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Die Insel der besonderen Kinder – Tim Burton nimmt sich die Freiheit

04 Okt

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Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children

Kinostart: 6. Oktober 2016

Von Matthias Holm

Fantasy // Mit „Die Insel der besonderen Kinder“ kehrt Tim Burton zu dem Genre zurück, dass ihn groß gemacht hat. Schließlich ist die Vorlage von Ransom Riggs ein sehr düsterer Fantasy-Roman, auch wenn er an eine jüngere Zielgruppe gerichtet ist. Doch bereits beim ersten Trailer gab es einiges Stirnrunzeln – die weibliche Hauptfigur des Buches wurde gegen eine andere Figur ausgetauscht, die eigentlich nur eine Nebenrolle spielt. Nach der Sichtung des Films bleibt die Frage offen, warum dies getan wurde, da dieser Tausch keine erzählerischen Mehrwert bietet. Und auch ansonsten liegt mit Tim Burtons Film ein bisschen was im Argen.

Etwas Magisches lebt auf Cairnholm

Jacob (Asa Butterfield) musste mit ansehen, wie sein Großvater (Terrence Stamp) starb. Die Polizei sagt zwar, er sei von wilden Tieren angefallen worden, aber Jacob weiß, dass er in den Schatten eine merkwürdige Kreatur gesehen hat. Um dieses Trauma zu verarbeiten, rät die Psychologin Dr. Golan (Allison Janney), dass Jacob sich mit seinem Vater (Chris O’Dowd) auf den Weg zur walisischen Insel Cairnholm machen soll. Dort lebte sein Großvater während des Zweiten Weltkriegs in einem Waisenhaus, das laut den Gute-Nacht-Geschichten von Kindern mit besoneren Kräften bevölkert wurde. Und tatsächlich findet Jacob diese Kinder – um keinen Tag gealtert. Da ist ein Mädchen, das schweben kann, ein Junge schaut in die Zukunft, ein anderer kann Totes zum Leben erwecken, sei es eine Puppe oder ein Verstorbener. Sie alle stehen unter dem Schutz von Miss Peregrine (Eva Green), einer freundlichen, aber strengen Frau. Doch als in Cairnholm auf einmal Schafe gerissen werden, ist klar, dass Jacob nicht der einzige neue Besucher der Insel ist.

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Filmstunde mit den besonderen Kindern

Das größte Problem des Films ist die Geschwindigkeit der Erzählung. Anfangs halten sich Regisseur Burton und seine Drehbuchautorin Jane Goldman („Kingsman – The Secret Service“, „Kick-Ass“) nah an der Vorlage und kürzen vieles weg. Dadurch fällt zum Beispiel die tiefe Verbindung vollkommen hintenüber, die Jacob zu seinem Großvater aufgebaut hatte, hier müssen wir uns mit kurzen Rückblenden begnügen. Immerhin kann Terrence Stamp in diesen kurzen Auftritten mal wieder zeigen, dass er immer noch ein wunderbarer Schauspieler ist, sein Auftritt bleibt im Gedächtnis.

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Miss Peregrine verteidigt ihre Schützlinge

Durch das viele Kürzen entsteht ein enorm hektisches Erzähltempo. Gerade wenn Jacob die Welt erklärt wird, in die er da gerade hineingestolpert ist, wäre etwas mehr Ruhe nötig gewesen. Denn in „Die Insel der besonderen Kinder“ bekommen wir es recht schnell mit Zeitspielereien zu tun, die zwar in der Logik des Films Sinn ergeben, über die man als Zuschauer aber etwas nachdenken muss. Auch fällt die Charakterisierung der Figuren eher flach aus: Miss Peregrine als strenge, aber fürsorgliche Heimleiterin, Jacob als unsicherer Teenager, dazu weitere Kinder die ihn mögen – vielleicht sogar mehr – oder ablehnen. Doch am Ende raufen sich natürlich alle zusammen.

Düster und albern

Und hier muss man den Hut vor Burton ziehen. Im letzten Drittel trennt sich der Regisseur ganz vom Buch und erzählt seine ganz eigene Vision. Dann macht der Film auch richtig Spaß, nicht zuletzt deswegen, weil Samuel L. Jackson als wahnsinniger Antagonist immer mehr Raum einnimmt. Es ist eine delikate Balance, die Burton zwischen wirklich schaurigen Bildern – es werden einige Augäpfel konsumiert – und teils kindischen Albernheiten hält. Doch nie kippt er zu sehr in die eine oder andere Richtung, das Finale ist ein bunt-schauriger Fantasy-Spaß.

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Die Gedanken sind frei …

Kennern des Grundmaterials werden die erwähnten Punkte wohl sauer aufstoßen. Allen anderen wird mit „Die Insel der besonderen Kinder“ ein solides Fantasy-Abenteuer mit einer netten Geschichte geboten, dem man an vielen Stellen seine Herkunft als Literaturverfilmung anmerkt. Eines muss man Burton noch zugutehalten: Indem er das Finale modifiziert, hält er sich nicht die Tür zu einem Sequel offen, sondern schließt seine Version inhaltlich ab. Durchaus löblich in unserer heutigen Zeit der Franchises und Fortsetzungen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Samuel L. Jackson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 127 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children
GB/BEL/USA 2016
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Jane Goldman, nach einem Roman von Ransom Riggs
Besetzung: Eva Green, Asa Butterfield, Chris O’Dowd, Terrence Stamp, Ella Purnell, Lauren McCrostie, Finlay MacMillan, Samuel L. Jackson, Judi Dench
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Twentieth Century Fox

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5 Kommentare

Verfasst von - 2016/10/04 in Film, Kino, Rezensionen

 

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5 Antworten zu “Die Insel der besonderen Kinder – Tim Burton nimmt sich die Freiheit

  1. Morgen Luft

    2016/10/04 at 21:39

    Schöne Kritik. Kenne das Buch und bin auf diese inhaltlichen Kritikpunkte vorbereitet, sofern sie nicht allzu groß ausfallen. Das Buch selbst, war allereings auch nicht sehr stimmig erzählt. Da kann man sich auf das burtonsche Finale wahrscheinlich freuen.

     
    • Matthias Holm (@MatzeHolm)

      2016/10/05 at 09:03

      Vielen Dank 🙂 Ich war beim Kinobesuch das eine oder andere Mal vorm Kopf gestoßen, da zum Beispiel die Beziehung zwischen den drei Männern der Familie (Großvater, Vater, Sohn) für mich ein äußerst interessanter Punkt war, hier aber der Schere zum Opfer fällt. Ich fand das Buch an sich schon recht stimmig, allerdings hat sich der Ransom Riggs mit den Zeit-Spielereien keinen Gefallen getan, das macht den ganzen Spaß nur unnötig komplex. Bin aber dennoch auf Teil zwei gespannt, der wird demnächst besorgt 🙂

       
      • Morgen Luft

        2016/10/06 at 16:43

        Bin darauf eingestellt und freue mich auf ausufernde Fantasy-Unterhaltung.

         
  2. Michael Behr

    2016/10/04 at 20:50

    Der Trailer macht tatsächlich Lust auf Mehr. Ist mir bei Burton auch schon lange nicht mehr passiert.

     
    • Matthias Holm (@MatzeHolm)

      2016/10/05 at 09:00

      Die Grundidee ist ja auch klasse. Dementsprechend interessant ist es zu sehen, wie unterschiedlich damit umgegangen wird 🙂

       

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