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Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit: Bitteres Begleichen der Kriegsschuld

21 Sep

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Under sandet

Von Volker Schönenberger

Nachkriegsdrama // Landminen gehören zu den international geächteten Waffen; oft fordern sie noch lange nach kriegerischen Auseinandersetzungen Opfer, die schwer verstümmelt werden oder sterben. Wen packt nicht bei dem Gedanken das kalte Grauen, unversehens in ein Minenfeld zu geraten und nicht zu wissen, ob der nächste Schritt verhängnisvoll ist?

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Der tödliche Einsatz steht bevor

„Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit“ lässt diesen Schrecken auf intensive Weise nachempfinden. Wenn die jungen deutschen Kriegsgefangenen an scharfen Minen ihr selbstmörderisches Handwerk üben müssen und bald darauf an den Nordsee-Stränden Dänemarks im Sand herumstochern und nach Minen suchen, verursacht das allein beim Zuschauen Beklemmungen und schweißnasse Hände.

Himmelfahrtskommando am Nordsee-Strand

Zu Beginn des Films lernen wir Sergeant Carl Rasmussen (Roland Møller) kennen, der im Mai 1945 aus seinem Zorn auf die deutschen Soldaten kein Hehl macht und auch mal einen Kriegsgefangenen zusammenschlägt. Der Däne bekommt das Kommando über einen Trupp von 14 jungen Deutschen, die kaum den Kinderschuhen entwachsen sind, darunter Sebastian (Louis Hofmann), Helmut (Joel Basman), Wilhelm (Leon Seidel) und die Zwillinge Ernst und Werner (Emil und Oskar Belton). Gnadenlos schickt Rasmussen sie zum Minenräumen auf den ihnen zugeteilten Strandabschnitt. Ohne technische Hilfsmittel müssen die Kriegsgefangenen im Sand stochern, um die tödlichen Explosionswaffen zu finden – ein Himmelfahrtskommando, das wird schnell deutlich.

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Die jungen Deutschen sehen …

Wer hätte diese Arbeit sonst tun sollen, wenn nicht die Kriegsgefangenen? Dieser Logik kann man sich zwar kaum entziehen, der Fokus auf die völlig verunsicherten jungen Männer lässt Fragen nach Schuld und Sühne des Aggressors Deutschland aber in den Hintergrund treten. Die Minderjährigen sind unschwer als Hitlers letztes Aufgebot identifizierbar, in den Krieg geworfen, als der längst verloren war. Sergeant Rasmussen wird als ihr Gegenpart nicht unbedingt als Sympath gezeichnet. Dass es dennoch nach einer Weile zu einer behutsamen Annäherung zwischen ihm und seinen Untergebenen kommt, gehört wohl zu den Gesetzmäßigkeiten solcher Aufeinandertreffen von Feinden im Film und tut der Wirkung von „Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit“ keinen Abbruch.

Überzeugende Darsteller

Damit es dabei nicht allzu rührselig und überzogen zugeht, bedarf es guter Darsteller, und die hat Drehbuchautor und Regisseur Martin Zandvliet rekrutiert: Roland Møller lässt Sergeant Rasmussen trotz der großen Bandbreite zwischen Hartherzigkeit und Mitgefühl glaubwürdig erscheinen, auch die Nachwuchsschauspieler machen ihre Sache großartig. Die Ausweglosigkeit ihrer Situation und ihr Ergeben ins Schicksal werden jederzeit nachvollziehbar.

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… dem Tod ganz nah in die Augen

Eine Texttafel am Ende des Films verrät, dass nach Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als 2.000 deutsche Kriegsgefangene gezwungen worden sind, anderthalb Millionen Landminen zu räumen, die die Wehrmacht während der Besatzungszeit an der dänischen Westküste verteilt hatte. Offenbar hatte Hitler dort mit der Invasion der Alliierten gerechnet. Bei ihrer Nachkriegs-Arbeit kam eine Vielzahl der unfreiwilligen Minenräumer ums Leben, andere trugen schwere Verletzungen davon, die sie fürs Leben zeichneten. Es spricht für Dänemark und den Regisseur, dass in unserem nördlichen Nachbarland ein solcher Film entstanden ist, der sich nicht groß um die ohnehin unstrittige Kriegsschuld Deutschlands schert, sondern ein heikles Thema differenziert anpackt, um darauf hinzuweisen, dass Krieg auf jeder Seite zu Verrohung führt. Beim Thema Minenräumung hat auch Dänemark Schuld auf sich geladen, die Botschaft wird deutlich.

Vom Kriegsbeginn zur Nachkriegszeit

„Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit“ schlägt einen gelungenen Bogen zum kurz zuvor entstandenen „9. April – Angriff auf Dänemark“, der den Angriff der deutschen Wehrmacht auf Dänemark im Frühjahr 1940 thematisierte. Mangelte es jenem Film etwas an Klarheit in der Aussage, so wird bei „Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit“ deutlich: Landminen sind entsetzlich, Krieg ist entsetzlich. Wie viele Landminen weltweit noch im Boden verborgen ihrer Opfer harren, ist wohl kaum zu schätzen. Ein furchtbarer Gedanke.

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Behutsame Annäherung: Sergeant Rasmussen (r.) überdenkt sein Tun

Veröffentlichung: 22. September 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Dänisch (mit deutschen Passagen)
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Under sandet
DK/D 2015
Regie: Martin Zandvliet
Drehbuch: Martin Zandvliet
Besetzung: Roland Møller, Mikkel Boe Følsgaard, Louis Hofmann, Joel Basman, Leon Seidel, Oskar Bökelmann, Emil Belton (als Emil Buschow), Oskar Belton (als Oskar Buschow), Karl Alexander Seidel
Zusatzmaterial: Behind the Scenes, Interviews, Trailer, Teaser, Trailershow
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Koch Films

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Eine Antwort zu “Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit: Bitteres Begleichen der Kriegsschuld

  1. amourfoufilm

    2016/09/21 at 05:01

    Der Film hat mich wirklich betroffen gemacht…die allierten Kriegsverbrechen werden bis heute kaum aufgearbeitet…der Sieger schreibt die Geschichte

     

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