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Mario Bava (I): Die Stunde wenn Dracula kommt – Das Meisterstück schon mit dem Regiedebüt

14 Aug

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La maschera del demonio

Der Italiener Mario Bava hat dem Horrorgenre ein paar ganz wunderbare Impulse gegeben. Grund genug, ihn mit einer Werkschau zu würdigen.

Von Volker Schönenberger

Horror // Schöner und schauriger kann der Auftakt eines Gruselfilms kaum sein: Im Moldawien des 17. Jahrhunderts wird die schöne Asa Vajda (Barbara Steele) von Inquisitoren unter der Führung ihres eigenen Bruders gerichtet: Er bezichtigt sie der Hexerei und lässt ihr eine innen mit Nägeln gespickte eiserne Maske aufs Gesicht nageln. Sie verflucht ihn und seine Nachkommen – ihr eigenes Blut werde auch in deren Adern fließen. Auch Asas Geliebter Javutich (Arturo Dominici) wird getötet. Sie soll verbrannt werden, doch ein plötzlich einsetzendes Gewitter vertreibt die Menschen.

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Asa erleidet ein grausames Schicksal

Zwei Jahrhunderte später gelangen Professor Krubajan (Andrea Checchi) und sein Assistent Dr. Andre Gorobec (John Richardson) zufällig in die verfallene Kirche, in der Asa in einer Gruft liegt. Ein steinernes Kreuz soll sie in ihrem Sarkophag bannen. Krubajan kann nicht widerstehen und nimmt dem Leichnam die Maske ab. Als eine Fledermaus heranfliegt, schlägt er mit dem Stock nach ihr und zerstört versehentlich das Kreuz. Aus einer kleinen Wunde an seiner Hand tropft Blut auf Asa.

Rückkehr als Vampir

Draußen treffen die beiden Männer auf Katia (Barbara Steele), eine Nachfahrin Asas und ihr wie aus dem Gesicht geschnitten. Nach kurzem Gespräch setzen Krubajan und Gorobec ihre Fahrt bis zu einem Gasthaus fort. Sie ahnen nicht, dass das Blut des Professors Asa neues Leben eingehaucht hat. Mit mentaler Kraft holt sie ihren Geliebten Javutich ebenfalls ins Leben zurück – als Vampir.

Dracula? Nun ja – mit Bram Stokers Vampirfürst hat „Die Stunde wenn Dracula kommt“ überhaupt nichts zu tun. Der Name hat es lediglich zwecks besserer Vermarktungsmöglichkeiten in den deutschen Verleihtitel geschafft. Flankierend wird er immerhin in der deutschen Synchronfassung – aber auch nur dort – während des Prologs zweimal genannt. Etikettenschwindel nennt sich das, aber es sei dem deutschen Verleih verziehen – immerhin klingt der Titel schön stimmungsvoll.

Großer Einfluss aufs Horrorgenre

„La maschera del demonio“, so der Originaltitel, darf mit Fug und Recht zu den besten und einflussreichsten klassischen Horrorfilmen gezählt werden. Nicht umsonst hat Francis Ford Coppola einige Einstellungen daraus in „Bram Stoker’s Dracula“ (1992) zitiert. Findet sie selbst! Was Mario Bava (1914–1980) auf dem Regiestuhl und hinter der Kamera vollbracht hat, kann nur in den höchsten Tönen gelobt werden. Manch alter Horrorfilm wird heute belächelt, zu sehr haben sich Sehgewohnheiten geändert. „Die Stunde wenn Dracula kommt“ hingegen ist herrlich gruselig geraten und wirkt auch heute noch mit seiner trotz schmalen Budgets feinen Ausstattung und den schummrigen Kulissen. Die alte Kirche inklusive Gruft, das Gasthaus, der Wald, der Friedhof – großartig. Für die damalige Zeit fällt „Die Stunde wenn Dracula kommt“ zudem recht drastisch aus, beginnend mit der Hinrichtungsszene im Prolog. Auch an den wird man bei diversen jüngeren Horrorfilmen gern mal erinnert. Gothic Horror in Perfektion eben.

