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Inside Horror – Warum wir uns so gerne gruseln: Die Lust am Grauen

09 Okt

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Why Horror?

Von Volker Schönenberger

Doku // Weshalb gehen Menschen ins Kino, um sich zu fürchten? Warum schieben sie daheim Filme in den Player, in denen bedauernswerte Zeitgenossen entbeint und gehäutet werden? Diese Fragen sind schwer zu beantworten, erst recht von Horrorfans selbst – mir geht das jedenfalls so. Nicolas Kleiman und Rob Lindsay gehen dem Phänomen in ihrer Doku mit dem Originaltitel „Why Horror?“ nach.

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Tal Zimerman nimmt an einem Zombie Walk teil …

Im Fokus steht dabei der Horrorfan Tal Zimerman, der Horrorfilme geradezu lebt. Seine Familie kommt zu Wort und berichtet davon, dass Tal schon als Kind sonderbare Vorlieben hatte, mit fünf Jahren bereits Monster gemalt und später viel mit Horror-Make-up experimentiert hat. Im Kindergarten seines jüngsten Bruders habe es deshalb sogar einmal echte Probleme gegeben, weil der Bruder dort mit einer von Tal fabrizierten Brandnarbe erschienen sei. Ein MRT, bei dem Tal sowohl Szenen aus Horrorfilmen als auch anderen Filmen gezeigt werden, bringt zum Vorschein, dass bei ihm beim Schauen der brutalen Szenen andere Hirnregionen aktiv sind als bei den Szenen aus Filmen ohne Horror. Aber was hat das zu bedeuten? Jedenfalls ist bei Tal Zimerman ein deutlicher Gewöhnungseffekt eingetreten – keine überraschende Erkenntnis.

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… stockt seine Horrorsammlung auf …

Zu Wort kommen Filmjournalisten, Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen und namhafte Horror-Filmschaffende wie George A. Romero („Die Nacht der lebenden Toten“, „Zombie“) und John Carpenter („Halloween – Die Nacht des Grauens“, „The Fog – Nebel des Grauens“). Eli Roth („Hostel“, „The Green Inferno“) weist darauf hin, dass wir schon als Kinder von Märchen fasziniert sind, die voller Horrorszenarien stecken. Die Welt sei für Kinder ein solch beängstigender Ort, dass diese Geschichten ihnen dabei helfen würden, damit umzugehen. Dann gebe es eine Phase, mit zwölf oder dreizehn Jahren, in der es etwas härter sein müsse.

Der Tag der Toten – zum Fürchten?

In Mexiko befasst sich Tal Zimerman mit dem Tag der Toten, einem wichtigen Feiertag, der dem Gedenken an die Verstorbenen gewidmet ist. In Mexiko sei der Tod nicht etwas, das man fürchte, sondern ein natürlicher Teil unserer Existenz. Allerdings wird auch erwähnt, dass diese Tradition dort ins Gruselige verwässert werde, weil aus Nordamerika der Einfluss von Halloween herüberschwappe. Später reist Tal auch nach Japan, das um die Jahrtausendwende mit Filmen wie „Ring“ und „Ju-on – The Grudge“ weltweit den J-Horror etablierte.

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… und feiert in Mexiko …

Ein Höhepunkt der Doku ist eine animierte Strecke mit Tal Zimerman als Wanderer, die eine kurze Geschichte des Horrorfilms illustriert. Bei aller Oberflächlichkeit, die dieser Abriss in wenigen Minuten mit sich bringt, ist das doch ganz wunderbar inszeniert. Tal Zimerman konstatiert: „In uns allen scheint ein Monster zu wohnen. Aber was uns ausmacht, ist die Art und Weise, wie wir damit umgehen.“ Und Alexandre Aja („High Tension“, „Piranha“) zieht das Fazit: „Der Kampf zwischen Gut und Böse auf der Leinwand repräsentiert auch den Kampf zwischen Gut und Böse in uns selbst.“ In Tal Zimermans Sammlung wird „Inside Horror – Warum wir uns so gerne gruseln“ sicher einen Ehrenplatz einnehmen. Aber auch anderen Horrorfilm-Connaisseuren liefert die Doku einen aufschlussreichen Blick in ihre Psyche. Bleibt die Frage: Mit welchem Horrorfilm hat bei euch alles begonnen?

