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Die falsche Prinzessin – Die komplette Serie: So sah Fernseh-Fantasy in den 90ern nun mal aus

08 Okt

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La principessa e il povero

Von Volker Schönenberger

Fantasy // König Hamil (Mathieu Carrière) sehnt sich nach einem Kind, da er sonst fürchten muss, dass sein grausamer Bruder Migal (Thomas Kretschmann) die Thronfolge an sich reißt. Weil seine Frau (Jana Hubinská) partout nicht schwanger werden will, sucht Hamil den Magier Epos (Max von Sydow) auf, um von ihm einen Zauber zu erbitten. Den kriegt er auch, nicht ahnend, dass es Epos‘ Zauberlehrling Gamesh (Simone Ascani) war, der den Trank zubereitete, den Hamil nun seiner Gemahlin reicht. Das bringt Epos auf Zinne.

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Mirabella ahnt nicht, dass König Hamil nicht ihr Vater …

Kaum hat die Königin einen Sohn entbunden, sorgt der Magier dafür, dass das Baby entführt wird. Es wird als Sohn eines Paars aus dem Dorf aufwachsen, das jüngst selbst einen Sohn bekommen hat. Hamil greift derweil zu einer List: Er überzeugt die junge Sariba (Michaela Merten), ihm ihre neugeborene Tochter als sein eigenes Kind anzuvertrauen – sie selbst könne als ihre Amme immer in ihrer Nähe bleiben. Hamil lässt das Mädchen auf den Namen Mirabella taufen. Aus der Ferne nimmt der boshafte Magier Epos weiterhin Einfluss auf das Schicksal aller Beteiligten, während sein Lehrling Gamesh versucht, das Ganze etwas geradezubiegen.

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… und die Amme Sariba ihre Mutter ist

Nach Jahren ist die falsche Prinzessin Mirabella (Anna Falchi) zu einer hübschen jungen Frau herangewachsen, die beiden Dorfbuben Leonardo (Lorenzo Crespi) und Ademaro (Nicholas Rogers) zu zwei stattlichen Burschen – Leonardo ein forscher Frauenschwarm, Ademaro ein zurückhaltender Feingeist. Doch wer ist der Königssohn? Bald kreuzen sich die Wege der zwei Brüder und Prinzessin Mirabellas.

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Brüder eben: Leonardo (l.) und Ademaro streiten manchmal

Fantasy auf Kinoformat sollte bei „Die falsche Prinzessin“ niemand erwarten. Dass wir es mit einer TV-Produktion zu tun haben, ist unschwer zu erkennen. Gealtert ist der Zweiteiler obendrein, wer kurz zuvor eine Folge von „Game of Thrones“ geschaut hat, wird womöglich ab und zu mit den Augen rollen. Aber der Vergleich ist etwas unfair – so sah Fernseh-Fantasy in den 90ern nun mal aus. Ich habe „Die falsche Prinzessin“ in Gesellschaft von vier achtjährigen Mädchen geschaut, die allesamt sehr angetan und gefesselt waren. Kriegt Mirabella am Ende Leonardo oder Ademaro? Das sind Fragen, die auch heute noch Achtjährige bewegen. Da wird kommentiert, mitgefiebert und -gezittert, dass es eine wahre Freude ist. „Die falsche Prinzessin“ kann also nicht alles falsch gemacht haben.

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Prinz Migal führt Übles im Schilde

Mit Filmen wie „Demons“ – auch „Dance of the Demons“ – und dessen ein Jahr später entstandenen Fortsetzung trat Regisseur Lamberto Bava in den 80er-Jahren durchaus anständig in die Horror-Fußstapfen seines Vaters Mario Bava, mit dem er zu Beginn seiner Karriere als Regieassistent zusammengearbeitet hatte. Doch dann folgte 1991 mit dem ersten Film der „Prinzessin Fantaghiro“-Reihe der abrupte Wechsel ins Fach der TV-Fantasy. „Die falsche Prinzessin“ markierte 1997 den Schlusspunkt dieser Schaffensperiode. Später durfte Bava Junior sich auch wieder etwas dem Horrorgenre nähern.

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Verliebt sich Mirabella etwa in den frechen Leonardo?

Mit Ingmar-Bergman-Ikone Max von Sydow in der Rolle des bösen Zauberers hat „Die falsche Prinzessin“ sogar einen Schauspieler von internationalem Format zu bieten. Mathieu Carrière, der den König spielt, hat ebenfalls eine recht eindrucksvolle Filmografie zu bieten, wenn auch nicht mit von Sydow vergleichbar. Als schurkischen Bruder des Königs sehen wir Thomas Kretschmann, damals noch nicht als Nebendarsteller in Hollywood gebucht. Durchaus namhaft also, was Regisseur Lamberto Bava da aufbietet, jedoch kein Garant für große Schauspielkunst. Das gaben die theatralischen Dialoge wohl nicht her, nicht einmal Max von Sydow vermag zu beeindrucken. Das gilt auch für das Produktionsdesign und die recht naive Story.

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Sogar Zauberer Epos begehrt die falsche Prinzessin

„Die falsche Prinzessin“ besteht aus zwei Folgen auf Spielfilmlänge. Ob dafür der Stempel „Die komplette Serie“ sein musste, sei dahingestellt. 2008 war der Zweiteiler bereits von Koch Media im DVD-Kombipack „Prinzessinnen Sammlerbox“ mit Lamberto Bavas „Der Ring des Drachens“ von 1994 erschienen – der zweite, ebenfalls aus zwei Folgen bestehende Film erscheint nun ebenfalls als Einzel-DVD. Die moderne Fantasy-Welt braucht diese altbackenen Produktionen sicher nicht unbedingt. Aber für zwei angenehme Filmnachmittage mit den Töchtern und ihren Freundinnen ist „Die falsche Prinzessin“ nicht zu verachten. „Games of Thrones“ werden sie bis auf Weiteres ja noch nicht schauen.

Veröffentlichung: 7. Oktober 2016 als DVD

Länge: 86 + 94 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: La principessa e il povero
IT/D 1997
Regie: Lamberto Bava
Drehbuch: Gianni Romoli
Besetzung: Anna Falchi, Lorenzo Crespi, Nicholas Rogers, Mathieu Carrière, Thomas Kretschmann, Max von Sydow, Jana Hubinská, Simone Ascani, Michaela Merten
Zusatzmaterial: keins
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Universum Film

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