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Katia taucht an der Kirche auf

Ihre Doppelrolle etablierte die 1937 geborene Barbara Steele als frühe „Scream Queen“. Kurz darauf drehte sie unter Roger Corman „Das Pendel des Todes“ mit Vincent Price, der sie endgültig zur Horror-Ikone werden ließ. Irgendetwas im Gesicht der Schönheit, eine winzige, kaum zu greifende mimische Abseitigkeit, lässt sie prädestiniert für derlei Schauerstücke erscheinen. Sie selbst war nicht begeistert, fortan auf Horror reduziert zu werden, dreht aber bis heute. Zuletzt war sie in Ryan Goslings „Lost River“ zu sehen.

Die Bildqualität der neuen Blu-ray bringt die Atmosphäre von „Die Stunde wenn Dracula kommt“ gut zur Geltung. Bei weitgehend scharfem Bild und guten Konturen ist die Körnigkeit erhalten geblieben. Der Ton ist in Original- wie Synchro-Fassung solide abgemischt, wobei das Urteil mangels guter Lautsprecher mit Vorbehalt ausfällt. Da mir zur Sichtung lediglich eine Screener-Disc vorlag, kann ich über die Aufmachung der Verpackung keine Auskunft geben, bin aber zuversichtlich, dass ein schönes Endprodukt herausgekommen ist. Der Austausch der schönen 2005er-DVD von e-m-s mit Schuber und Comic soll sich ja lohnen. Ein Blick auf die Insel: Das für Referenz-Editionen bekannte englische Label Arrow Video hat den Film unter dem Titel „Black Sunday“ in einem sehr schönen limitierten Steelbook inklusive Booklet und viel Bonusmaterial veröffentlicht.

Auftakt der Mario Bava Collection

Koch Films beginnt mit „Die Stunde wenn Dracula kommt“ die „Mario Bava Collection“, in der dem Vernehmen nach diverse Regiearbeiten des Italieners auf Blu-ray erscheinen sollen. Mit seiner ersten offiziellen Regiearbeit liegt die Messlatte jedenfalls schon mal hoch. Zuvor hatte Bava lediglich Kurzfilme inszeniert und war mehrmals als Ersatzregisseur eingesprungen, darunter immerhin für Jacques Tourneur bei „Die Schlacht von Marathon“ (1950). Steigern konnte sich Bava nach seinem Debüt nicht mehr, aber diverse feine Arbeiten sind ihm auch danach noch gelungen. „Die Stunde wenn Dracula kommt“ weckt große Vorfreude auf die „Mario Bava Collection“, auch wenn Koch Films bislang keine Folgetitel verraten hat. Wir werden die Reihe begleiten.

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Andre verliebt sich in Katia

Mario Bava bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Die Stunde wenn Dracula kommt (1960)
Der Dämon und die Jungfrau (1963, geplant)
Die drei Gesichter der Furcht (1963, geplant)
Blutige Seide (1964, geplant)
Eine Handvoll blanker Messer (1966, geplant)
Hatchet for the Honeymoon (1970)
Die toten Augen des Dr. Dracula (1971, geplant)
Baron Blood (1972, geplant)
Lisa und der Teufel (1973)

Veröffentlichung: 11. August 2016 als Collector’s Edition (Blu-ray & 2 DVDs), 24. November 2005 als DVD (e-m-s)

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: La maschera del demonio
Alternativtitel: Mask of Satan
Internationaler Titel: Black Sunday
IT 1960
Regie: Mario Bava
Drehbuch: Ennio De Concini, Mario Serandrei, nach einer Kurzgeschichte von Nikolaj Gogol
Besetzung: Barbara Steele, John Richardson, Andrea Checchi, Ivo Garrani, Arturo Dominici, Enrico Olivieri, Antonio Pierfederici, Tino Bianchi, Clara Bindi, Mario Passante, Renato Terra, Germana Dominici
Zusatzmaterial: US-Fassung (83 Min.), Audiokommentar, Interviews mit Barbara Steele und Lamberto Bava, deutscher Vorspann, geschnittene Szene, Bildergalerie, italienischer Trailer, englischer Trailer, US-Trailer
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

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