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Jean-Claude Van Damme (XIII): Karate Tiger – Geburt eines Actionstars

27 Sep

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No Retreat, No Surrender

Von Volker Schönenberger

Action // Ein paar Minirollen, darunter im Vietnam-Radau „Missing in Action“ (1984) mit Chuck Norris – das war es für Jean-Claude Van Damme bis dato gewesen. Doch 1986 kam sein Part als russischer Bösewicht Ivan Krajinski, und obwohl er in „Karate Tiger“ nicht allzu viel Leinwandzeit hatte, reichte die doch aus, ihn für höhere Aufgaben zu empfehlen; es folgte die Hauptrolle in „Bloodsport“, der Rest ist Geschichte: Der Belgier wurde zu einem der gefragtesten Actionstars der 90er-Jahre.

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Im Dojo von Seattle kassiert Jason (r.) eine Abreibung

Als Ivan Krajinski hat Van Damme zu Beginn von „Karate Tiger“ einen Kurzauftritt und ist dann erst einmal lange Zeit gar nicht zu sehen. Der Endkampf im Finale allerdings ist nicht von schlechten Eltern, dort zeigt er auch seinen legendären Querspagat – in einer Kampfpause mit den Beinen auf den Seilen des Boxrings. Respekt! Schauspielern muss Van Damme letztlich gar nicht, nur zum Kampf antreten. Das tut er mit Bravour.

Synthesizer des Grauens

„Karate Tiger“ steht voll in den 80ern, das macht von Anfang an allein schon der grauenhafte Synthie-Soundtrack deutlich. Aber die Klänge versetzen uns umgehend in diese sonderbare Zeit geschmacklicher Verwirrungen zurück, sie gehören einfach dazu. Die Geschichte folgt dem jungen Karateka Jason Stillwell (Kurt McKinney) von Los Angeles nach Seattle. Papa Stillwell (Timothy D. Baker) hatte in der kalifornischen Metropole eine Karateschule betrieben, wurde aber von einer Verbrecherorganisation vertrieben, die die Herrschaft über alle Kampfsportschulen übernehmen will (schon klar).

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Hartes Training am Holz

Als sei das nicht albern genug, strotzen die Beziehungen diverser Protagonisten untereinander vor Absurditäten und Klischees. Jasons Freundschaft zum Breakdancer R. J. (J. W. Fails) geht da noch, die beiden bilden immerhin zwei sympathische Buddys. Als ihr Kontrahent und Bully fungiert ein Dicker namens Scott (Kent Lipham), der sich beim Essen gern das Gesicht verschmiert und aus unerfindlichen Gründen auf R. J. nicht gut zu sprechen ist. Das führt zu einigen Konfliktsituationen, aus denen die beiden Freunde mal glimpflich, im Falle von Jason mal weniger glimpflich davonkommen. Zwischenzeitlich verguckt sich Jason in Kelly (Kathie Sileno), auf die auch Karate-Ass Dean (Dale Jacoby) ein Auge geworfen hat. Klar, dass da die Fetzen fliegen.

Der Geist von Bruce Lee

Jason ist zwar ein talentierter Kämpfer, das reicht anfangs aber nicht aus, sich Respekt zu verschaffen. Zum Glück kommt eines Nachts Kay aus der Kiste, Verzeihung: der Geist (!) von Bruce Lee (Kim Tae-jeong) zu Jason und erklärt sich bereit, den jungen Mann zu trainieren. Der 1973 im Alter von 32 Jahren verstorbene Martial-Arts-Meister liegt tatsächlich auf einem Friedhof von Seattle begraben, sein Geist hatte es also nicht weit.

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Ein Geist als Kampfsport-Trainer

Auf diese Weise ist Jason natürlich mehr als gewappnet für einen mächtigen Auseinandersetzungs-Showdown, der auch nicht lange auf sich warten lässt. Ein Kickbox-Turnier steht an, zu dem urplötzlich die Schurken aus Los Angeles auftauchen, die sich nun auch die Kampfsport-Szene von Seattle unter den Nagel reißen wollen – diese Schufte! Dabei: ein gewisser Ivan Krajinski, der im Ring erst einmal ein paar andere Athleten plattmacht, bevor er den Fehler begeht, die ihn mit einem Schemel angreifende Kelly zu hart anzupacken. Das ruft Jason auf den Plan, der den Ring zum finalen Duell entert. Zack! Wumms! Knack! Aua! Hurz!

