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Die Zeitfalle – Klaus Kinski und der Kristall

11 Aug

Die Zeitfalle-Packshot

Timestalkers

Von Andreas Eckenfels

SF-Thriller // In seinen letzten Lebensjahren trat Klaus Kinski in einer Reihe zweifelhafter Machwerke auf. Einerseits, um weiterhin ein luxuriöses Leben führen zu können, andererseits benötigte er Geld, um sein Wunschprojekt „Kinski Paganini“ schließlich doch noch realisieren zu können. Der Auftritt als Bösewicht in dem US-Fernsehfilm „Die Zeitfalle“ kam da gerade recht.

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Scott (r.) lässt das rätselhafte Foto untersuchen

Geschichtsprofessor Scott McKenzie (William Devane), dessen Frau und Sohn bei einem Autounfall vor seiner eigenen Haustür ums Leben kamen, ist ein glühender Fan des Wilden Westens. Bei einer Auktion antiker Gegenstände aus dieser Zeit, erhält er für eine Kiste inklusive Einschussloch den Zuschlag. Als er sie öffnet, weckt ein Foto aus dem Jahr 1886 sein Interesse. Darauf sind drei offene Särge mit Leichen zu sehen, dahinter steht ein Mann. Das Paradoxe: Dieser hält eine .357 Magnum in den Händen – eine Waffe, die erst viele Jahrzehnte später in Produktion ging. Hat Scott hier vielleicht den Beweis dafür gefunden, dass Zeitreise möglich ist?

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Scott bekommt Besuch von der Zeitreisenden Georgia

Als kurze Zeit später Georgia Crawford (Lauren Hutton) in sein Leben tritt, wird seine Theorie bestätigt: Sie stammt aus dem Jahr 2586 und ist auf der Jagd nach dem Mann auf dem Foto. Wie sie erklärt, handelt sich dabei um Dr. Joseph Cole (Klaus Kinski), der zusammen mit Georgias Vater (John Considine) ein führender Wissenschaftler ihrer Zeit ist. Beide entwickelten die Zeitreise, doch sie gerieten in einen erbitterten Streit über die weitere Nutzung dieser Technik. Georgia glaubt, dass Cole in das Jahr 1886 zurückkehren will, um dort einen ihrer Vorfahren – einen Berater von US-Präsident Grover Cleveland – umzubringen, damit ihr Vater niemals das Licht der Welt erblickt. Scott willigt ein, ihr bei der Suche nach Cole behilflich zu sein. Gemeinsam reisen sie zurück in die Vergangenheit.

Massentauglicher Film der Woche

Ähnlich wie der US-Fernsehsender ABC mit beispielsweise „Starflight One – Irrflug ins All“ ließ auch CBS eine Vielzahl von TV-Filmen produzieren, die als „Film der Woche“ beworben werden konnten. Diese Produktionen griffen häufig Trends erfolgreicher Kinofilme auf, um ihre Zuschauer an die Bildschirme zu locken. Auch der am 10. März 1987 erstausgestrahlte „Die Zeitfalle“ macht da keine Ausnahme. Wirft man einen genaueren Blick auf die Handlung, so fallen doch einige klare Parallelen zu „Terminator“ auf. Zeitreisen waren zudem spätestens seit „Zurück in die Zukunft“ wieder ein beliebtes Thema, welches man gut für ein familienfreundliches Massenpublikum umsetzen konnte.

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Scotts westernbegeisterter Freund John Cody (M.) hilft bei der Spurensuche

Brian Clemens diente die Kurzgeschichte „The Tintype“ von Ray Brown als Vorlage. Der Brite hatte sich als Autor zahlreicher TV-Serien wie „Mit Schirm, Charme und Melone“ oder „Die Profis“ einen Namen gemacht. Die Zeitreisethematik griff Clemens später in seinem Skript zu „Highlander II – Die Rückkehr“ erneut auf.

Verschwendung von Zeitreise-Energie

In „Die Zeitfalle“ genügt ein handlicher Kristall, um durch die Zeit zu reisen. Das nimmt teilweise absurde Formen an: Da Kinski als Bösewicht Cole nicht in ein von Zäunen und Wachposten geschütztes Forschungsgelände eindringen kann, reist er kurzerhand zurück ins Jahr 1926. Da es diese Einrichtung damals noch nicht gab, kann er sich an diesem Ort nun frei bewegen. Also sehen wir Kinski ein paar Minuten dabei zu, wie er im Grünen gemütlich einen Abhang hinunterläuft und auf einer großen Wiese stehen bleibt. Schwupps geht es mit dem Kristall wieder ins Jahr 1986 und er befindet sich hinter dem zuvor abgesperrten Bereich. Simpel oder clever? Auf jeden Fall eine ganz schöne Verschwendung von Zeitreise-Energie.

Simpel und naiv

Simpel verläuft die Geschichte auch weiter. Regisseur Michael Schultz, der heute noch aktiv fürs TV tätig ist und zuvor einige Richard-Pryor-Komödien wie „Car Wash – Der ausgeflippte Waschsalon“ drehte, will seinen Zuschauern auch nicht mehr Wendungen zumuten. Die schnellen Sprünge zwischen den Jahrhunderten sind durch einige Effekte und die Kleidung klar voneinander getrennt. Der PC im Heimgebrauch war Ende der 80er-Jahre noch nicht allzu verbreitet. Die einfachen Grafiken, die genutzt werden, wenn Cole etwa seine hochtechnologisierten Geräte gebraucht, dürften aber schon damals als billig eingestuft worden sein.

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Im Jahr 2586 geraten die Wissenschaftler Dr. Cole (l.) und Dr. Crawford über ihre Erfindung in Streit

Die durchaus namhaften Stars William Devane und Lauren Hutton können auch nicht mehr zu dieser naiven Produktion beitragen. Der einstige Western- und Horrordarsteller Forrest Tucker („Chisum“, „Die Teufelswolke von Monteville“) hat hier seinen letzten Auftritt. Kinski darf wenigstens einmal wie in seinen besten Zeiten einen ordentlichen Wutausbruch vor der Kamera hinlegen. Fans des exzentrischen Schauspielers dürfen also durchaus einen Blick riskieren.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Klaus Kinski sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 15. Juli 2016 als DVD

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Timestalkers
USA 1987
Regie: Michael Schultz
Drehbuch: Brian Clemens, Ray Brown
Besetzung: William Devane, Klaus Kinski, Lauren Hutton, John Ratzenberger, Forrest Tucker, Tracey Walter, James Avery
Zusatzmaterial: Trailer, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2016 Al!ve AG / Pidax Film

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