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Ausgeburt der Hölle – Fremde Macht hat alles im Blick

08 Okt

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The Beast with a Million Eyes

Von Andreas Eckenfels

SF-Horror // Da ist er endlich: der Film, aus dem ein kurzer Ausschnitt zu Beginn des gelungenen Trailers zur „Die Rückkehr der Galerie des Grauens“-Reihe von Anolis enthalten ist. Eine Frau hält eine frisch gebrühte Kanne Kaffee in der Hand, als ein lang anhaltender, immer lauter werdender Summton hörbar wird. Schließlich zersplittert die Kaffeekanne und die Dame schreit sich vor Schreck die Seele aus dem Leib.

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Allan muss seine einsame Frau Carol besänftigen

Anders als bei der Vorgänger-Veröffentlichung „Schrei, wenn der Tingler kommt“ ist das markerschütternde Gekreische bei „Ausgeburt der Hölle“ kein Akt der Befreiung von dem Bösen, sondern für Familie Kelley nur der Beginn des Grauens, welches über sie hereinbrechen wird.

Einsam in der kalifornischen Wüste

Irgendwo in der kalifornischen Einöde betreibt Allan Kelley (Paul Birch) eine Dattelplantage. Doch die Geschäfte laufen schon lange nicht mehr gut. Die wirtschaftliche Misslage und die Einsamkeit wirken sich auch auf die Gemütslage seiner Gattin Carol (Lorna Thayer) aus. Sie hält es in der Wüste nicht mehr aus. Ihre Launen bekommt besonders Tochter Sandra (Dona Cole) zu spüren. In einem Schuppen lebt Allans stummer Farmhelfer (Leonard Tarver), den die Familie nur „Er“ nennt, weil sie seinen wahren Namen nicht kennen. Ansonsten sind der nächste Nachbar und die nächste Stadt meilenweit entfernt. Eines Tages kommt es in der Wüste zu unerklärlichen Vorkommnissen: Die Kelleys werden von Tieren angegriffen. Sogar ihr Schäferhund Duke geht auf sie los. Es erweckt den Anschein, als seien die Tiere von einer fremden Macht gesteuert, welche bald auch von „Er“ Besitz ergreift …

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Kreischalarm: Carol und …

Der vierte Beitrag aus der „Die Rückkehr der Galerie des Grauens“-Reihe gilt als erste Science-Fiction-Produktion aus dem Hause American Releasing Corporation (ARC), welches Mitte der 50er-Jahre unter dem neuen Namen American International Pictures (AIP) zum erfolgreichsten Independent-Studio der USA aufsteigen sollte. Produzent Roger Corman und seine Mitstreiter Samuel Z. Arkoff und James H. Nicholson versuchten mit reißerischen Filmplakaten, ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit für ihre Billigproduktionen zu generieren. Als Zielgruppe hatten sie Teenager im Visier, die sich in den Autokinos der US-Städte amüsieren wollten.

Paul Blaisdells erstes Filmmonster

Wie der höchst informative Booklettext von Ingo Strecker berichtet, hatte Corman für „Ausgeburt der Hölle“ lediglich um die 25.000 US-Dollar zur Verfügung. Ausstatter Karl Brainard bastelte aus Metallschrott ein 1,40 Meter großes Modell des Raumschiffs inklusive beweglicher Antenne. Doch das genügte nicht: Das im Originaltitel und auf dem Plakat angepriesene Biest mit den Millionen Augen war zunächst im finalen Film nicht zu sehen, was bei ersten Testvorführungen verständlicherweise für Verärgerung unter den Zuschauern führte. Somit wurde der Illustrator Paul Blaisdell engagiert, der für 200 Dollar Materialkosten sein erstes Monster für Roger Corman schuf. Auf die Latex-Handpuppe „Little Herkules“, genannt „Herky“, sollten noch viele weitere denkwürdige Biester von Blaisdell folgen.

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… Tochter Sandra werden angegriffen

Bei „Herky“ handelte es allerdings nicht um das eigentliche Monster, sondern lediglich um einen kleinen Handlanger des ansonsten körperlosen Bösen, dessen Stimme bereits in der Eingangssequenz bedrohlich seine Pläne verlauten lässt – wodurch die Geschichte allerdings auch einiges an Spannung einbüßt: Bevor das außerirdische Wesen die Herrschaft über die Erde übernimmt, will sich die fremde Macht zunächst des Geistes der Tiere bemächtigen, um so die Menschheit mit „Millionen Augen“ jederzeit und überall observieren zu können. Die in simplen Gegenschuss-Aufnahmen inszenierten Tierangriffe sorgen allerdings bestenfalls für leichte Erheiterung, aber keinesfalls für blankes Entsetzen, wie uns die Darsteller glaubhaft machen wollen.

Eingeritzte Strahleneffekte

Glücklicherweise hat es Anolis geschafft, ebenfalls die deutsche Kinofassung auf die DVD zu pressen, die überraschenderweise der Originalfassung vorzuziehen ist. Angeblich soll Produzent Nicholson eigenständig Strahleneffekte in das Negativ-Material geritzt haben – und zwar genau dort, wo sich die Augen der von dem außerirdischen Wesen kontrollierten Kreaturen befinden. Somit wirken die Attacken in der deutschen Kinofassung doch erheblich verstörender als in der US-Fassung.

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Gestatten: Herky, der Handlanger der fremden Macht

Wie alle B-Movie-Liebhaber wissen: Wenn eine Killerkuh dabei ist, kann der Film nicht so schlecht sein. Mögen die Spezialeffekte budgetbedingt noch so billig wirken und besonders das „Liebe besiegt alles“-Ende nerven, hat „Ausgeburt der Hölle“ als frühe ARC-Produktion seinen Platz in der beliebten Anolis-Reihe verdient. Einige Motive, wie die Isolation und die damit verbundene Zerrüttung der Familie, sind durchaus interessant. Auch die Tierangriffe waren ihrer Zeit voraus und sollten später in Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ (1963) und „Long Weekend“ (1978) Einzug ins Horrorgenre halten. Paul Birch, der den Familienvater mit voller Ernsthaftigkeit verkörpert, war später noch in weiteren Corman-Produktionen zu sehen, darunter „Heiße Colts und schnelle Pferde“ (1955) und „Gesandter des Grauens“ (1957).

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauen schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. ???
09. ???
10. ???

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roger Corman sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 23. September 2016 als DVD

Länge: 75 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Beast with a Million Eyes
USA 1955
Regie: David Kramarsky (nur Nennung), Roger Corman (ohne Nennung, einige Szenen), Lou Place (ohne Nennung)
Drehbuch: Tom Filer
Besetzung: Paul Birch, Lorna Thayer, Dona Cole, Leonard Tarver, Dick Sargent, Chester Conklin
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Ingo Strecker und Daniel Perée, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, Amerikanische Fassung, Deutscher und amerikanischer Trailer, Bildergalerie
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2016 Anolis Entertainment GmbH

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