Kämpfen und Kichern

Man verzeihe mir den leisen Spott, er richtet sich nicht gegen die Kampfszenen. Die Beziehungsgemengelage von „Karate Tiger“ ist einfach zum Kichern. Nicht unerwähnt bleiben darf auch der zwischenzeitliche Zwist zwischen Vater und Sohn Stillwell. Jason kommt nach einer Schlägerei nach Hause und kriegt von Papa erst mal Mecker, weil Karate ja nicht dazu da ist, dass man sich prügelt – dabei hatte sich sein Sohn nur verteidigt, aber das will der Erzeuger nicht hören. Jason wiederum versteht nicht, weshalb sich sein Vater aus Los Angeles verdrückt hat, und hält ihn anfangs insgeheim für einen Feigling. Zum Glück kann der Sohn seinen Vater irgendwann aus einer brenzligen Situation gegen vier Schlägertypen retten – schon ist zwischen beiden alles wieder in Butter. Hach ja!

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Du schlägst meinen Vati nicht noch einmal!

An den gezeigten Karate- und sonstigen Kampfsportkünsten ist hingegen nichts auszusetzen. Van Damme beherrschte seinen Körper schon Mitte der 80er-Jahre perfekt, und Kurt McKinney als Jason macht seine Sache auch gut. Vielleicht wirken die Szenen auch deshalb so gut, weil Van Damme etwas unvorsichtig war – dem Vernehmen landete er in einigen Szenen versehentliche Treffer bei seinen Schauspielkollegen. Der Ruf, die Arbeit mit ihm sei gefährlich, hing ihm eine ganze Weile nach.

Gastauftritt bei „Alf“

Eine große Karriere als Actionstar war Kurt McKinney nicht beschieden. Seine Filmografie weist als klangvollste Gastauftritte je eine Folge von „Alf“ und „Ein Engel auf Erden“ auf, McKinneys Laufbahn bei Film und Fernsehen ging 2011 nach nur 20 Rollen in 25 Jahren zu Ende. Immerhin spielte er von 1997 bis 2009 127 Mal den Matt Reardon (wen?) in „Springfield Story“. Wie er wohl darüber denkt, dass ihm Jean-Claude Van Damme in der öffentlichen Wahrnehmung quasi die einzige Hauptrolle gestohlen hat? Obwohl Jason eindeutig die Hauptfigur des Films ist und Van Damme insgesamt in deutlich weniger als einem Drittel zu sehen ist, sieht man auf DVD- und Blu-ray-Covern stets den Belgier in ganzer Pracht. So gilt „Karate Tiger“ eben als Van-Damme-Film und genießt bei seinen Fans als Karrierestart-Schubser einen legendären Ruf. Und so peinlich manche Szene ist – unfreiwillige Komik gehört in 80er-Actionfilmen oft einfach dazu. Solange es Spaß macht, sei das verziehen, und Spaß macht „Karate Tiger“ auf jeden Fall.

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Der Seil-Spagat – unerreicht

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jean-Claude Van Damme sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Endkampf – ab in die Seile mit dir!

Veröffentlichung: 25. September 2015 als Blu-ray, 26. September 2008 als DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: No Retreat, No Surrender
USA/HK 1986
Regie: Corey Yuen
Drehbuch: Keith W. Strandberg
Besetzung: Jean-Claude Van Damme, Kurt McKinney, J. W. Fails, Kathie Sileno, Kent Lipham, Timothy D. Baker
Zusatzmaterial Blu-ray: deutsche Kinofassung, deutscher Trailer, Originaltrailer, Trailershow
Vertrieb: Splendid Film / WVG Medien GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Splendid Film / WVG Medien GmbH

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Eine Antwort zu “Jean-Claude Van Damme (XIII): Karate Tiger – Geburt eines Actionstars

  1. amourfoufilm

    2016/09/28 at 07:52

    Klassiker! ❤ 🙂

     

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