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Ein Mann namens Ove – Wenn der Selbstmord partout nicht gelingen will

14 Sep

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En man som heter Ove

Von Volker Schönenberger

Tragikomödie // Den alten Griesgram Ove (Rolf Lassgård) als Nachbarn zu haben, ist kein Zuckerschlecken. Jeden Morgen dreht er seine Runde in der Reihenhaussiedlung, in der vieles verboten ist – nicht zuletzt auf seine Initiative, wie wir im Verlauf erfahren. Sind die Garagen korrekt verschlossen? Ist der Müll korrekt getrennt? Steht ein Fahrrad dort, wo es nicht stehen soll, schließt Ove es kurzerhand weg. Die Anwohnerin mit dem Hund hat er ohnehin auf dem Kieker, und wehe, ein Besucher fährt mit dem Auto in die verkehrsberuhigte Zone – der bekommt Oves ganzen Zorn zu spüren.

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Witwer Ove hat keine Freude mehr am Leben

Aber Ove ist des Lebens überdrüssig. Den Tod seiner geliebten Ehefrau Sonja (Ida Engvoll) hat er nie verwunden, und als dem Eisenbahner nach mehr als 40 Jahren gekündigt wird, sieht er das als willkommenen Anlass, ihr nun endlich zu folgen. Korrekt, wie er ist, kündigt er zuvor noch seinen Telefonanschluss. Doch just in dem Moment, als er sich daheim erhängen will, treffen die neuen Nachbarn nebenan ein: die aus dem Iran stammende Parvaneh (Bahar Pars) mit ihrem Mann Patrik (Tobias Almborg) und zwei Töchtern. Speziell die hochschwangere Parvaneh bringt gehörig Schwung in Oves Leben, dem auch weitere Selbstmordversuche einfach nicht gelingen wollen.

Selbstmordversuche als Running Gag

Ein Miesepeter zeigt dank neuer Menschen in seinem Leben sein großes Herz – das klingt erst einmal nicht außergewöhnlich. Die Art und Weise allerdings, wie Drehbuchautor und Regisseur Hannes Holm („Familienchaos – All inclusive“, „Adam & Eva“) den Zuschauern das wahre Wesen von Titelheld Ove nahebringt, ist hintergründig und nicht nur einmal zu Tränen rührend – wobei die Tränen der Rührung bisweilen fließend in Lachtränen übergehen. Oves Selbstmordversuche fungieren als Running Gag, während sich in Rückblenden seine bewegende Lebensgeschichte offenbart.

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Die Nachbarsfamilie mischt ihn gehörig auf

„Ein Mann namens Ove“ ist auch ein leidenschaftliches Plädoyer für Toleranz und Miteinander. Ove gibt sich bisweilen derart misanthropisch gegenüber der gesamten Menschheit, dass für Rassismus und Homophobie einfach kein Platz ist. Naiv und plakativ? Ganz sicher, aber es verfehlt seine Wirkung nicht. Wer niemanden mag, macht eben keine Unterschiede – mit einer Ausnahme: Wer Saab fährt, darf auf Volvo-Käufer herabschauen – erst recht, wenn diese irgendwann zu BMW wechseln. Schweden eben … Das klingt skurril und ist es auch, wirkt insgesamt aber gar nicht mal so unglaubwürdig, wie man denken könnte.

Wallander-Darsteller Rolf Lassgård als Miesepeter

Schauspielerisch sind der bei uns in den Henning-Mankell-Verfilmungen als Kommissar Kurt Wallander bekannt gewordene Rolf Lassgård und Bahar Pars („Bei Einbruch der Dunkelheit“) hervorzuheben. Auf die sich behutsam entwickelnde Freundschaft ihrer Figuren konzentriert sich „Ein Mann namens Ove“ – Parvaneh lässt einfach nicht locker, wenn es darum geht, den alten Grantler zu knacken, um den Menschen hervorzubringen, von dem sie ahnt, dass er sich darin verbirgt. Das ist ganz zauberhaft anzuschauen.

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Ein Mann namens Ove

Mangels Lektüre der Romanvorlage von Fredrik Backman kann ich keine Vergleiche dazu anstellen. Dem Vernehmen nach ergänzte Hannes Holm einige Aspekte der Geschichte, während er anderes wegließ, eine Kombination aus Film- und Buchkonsum empfehle sich in diesem Fall besonders, war andernorts im Netz zu lesen. Wer an „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ Gefallen fand, wird auch „Ein Mann namens Ove“ mit Freude schauen, mir hat Ove als etwas lebensnäher sogar noch besser gefallen als der Hundertjährige.

Veröffentlichung: 18. August 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 116 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Schwedisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: En man som heter Ove
SWE 2015
Regie: Hannes Holm
Drehbuch: Hannes Holm, nach dem Roman von Fredrik Backman
Besetzung: Rolf Lassgård, Bahar Pars, Zozan Akgün, Tobias Almborg, Filip Berg, Viktor Baagøe, Anna-Lena Bergelin, Lasse Carlsson, Karin de Frumerie, Simon Edenroth
Zusatzmaterial: deutscher & schwedischer Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Concorde Home Entertainment

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Eine Antwort zu “Ein Mann namens Ove – Wenn der Selbstmord partout nicht gelingen will

  1. amourfoufilm

    2016/09/14 at 05:31

    Das mit der Tragikomödie bekommen die Skandinavier in den letzten Filmdekaden einfach am besten hin 🙂

     

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