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Archiv für den Monat August 2016

Daylight’s End – Mad Max gegen Vampirzombies (oder Zombievampire)

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Daylight’s End

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // Ein vermummter Typ mit Sturmgewehr entsteigt in einer gottverlassenen Gegend seinem mit Gittern geschützten Auto und durchsucht eine Tankstelle. In einer Tiefkühltruhe hat sich etwas – oder jemand – verborgen. Der Mann zieht die Truhe mit dem Auto ins Freie und öffnet sie. Ihr entsteigt eine entstellte Frau, die es in wilder Raserei auf ihn abgesehen hat, aber ganz offensichtlich das Sonnenlicht nicht gut verträgt. Sie stirbt nach wenigen Sekunden, der Mann steigt wieder ins Auto und fährt von dannen.

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Einsamer Wolf: Rourke streift allein durch die verwüstete Welt

So stimmungsvoll beginnt der Endzeit-Actionfilm „Daylight’s End“ von William Kaufman („The Hitlist“). Bei dem Mann handelt es sich um den Einzelgänger Rourke (Johnny Strong), der als eine Art Mad Max durchs verwüstete Land zieht, nachdem eine Seuche einen Großteil der Menschheit in blutrünstige Kreaturen verwandelt hat, die in einem Zustand zwischen Vampir und Zombie dahinvegetieren. In einer Stadt rettet Rourke die junge Sam (Chelsea Edmundson) vor einer Schar Gewalttäter, die sich gerade an ihr vergehen wollen. Sam führt ihn zu einer Polizeistation, wo sich eine Kolonie Überlebender unter der Führung der Brüder Frank und Ethan Hill (Lance Henriksen, Louis Mandylor) verschanzt hat und nach einem Ausweg sucht.

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Frank Hill (r.) führt eine Schar Überlebender an

Das Gebäude ist von Infizierten belagert, die im Dunkel der Nacht agieren. Ein weit entfernt gesichtetes Flugzeug scheint der Gruppe einen Ausweg zu bieten, doch der Weg dorthin ist riskant. Rourke, der böse Erinnerungen mit sich herumträgt, hat es auf den Anführer der Belagerer abgesehen …

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Rourke muss sich entscheiden, ob er …

Von Hauptdarsteller Johnny Strong („The Fast and the Furious“) stammt auch der düster-atmosphärische Industrial-Score, der die actionreiche Handlung vorzüglich vorantreibt. Nach „Sinners and Saints“ ist es seine zweite Zusammenarbeit mit Regisseur Kaufman. Sein Mad-Max-Verschnitt ist gar nicht mal peinlich, was bei einem derart übermächtigen Vorbild durchaus zu befürchten war. Dem coolen Typen schauen wir gern zu, wie er mit sich ringt, ob er als rachsüchtiger Einzelgänger weiter sein Dasein fristen will.

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… sich den anderen anschließen will

Der Fokus liegt auf Action, es wird viel gerannt und geschossen, Infizierte werden mit Schuss- und Stichwaffen niedergestreckt. In der zweiten Hälfte ist das dann ein klein wenig zu viel des Guten, eine Straffung von etwa zehn Minuten weniger Attacke und Abwehr wäre die richtige Entscheidung gewesen. Diesem marginalen Kritikpunkt zum Trotz ist William Kaufman mit „Daylight’s End“ Endzeit-Horror-Action gelungen, die sich sehen lassen kann. Ein im Netz zu findendes, wenn auch unbelegtes Zitat des Regisseurs gibt Auskunft über seine Einflüsse, die im Film auch erkennbar sind. Demnach sei der Film eine Art Liebesbrief an die Filme meiner Jugend. Für mich war er sehr beeinflust von Filmen wie „Assault – Anschlag bei Nacht“, „Mad Max 2 – Der Vollstrecker“ und „Der Omega-Mann“. Hardcore-Genre-Action, bei denen es für die Charaktere um alles geht.

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Vampir oder Zombie? Man weiß es nicht genau

Veröffentlichung: 11. August 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 105 Min. (Blu-ray), 101 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Daylight’s End
USA 2016
Regie: William Kaufman
Drehbuch: Chad Law
Besetzung: Lance Henriksen, Johnny Strong, Louis Mandylor, Chelsea Edmundson, Hakeem Kae-Kazim, Krzysztof Soszynski, Chris Kerson, Gary Cairns, Farah White, Heather Kafka, Matt Beckham, Ed Spila
Zusatzmaterial: Trailer
Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 EuroVideo Medien GmbH

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Jean-Claude Van Damme (XII): Timecop – Der Belgier auf Zeitreise

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Timecop

Von Volker Schönenberger

SF-Actionthriller // Nahe Gainesville in Georgia zur Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs: Fünf Südstaatler transportieren eine Ladung Gold, als sie von einem Mann aufgehalten werden, der freundlich, aber direkt die Herausgabe des Goldes verlangt. Als seine Bitte verweigert wird, zieht er zwei modernste Maschinenpistolen mit Zielfunktion und legt den Trupp um.

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Senator McComb (l.) lässt sich die TEC zeigen

Die Handlung wechselt ins Jahr 1994 und in die US-Hauptstadt Washington, wo ein Senatskommittee für verdeckte Operationen zusammenkommt. Ein Wissenschaftler hat entdeckt, wie Zeitreisen in die Vergangenheit möglich sind. Das eröffnet große Gefahren – so könnte Saddam Hussein ins Jahr 1944 reisen und mit dem Geheimnis der Atombombe zurückkehren. Selbst die Ermordung Adolf Hitlers berge große Risiken für die Menschheit, da die Folgen unkalkulierbar sind. Daher wird eine „Time Enforcement Commission“ (TEC) finanziert, deren Angehörige möglichen Zeitreise-Missetätern hinterherreisen, diese unschädlich machen und die Kontinuität der Zeitlinien wiederherstellen sollen.

Die Ehefrau des Cops wird ermordet

Nächster Szenenwechsel: Polizist Max Walker (Jean-Claude Van Damme) schäkert mit seiner Frau Melissa (Mia Sara). Nachts wird er zu einem Einsatz gerufen, doch als er das Haus verlässt, lauern ihm Unbekannte auf, schlagen ihn zusammen und schießen ihn nieder. Als sich der Schwerverletzte ins Haus zurückschleppen will, explodiert es, Melissa kommt dabei ums Leben.

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Max Walker (r.) ist nicht zu stoppen

Erneut ein Sprung in der Zeit: Das kriminelle TEC-Mitglied Lyle Atwood (Jason Schombing) will im Jahr 1929 mit Börsenwissen aus der Zukunft ein Vermögen zusammenklauben. Doch Max Walker, mittlerweile als Timecop ein Mitglied der TEC, ist ihm ins Jahr des großen Börsencrashs hinterhergereist und macht seinen alten Partner unschädlich. Zurück in der Gegenwart des Jahres 2004 wird Atwood zügig zum Tode verurteilt. Seinen Auftraggeber hat er vor dem Geheimgericht nicht verraten.

Ein Schurke will Präsident werden

Der Zuschauer weiß schnell, wer der Bösewicht ist: Senator McComb (Ron Silver), der nach dem Präsidentenamt strebt und sich dafür ein Riesenvermögen ergaunern will. Zeitreise-Fantasien kranken in der Regel zwangsläufig an kleinen bis großen Logiklöchern, das ist zu verschmerzen, erst recht, wenn die Geschichte ansonsten stimmt. Das ist bei „Timecop“ gegeben, die Verfilmung eines Dark Horse Comics macht mit ihren Zeitsprüngen enorm viel Spaß. Das beginnt bereits bei den eingangs erwähnten Szenenwechseln, die den Plot sauber einleiten. Diverse Wendungen lassen die Zuschauer gern bei der Stange bleiben. Da greifen einige Zahnräder elegant ineinander. Ein paar Gags tragen zum Gelingen bei, was fürs Herz wird ebenfalls geboten. Jean-Claude Van Damme macht aus seiner Rolle obendrein das Beste. Ein großer Schauspieler ist er nicht, aber seine Kampfkunst würzt den Film adäquat, den Rest besorgt die Charakterisierung seiner Figur aus dem Drehbuch.

