie, nur Mediabook: 28-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giessen und Uwe Sommerlad, nur Softbox: Wendecover
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshots: © 2016 Anolis Entertainment GmbH

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