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Nerve – Traust du dich? Mutproben am Puls der Zeit

06 Sep

Nerve-Plakat

Nerve

Kinostart: 8. September 2016

Von Matthias Holm

Thriller // Seitdem Smartphones in unser Leben Einzug gehalten haben, sind die Menschen zunehmend „always online“ – wir sind immer erreichbar, immer vernetzt mit dem Rest der Welt. Dadurch kann man seinen Mitmenschen viel leichter zeigen, wer man ist, man präsentiert sich auf Sozialen Medien. Diesen Umstand hat sich die Autorin Jeanne Ryan vorgenommen und in ihrem 2012 erschienenen Buch „Nerve“ dem Ganzen eine weitere Ebene gegeben: Was, wenn man dafür Geld bekommt, sich der Welt zu zeigen – und zwar bei Mutproben? Wie weit würde man gehen?

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Vee traut sich was

Eine durchaus spannende Prämisse und in den Zeiten, in denen Jugendbuch-Adaptionen beliebt sind, ein gefundenes Fressen für die Hollywood-Studios. So kommt also vier Jahre nach dem Buch die Verfilmung in die Kinos – mit Emma Roberts („American Horror Story – Freak Show“) und Dave Franco („Die Unfassbaren – Now You See Me“) in den Hauptrollen.

Vee (Emma Roberts) hat ihr Leben mit ihrer Mutter (Juliette Lewis) auf Staten Island satt. Doch sie ist zu zögerlich und schüchtern, um die Einladung an ein renommiertes Kunst-College anzunehmen. Dieser Umstand wird ihr von ihrer besten Freundin Sydney (Emily Meade) immer wieder vorgehalten – Vee riskiere nie etwas. Da kommt das Spiel „Nerve“ gerade recht.

Die „Watcher“ beobachten die „Player“

Die Regeln sind simpel: Als „Watcher“ darf man den Spielern nur zugucken, ihnen allerdings Aufgaben stellen. Die „Player“ müssen diese Aufgaben bewältigen und bekommen dafür Geld. Wer am Ende die meisten Aufgaben gelöst hat, gewinnt alles, der Rest geht leer aus. Vee entscheidet sich gegen ihre Natur, ein Player zu sein. Während ihrer ersten Aufgabe trifft sie auf Ian (Dave Franco), der ebenfalls bei Nerve spielt. Doch die Aufgaben, die den beiden gestellt werden, werden mit der Zeit immer perfider und sogar lebensbedrohlich.

Das größte Problem hat „Nerve“ in seinem Ursprung. Auch wenn man nicht wüsste, dass es sich um eine Romanverfilmung handelt, hätte man das spätestens beim Abspann bemerkt. Es gibt viele Themen die angerissen werden, vom Drehbuch aber nie zufriedenstellend ausformuliert sind. Ein großes Geheimnis bleibt zum Beispiel, wer in welcher Form die Geldtransaktionen tätigt. So bleiben viele Plotpunkte, die „Nerve“ interessant machen, komplett unterentwickelt.

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Ian scheint ein Draufganger zu sein

Dem ist es dann wohl auch anzulasten, dass es diverse Logiklöcher gibt, die sogar Zuschauern auffallen werden, die sonst nicht auf solche Details achten. Und wenn sich zum Ende hin die halbe New Yorker Jugend in merkwürdige Masken kleidet, scheint sich auch kein Erwachsener darum zu scheren, welche merkwürdigen Machenschaften vor sich gehen.

Dennoch bietet der Film bis zum Finale spannende Unterhaltung. Emma Roberts und Dave Franco sind als Identifikationsfiguren rundum gelungen, gerade Roberts spielt die Entwicklung ihrer Vee sehr überzeugend. Leider bleibt für etwaige Nebenfiguren nur wenig Zeit, von Vees Hackerfreund Tommy (Miles Heizer) oder ihrer hysterischen Mutter hätte man gern mehr gesehen.

Feiner Indie-Elektro-Score

Am auffälligsten ist allerdings vor allem die Inszenierung. Ähnlich wie in dem Zac-Efron-Vehikel „We Are Your Friends“ schaffen es die Regisseure Henry Joost und Ariel Schulman „Nerve“, eine eigene visuelle Erzählweise zu geben. Da fährt die Kamera durch Laptops und zeigt die Internetseiten groß auf der gesamten Leinwand, wir bekommen gestörte Videokonferenzen serviert oder sehen, wo sich in New York gerade Spieler befinden. Unterstützt vom hervorragenden Indie-Elektro-Soundtrack bekommt der Film so eine Faszination, die den Zuschauer immer in ihrem Bann hält.

„Nerve“ leidet unter den beschriebenen Schwächen. Das verhindert jedoch nicht, dass durch das tolle Setting und die interessanten Bilder ein Film entsteht, der im wahrsten Sinne am Puls der Zeit liegt.

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Die beiden Player kommen sich näher

Länge: 96 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Nerve
USA/HK 2016
Regie: Henry Joost, Ariel Schulman
Drehbuch: Jessica Sharzer, nach einem Roman von Jeanne Ryan
Besetzung: Emma Roberts, Dave Franco, Emily Meade, Miles Heizer, Juliette Lewis, Colson Baker
Verleih: Studiocanal Filmverleih GmbH

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Studiocanal Filmverleih GmbH

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