Die 2003er-Fortsetzung „Timecop 2 – Entscheidung in Berlin“ mit Jason Scott Lee hat auch ihre Fans gefunden, ist letztlich aber nicht weiter erwähnenswert.

Peter Hyams und Jean-Claude Van Damme

„Timecop“ markiert die erste Zusammenarbeit von Jean-Claude Van Damme mit Regisseur Peter Hyams, es folgten ein Jahr später „Sudden Death“ sowie nach einer längeren Pause 2013 „Enemies Closer“. Damit hat Hyams in der Filmografie des belgischen Actionstars Duftmarken hinterlassen, die es durchaus in eine Top Five oder zumindest Top Ten der besten Van-Damme-Filme schaffen können. Für „Timecop“ gilt: Story stimmt, Action stimmt – ein knackiger Vertreter mit diversen Höhepunkten bis hin zum Showdown mit dem doppelten Van Damme. Am Ende wird klar, dass ein und dieselbe Materie aus verschiedenen Zeiten nicht denselben Raum einnehmen kann, wie es das Pauli-Prinzip der Quantenphysik besagt. Da soll noch mal einer sagen, Van-Damme-Filme seien kein Bildungskino.

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Der Timecop macht auch barbrüstig eine gute Figur

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Peter Hyams sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jean-Claude Van Damme in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 25. August 2016 als Blu-ray und DVD (Concorde Home Entertainment), 17. September 2010 als Blu-ray (Warner Home Video) 27. November 2003 als DVD (Universal Pictures), 11. Januar 2000 als DVD (Columbia)

Länge: 97 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Timecop
KAN/USA/JAP 1994
Regie: Peter Hyams
Drehbuch: Mark Verheiden
Besetzung: Jean-Claude Van Damme, Mia Sara, Ron Silver, Bruce McGill, Gloria Reuben, Jason Schombing, Scott Lawrence
Zusatzmaterial: Original-Kinotrailer, Trailershow
Vertrieb: diverse (siehe Veröffentlichung)

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Concorde Home Entertainment

 

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Das Ritual – Voodoo im Big Apple

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The Believers

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // Voodoo und Okkultismus umgeben noch immer einen Hauch des Mysteriösen. Die unsichtbare Kraft, die normale Menschen in den Wahnsinn treiben kann oder zu Zombies mutieren lässt, bildet die Grundlage für zahlreiche Horrorfilme. In „White Zombie“ (1932) und „Ich folgte einem Zombie” (1943) entdeckten die Protagonisten die für sie merkwürdigen Rituale meist auf Reisen nach Westafrika, wo die Religion ihren Ursprung hat. Doch mit dem Polanski-Klassiker „Rosemary’s Baby“ (1968) sowie Alan Parkers „Angel Heart” (1987) sorgte das Übernatürliche auf einmal in der modernen Gesellschaft für Angst und Schrecken.

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Jamison zieht nach dem Tod seiner Frau mit seinem Sohn nach New York

Auch Regisseur John Schlesinger („Der Marathon-Mann“, 1976) nahm sich für „Das Ritual“ eine fremdartige Religion vor: Der aus Kuba stammende Santeria-Kult erhält in New York immer mehr Zulauf, was auch bald der verwitwete Polizeipsychologe Cal Jamison (Martin Sheen) erfahren muss.

Zahlreiche Ritualmorde geben der Polizei Rätsel auf. Nicht nur Tieropfer finden sich im Central Park, auch Kinderleichen werden in der Stadt gefunden. Undercover-Cop Tom Lopez (Jimmy Smits) verliert bei seinen Recherchen zunehmend den Verstand. Lieutenant Sean McTaggert (Robert Loggia) bittet deshalb Jamison um Unterstützung. Doch je tiefer der sich in den Fall verstrickt, desto mehr gerät er samt Sohn Chris (Harvey Cross) und Freundin Jessica (Helen Shaver) ins Visier des mysteriösen Kultes.

