RSS

Die sieben Samurai – Das große japanische Meisterwerk

05 Okt

die_sieben_samurai-packshot

Shichinin no Samurai

Von Matthias Holm

Historien-Abenteuer // Was macht einen guten Film aus? Für die meisten steht wohl in erster Linie die Unterhaltung im Vordergrund. Heutzutage scheint ein Großteil des Filmpublikums dies in immer größerem Action-Bombast zu sehen, so ließ sich zumindest der Erfolg von Franchises wie „Transformers“ erklären. Im Verlaufe der Jahrzehnte sind dabei bestimmte Tugenden wie ausgeklügelte Figuren oder komplexere Themen im Blockbuster-Kino zum größten Teil abhanden gekommen – Ausnahmen gibt es natürlich immer.

Es ist außerdem auch schwer vorzustellen, dass Filme wie „Guardians of the Galaxy“, so gern ich sie auch mag, weitere Generationen von Filmemachern beeinflussen. Natürlich war früher nicht alles besser – aber es ist nach meiner ersten Sichtung von „Die sieben Samurai“ einfach nicht von der Hand zu weisen, dass solche, man möchte meinen perfekte, Filme nicht mehr gemacht werden.

Sieben Recken verteidigen ein Dorf

Dabei ist die Prämisse recht simpel: Im Jahre 1587 wird ein Dorf zum wiederholten Male Ziel einer Räuberbande. Um nicht auch noch ihr letztes Hab und Gut hergeben zu müssen, machen sich einige der Bauern auf dem Weg, um für ihre Verteidigung einige Samurai anzuwerben. Mit Hilfe des alternden Kambei (Takashi Shimura) werden insgesamt sechs weitere Kämpfer angeheuert. Doch während der Vorbereitungen und selbst in den Kämpfen kommt es zwischen den sozial höher gestellten Samurai und den Bauern immer wieder zu Spannungen.

Ganze 20 Millionen Yen schluckte die einjährige Produktion, an der mehr als 3.000 Menschen mitwirkten. Das Ergebnis ist ein über dreistündiges Epos, das bis heute die Inspiration für unterschiedliche Medienschaffende ist – sei es das offensichtliche Western-Remake „Die glorreichen Sieben“ von John Sturges, in Folgen der Star-Wars-Serie „The Clone Wars“ oder aber gar bei Horror-Meister Stephen King, der die Prämisse der Verteidiger eines Dorfes in seinem fünften „Der dunkle Turm“-Roman „Wolfsmond“ benutzte. 1980 verlegte Produzent Roger Corman das Söldner-helfen-bedrohten-Einwohnern-Motiv mit „Sador – Herrscher im Weltraum“ ins All, benannte gar den Planeten, auf dem sich die Ereignisse abspielen, nach dem Regisseur der Vorlage: „Akir“.

Bis heute so einflussreich wie faszinierend

Die Faszination für „Die sieben Samurai“ bleibt also ungebrochen. Und dies auch vollkommen zu Recht. Denn ob man nun die 193-minütige Langfassung oder aber die 40 Minuten kürzere deutsche Kinofassung schaut – der Film macht einfach alles richtig. Da sind zum einen die Schauspieler. Der gesamte Cast ist vorzüglich besetzt, Takashi Shimura als weiser Anführer, Toshirô Mifune als hitzköpfiger Jungspund Kikuchiyo und so weiter – bis zum letzten Statisten hat man nie das Gefühl, Schauspielern bei der Arbeit zuzugucken. Und das ist bei den Figuren auch enorm wichtig.

Bei solch einem großem Figuren-Ensemble geht leicht mal der Überblick verloren. Doch Kurosawa schafft es meisterlich, allen Figuren ihren nötigen Raum zu geben, um sich zu entfalten. Und es ist erstaunlich, was für Protagonisten man zu sehen bekommt. Denn obwohl alle Samurai eine bestimmte Aufgabe haben, sind sie nie eindimensional, sondern immer mit prägnanten, manchmal auch widersprüchlichen Charakterzügen versehen. Umso wichtiger ist es, Zeit mit ihnen zu verbringen, sie kennenzulernen. Denn nur so schafft Kurosawa es, diese weit entfernte Epoche dem – westlichen – Zuschauer anhand seiner Figuren begreiflich zu machen.

Angesiedelt in der Azuchi-Momoya-Zeit

Das Verständnis für die gesellschaftlichen Regeln der Azuchi-Momoya-Zeit spielt eine weitere, wichtige Rolle. Denn Kurosawa lässt die beiden Welten der Bauern und Samurai immer wieder aufeinanderprallen und arbeitet so ihre gegensätzlichen Weltansichten heraus. Dies kulminiert in einem Monolog von Kikichiyo, der beide Seiten der Medaille kennt und dementsprechend auch beides anprangert. Dies ist dann auch die stärkste Szene und die, die im Gedächtnis bleibt. Das ist bemerkenswert für einen Film, der nebenbei noch wirklich gute Action zeigt.

Die Gewalt wird allerdings zu keiner Zeit glorifiziert. Die Samurai kämpfen mit durchdachten Mitteln, um die fehlende Kampferfahrung der Bauern zu kompensieren. Dies sieht nie choreographiert aus, wie etwa in „The Last Sword“, sondern immer dreckig, roh und realistisch. Während der Konfrontationen ist der Film nie übermäßig brutal, aber die Menge an Toten rechtfertigt auch heute noch die 16er-Freigabe der FSK.

Trotz epischer Länge keine Längen

Besonders beim Dreh der Kampfszenen ließ Kurosawa erstmals drei Kameras gleichzeitig laufen – eine Methode, die er fortan häufig anwendete. Alles, was der Regisseur in diesem Film anfasst, gelingt. So entsteht während der Laufzeit kein Leerlauf, selbst in der langen Fassung. Auch das geht dem heutigen Kino oft ab, selbst bei epischen Laufzeiten schleichen sich immer wieder Längen ein. Am Ende ist „Die sieben Samurai“ mit allen Zutaten einfach ein Film, der perfekt unterhält.

Die sieben Retter bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Die sieben Samurai (JAP 1954)
Die glorreichen Sieben (USA 1960)
Die glorreichen Sieben (USA 2016)

Veröffentlichung: 17. Februar 2011 (3-Disc-Set), 15. Dezember 2009 (Kinofassung), 15. März 2007 und 12. September 2005 als DVD

Länge: Länge: 193 Min. (internationale Langfassung, nur im 3-Disc-Set), 155 Min. (Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch (Kinofassung), Japanisch (Internationale Langfassung)
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Shichinin no Samurai
JAP 1954
Regie: Akira Kurosawa
Drehbuch: Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto, Hideo Oguni
Besetzung: Toshirô Mifune, Takashi Shimura, Keiko Tsushima, Daisake Kato, Ko Kimura, Minoru Chiaki, Seiyi Miyaguchi, Yoshio Inaba
Zusatzmaterial 3-Disc-Set: Slideshow, Trailer, Biografien, Hintergrundinfos, Vertikalschuber
Vertrieb: KSM GmbH

Copyright 2016 by Matthias Holm

die_sieben_samurai-packshot-3-disc-set die_sieben_samurai-packshot-masterworks

Packshots: © 2016 KSM GmbH

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: