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Findet Dorie – Einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen …

26 Sep

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Finding Dory

Kinostart: 29. September 2016

Von Matthias Holm

Computertrick-Abenteuer // „Toy Story“ samt Fortsetzung, „Das große Krabbeln“ und „Die Monster AG“ – nicht die schlechtesten Filme, um ein Studio als feste Größe zu etablieren. Doch 2003 gelang Pixar das Kunststück, mit „Findet Nemo“ unsere Gesellschaft nachhaltig zu beeinflussen. Das klingt jetzt radikaler als es ist. Aber man muss einfach nur ein Kind fragen, wie diese lustig aussehenden, orangefarbenen Fische heißen. Nur wenige werden wissen, dass es sich um einen Clownfisch – oder genauer: Anemonenfisch – handelt, vielmehr hingegen, dass sie irgendetwas mit Nemo zu tun haben.

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Nemo, Dorie und Marlin (v. l.) wohnen inzwischen zusammen

Nebenbei war „Findet Nemo“ ein flotter Film mit einem wahren Panoptikum an Nebenfiguren, wie die Surfer-Schildkröten, vegetarische Haie oder die besitzergreifenden Möwen. Nach 13 Jahren kommt nun eine Fortsetzung in die hiesigen Kinos und die Erwartungen könnten nicht größer sein. Doch leider misslingt es „Findet Dorie“, jenseits der Nostalgie-Schiene einen besonders guten Film abzuliefern.

Auf der Suche nach der Familie

Nach Jahren erinnert sich die ansonsten so vergessliche Fischdame Dorie (Stimme: Anke Engelke) wieder an ihre Eltern. Überstürzt bricht sie auf, um ihre Familie zu finden. Marlin (Christian Tramitz) und Sohn Nemo (Vicco Götze-Claren) reisen hinterher, damit dem vergesslichen Paletten-Doktorfisch nichts passiert. Doch Dorie wird von Biologen aufgelesen und in ein Reservat für kranke Meerestiere gebracht. Dort trifft sie auf den mies gelaunten Oktopus Hank (Roland Hemmo), der ihr verspricht, bei der Suche nach den Eltern zu helfen.

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Dorie hilft Herrn Rochen in der Fisch-Schule

Das größte Problem hat „Findet Dorie“ mit seiner Protagonistin und der mit ihr einhergehenden Erzählstruktur. Als Nebenfigur funktioniert Dorie mit ihrer Vergesslichkeit enorm gut. Wenn dies aber nun zum Hauptplot erhoben wird, gibt es ein großes Problem: Dories schlechtes Gedächtnis ist enorm selektiv. Sie vergisst oder erinnert sich immer nur dann etwas, wenn es gerade für den Plot wichtig ist. Und wenn sie sich an die Vergangenheit erinnert, wird dies stets in Rückblenden gezeigt. Das visualisiert zwar Dories Gedanken, bremst aber den Erzählfluss der Haupthandlung immer wieder aus. Und nur an einer Stelle haben diese Rückblenden auch einen so hohen Wert, dass es fürs aktuelle Geschehen eine bedeutsame emotionale Rolle spielt.

Mehr Drama als Komödie

Emotionen sind auch in „Findet Dorie“ wichtig. Denn obwohl es durchaus komische Momente gibt, ist der Film eher ein Drama. Gut zu erkennen war dies in der Pressevorführung, in die Kinder mitgebracht werden durften. Bei einem solchen Publikum hätte man vermuten können, dass es laut und lustig zugeht, aber das Gegenteil war der Fall – es war fast durchgehend still. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber „Findet Dorie“ schafft es mit Ausnahme erwähnter Stelle nie, den Zuschauer emotional abzuholen. Dafür sind die Meerestiere meist zu beliebig oder zu unsympathisch.

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Krake Hank schlägt einen Deal vor

Marlin zum Beispiel war bereits im ersten Teil ein Miesepeter, hat während des Films aber eine Entwicklung durchgemacht. Diese scheint hier vollkommen über Bord geworfen zu sein, denn Papa Clownfisch ist durchgängig schlecht gelaunt und nörgelt herum. Ähnlich geht es mit dem Oktopus Hank. Seine Versteck-Künste sind gute visuelle Gags, sein dunkles Gemüt steht einem ungehemmten Spaß aber im Wege. Warum Hank so schlecht drauf ist, wird zudem nie erklärt, sondern in einem Nebensatz abgehandelt – ich sehe da schon die Produktion eines Prequels. Auch die übrigen neuen Figuren, etwa eine kurzsichtige Wal-Dame und eine verrückte Ente, sind zwar ganz nett, werden aber niemandem lange im Gedächtnis bleiben.

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Die Seelöwen geben ihren Stein nicht her

Das klingt jetzt alles äußerst negativ. Das liegt einfach daran, dass ich mich wirklich auf diesen Film gefreut habe, da Pixar im vergangenen Jahr mit „Alles steht Kopf“ und dem unausgegorenen, aber dennoch unterhaltsamen „Arlo & Spot“ tolle Filme herausgebracht hat und „Findet Nemo“ einer meiner Lieblings-Pixar-Filme ist. Und es gibt sie, die unfassbar niedlichen Momente und die gekonnten Slapstick-Einlagen in brillanter Optik. Nur leider ist „Findet Dorie“ kein das Nemo-Universum sinnvoll erweiternder Beitrag wie die beiden „Toy Story“-Fortsetzungen, sondern eher ein „Cars 2“.

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Auf ihrer Reise gewinnt Dorie neue Freunde

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Willem Dafoe sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 85 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Finding Dory
USA 2016
Regie: Andrew Stanton, Angus MacLane
Drehbuch: Andrew Stanton, Victoria Strouse, Bob Peterson, Angus MacLane
Originalstimmen: Ellen DeGeneres, Albert Brooks, Ed O’Neill, Kaitlin Olson, Hayden Rolence, Ty Burrell, Diane Keaton, Eugene Levy, Idris Elba, Dominic West, Sigourney Weaver, Willem Dafoe
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

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