Tod durch defekte Kaffeemaschine

Gleich zu Beginn sorgt „Das Ritual“ mit einem bizarren Todesfall für eine bedrohliche Grundstimmung, die sich durch den gesamten Film zieht: Jamisons Frau stirbt durch Stromschläge, nachdem sie eine defekte Kaffeemaschine berührt, ohne zu bemerken, dass sie in einer Pfütze aus Milch steht. Jamison und sein Sohn müssen hilflos ihren Tod mitansehen.

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Undercover-Cop Lopez fühlt sich verfolgt

Es fällt ihnen schwer, das Trauma zu verarbeiten, was im Film zu lange ausgewalzt wird. Auch etwas seltsam ist, dass der Psychologe Jamison nicht ganz nachvollziehen kann, dass Chris ausflippt, als er feststellt, dass sein Vater eine neue Liebschaft hat. Die starke Fokussierung auf das Familiendrama kommt dem Film nicht immer zugute.

Mächtige Parallelgesellschaft

Schon in seinem Oscar-prämierten Drama „Asphalt-Cowboy“ (1969) fing Schlesinger gekonnt die fiebrige Atmosphäre New Yorks ein und warf einen Blick in eine Parallelgesellschaft. Im Fall von „Das Ritual“ ist das eine Sekte, in der die Mächtigen der Stadt ihre Strippen ziehen und die sich durch die schwarze Magie den Zugang in höhere Sphären erhoffen.

Wie dem rational denkenden Jamison durch seine Nachforschungen zunehmend der Boden unter den Füßen weggezogen wird, ist von Martin Sheen („Apocalypse Now“) ordentlich gespielt. Zudem macht der damals noch relativ unbekannte Jimmy Smits („L. A. Law“, „Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger“) mit seiner kleinen Nebenrolle nachhaltig auf sich aufmerksam und Malick Bowens gibt als Voodoo-Priester Palo eine angsteinflößende Figur ab.

Gelungene Schockmomente

Auch hat Schlesingers Film einige gelungene Schockmomente zu bieten, welche demonstrieren, was den Opfern unter dem Einfluss der schwarzen Magie zustoßen kann. In der wohl einprägsamsten Szene des Films krabbeln plötzlich Spinnen aus Jessicas Gesicht.

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Voodoo-Priester Palo demonstriert seine Kräfte

Zwar genießt „Das Ritual“ trotz hervorragender Besetzung vor und hinter der Kamera nicht den Stellenwert der eingangs genannten Klassiker, was auch dem schwachen Schlussdrittel geschuldet ist. Dennoch ist der Film ein spannender Vertreter des Voodoo-Horror-Subgenres, auf dessen Geschichte „Deadline“- und „35 mm – Das Retro-Filmmagazin“-Autor Leonhard Elias Lemke im Booklet des limitierten Mediabooks von OfDb Filmworks ausgiebig eingeht.

„Das Ritual“ wurde 1988 von der BPjS zunächst indiziert, mit der Veröffentlichung der MGM-DVD wurde die Indizierung 2004 wieder aufgehoben. 2013 erhielt der Film im Zuge einer Neuprüfung schließlich eine Freigabe ab 16 Jahren.

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Kann Jamison seinen Sohn aus den Händen der Sekte befreien?

Veröffentlichung: 29. Juli 2016 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & 2 DVDs, Cover A limitiert auf 750 Exemplare, Cover B limitiert auf 500 Exemplare)

Länge: 114 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Believer
USA 1987
Regie: John Schlesinger
Drehbuch: Mark Frost nach dem Roman von Nicholas Conde
Besetzung: Martin Sheen, Helen Shaver, Robert Loggia, Richard Masur, Harley Cross, Jimmy Smits, Malick Bowens
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Interviews, Kino-Trailer, Teaser-Trailer, TV-Spot, Bildergalerie, Vintage Featurettes, Booklet mit einem Essay von Leonard Elias Lemke
Vertrieb: OFDb Filmworks

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshots: © 2016 OFDb Filmworks

 

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