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13 Hours – The Secret Soldiers of Benghazi: Bay = Action

10 Aug

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13 Hours

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // „Die Unschuld der Muslime“ – erinnert sich noch jemand? „Innocence of Muslims“, so der Originaltitel, ist ein 2012 in den USA entstandenes Machwerk, das auf so amateurhafte wie durchsichtige Weise kein gutes Haar an Religionsstifter Mohammed lässt. Die Verbreitung von Ausschnitten des dem Vernehmen nach zweistündigen Streifens löste erwartungsgemäß heftige Proteste in der islamischen Welt aus, die schnell in Gewalt umschlugen. Dass das von den Produzenten beabsichtigt war, ist wohl keine gewagte Behauptung.

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Ruhe vor dem Sturm in den Straßen von Bengasi

Einer der heftigsten Gewaltausbrüche, die dem Zorn über den Film zugeschrieben werden, ereignete sich am 11. September 2012 im libyschen Bengasi. Eine aus mehr als 100 Männern bestehende Miliz griff mit Handfeuerwaffen und Granatwerfern das dortige US-Konsulat an. Während der vierstündigen Attacken kam unter anderen der US-Botschafter J. Christopher Stevens ums Leben, der sich dort zufällig aufhielt. Die anschließende Debatte in den USA über die offenkundig unzulänglichen Sicherheitsvorkehrungen auf dem Konsulatsgelände führten zu heftiger Kritik an der damaligen US-Außenministerin Hillary Clinton, der diesjährigen Präsidentschaftskandidatin der Demokraten.

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Verteidigung in …

Die Ereignisse geben Stoff für einen Polithriller mit Actioneinlagen her. Produzent und Regisseur Michael Bay hatte dazu aber offenbar keine Lust, er wollte einen reinen Actionfilm drehen. Die Spezialisierung auf Filme für Jungs, die Männer sein wollen, wird ihm gern vorgeworfen, aber man muss es Bay lassen, dass er sein manipulatives Action-Handwerk versteht. Über all den Explosionen und Schusswechseln vergisst man leicht, dass die Geschichte vernachlässigt wird. Das kann man gut oder schlecht finden, halten wir Bay zugute, dass seine Filme meist verlässlich den Weg zu ihren Fans finden.

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… brenzliger Situation

Die Handlung folgt einer Schar von „Contractors“, spätestens seit dem zweiten Irakkrieg, dem Einmarsch der USA in den Irak, ein Euphemismus für Söldner. Eine der CIA untergeordnete paramilitärische Kampfeinheit um Tyrone „Rone“ Woods (James Badge Dale) und seinen neu zum Team gestoßenen alten Buddy Jack Silva (John Krasinski) ist zum Zeitpunkt des Angriffs in einem CIA-Stützpunkt nicht allzu weit vom Konsulat stationiert. Obwohl der Trupp kein Mandat zum Eingreifen hat, zögern die Männer nicht, zu den Waffen zu greifen. Sie kommen zu spät, um den Botschafter zu retten, und kurz nach ihrem Rückzug wird auch ihr Stützpunkt angegriffen.

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Die Amerikaner geraten …

Wie manch ein Michael-Bay-Produkt wirkt auch „13 Hours – The Secret Soldiers of Benghazi“ in vielen Sequenzen wie ein Videospiel. Vom Ego-Shooter trennt den Film lediglich die fehlende First-Person-Perspektive. Da ist Häuserkampf, da sind gezielte Kopfschüsse, Wellen von Angreifern, die ohne Rücksicht auf Verluste wie lebensmüde in Richtung CIA-Stützpunkt vordringen und folgerichtig fallen wie die Fliegen. In solchen Momenten erinnert der Film sogar an Assault – Anschlag bei Nacht, auch wenn er weitaus bombastischer ist als John Carpenters geniales Frühwerk.

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… unter schweren Beschuss

Das ist von flirrender Spannung, der man sich kaum entziehen kann. Wozu sollte man auch? Wer handfester Kriegs-Action zugetan ist, muss sich nicht schämen, einen Michael-Bay-Film zu goutieren. Dann ist die Story eben zweitrangig, aber das ist zu verschmerzen, solange die Action knackt. Und das tut sie mit aller Macht und ohne Gefangene zu machen. Viel spielt sich im Dunkel der Nacht ab, doch die Brutalität der Auseinandersetzung ist jederzeit spürbar.

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Experte für Kopfschuss

Gleichwohl soll auch ein Wort der Kritik nicht fehlen: Die Männer um Jack Silva und Tyrone Woods sind echte Kerle, Helden, die nicht zögern, ihr Leben zu riskieren, um andere aus der Schusslinie zu holen. Es ist natürlich notwendig, positiv besetzte Protagonisten zu haben, mit denen man mitfiebern kann. Aber das Dasein dieser CIA-Kontraktoren kann man an sich auch mal etwas differenzierter betrachten, als Michael Bay das tut. Klar, der Filmemacher will diese Art der Aufklärung nicht betreiben, das sei ihm unbenommen. Er trägt aber damit zu einer Vernebelung der Rolle dieses Berufsstands in diversen Konflikten bei, die sich von Nordafrika bis in den Mittleren Osten erstrecken. Dafür braucht es dann doch einen Regisseur, der einen Politthriller inszenieren will. Bei Michael Bay kriegt man dann eben nur brachiale Action – nicht mehr, aber immerhin auch nicht weniger.

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Jack Silva ist des Kämpfens müde

Veröffentlichung: 28. Juli 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 144 Min. (Blu-ray), 138 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch Türkisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch Türkisch
Originaltitel: 13 Hours
USA 2016
Regie: Michael Bay
Drehbuch: Chuck Hogan, nach einer Vorlage von Mitchell Zuckoff
Besetzung: John Krasinski, Pablo Schreiber, James Badge Dale, David Denman, Dominic Fumusa, Max Martini, Alexia Barlier, David Costabile
Zusatzmaterial:
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos, & Packshot: © Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

 

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