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… beim Tag der Toten mit

Veröffentlichung: 6. Oktober 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 81 Min. (Blu-ray), 78 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch (Voice-over), Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Why Horror?
KAN/JAP/MEX/USA/GB 2014
Regie: Nicolas Kleiman, Rob Lindsay
Drehbuch: Nicolas Kleiman, Rob Lindsay
Mitwirkende: Tal Zimerman, John Carpenter, George A. Romero, Eli Roth, Alexandre Aja, Don Coscarelli, Barbara Crampton, Álex de la Iglesia, Jen Soska, Sylvia Soska
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Trailer, Trailershow, O-Card (Vertikalschuber) mit Reliefprägung, Postkarte, Wendecover
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Tiberius Film

 
 

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12 Antworten zu “Inside Horror – Warum wir uns so gerne gruseln: Die Lust am Grauen

  1. Michael Behr

    2016/10/19 at 17:59

    Ich glaube, ich habe als erstes einen der Dracula-Filme mit Christopher Lee gesehen.

     
  2. florian gröning

    2016/10/15 at 17:02

    Mein erster horrorfilm war bram stoker’s dracula. Danach folgte john Carpenters halloween.

     
  3. Sven Schmidt

    2016/10/15 at 11:25

    Der 1. richtige Horrorfilm den ich gesehen hab war „Braindead“ davor war das schlimmste in meiner Jugend „ES“

     
  4. martinb62

    2016/10/14 at 21:05

    Das war „Das Ding aus einer anderen Welt“ von 1951. Eigentlich nicht so schlimm, aber damals war ich noch recht jung 🙂

     
  5. DB

    2016/10/14 at 20:25

    Welcher Film es war kann ich nicht mehr genau sagen, er lief auf jeden Fall in der ZDF-Reihe „Der Phantastische Film“

     
  6. Darth Oedel

    2016/10/14 at 12:20

    Das hat sich schon relativ früh abgezeichnet. Als Kind in den 80ern leidenschaftlich die „Gespenster Geschichten“ gelesen und „Das Gruselkabinett“ auf NDR geguckt.

     
  7. Andres Nilsson

    2016/10/14 at 09:31

    Soweit ich mich erinnere hat es mit dem Film „Tanz der Vampire“ und diversen Hörspielen von H. C. Francis‘ Gruselserie angefangen.

     
  8. Filmschrott

    2016/10/14 at 08:12

    Das könnte Peter Jacksons Brain Dead gewesen sein. Ganz sicher bin ich aber nicht. Aber durch die Humorkomponente dürfte das zumindest einer der ersten gewesen sein, die mir gefallen haben. Reinen Horror mochte ich früher nicht so gerne.

     
  9. Thomas Leising

    2016/10/14 at 07:58

    Schwieige Frage, müsste „Nightmare – Mörderische Träume“ gewesen sein.

     
  10. Dirk Busch

    2016/10/14 at 07:34

    Mochte schon immer Filme mit Monstern,wie zB Godzilla,aber zum Horror bin ich durch eine Japanische TV Serie gekommen,die,wenn ich mich recht erinnere,Anfang der 70er im TV lief.Name der Serie fällt mir grad nicht ein.Es ist mir auch nur eine Szene im Kopf geblieben,wo eine Frau,mit Bogen & in weiß gekleidet aus einem Bild stieg.Seitdem hat mich das Horrorgenre. 🙂

     
  11. Sebastian Graf

    2016/10/14 at 06:03

    Ganz profan war es bei mir „Alien“ , den ich quasi heimlich unter der Bettdecke, aus dem Bett heraus gesehen hab. Ich kann mich an persönlichen Schrecken und unendliches Grauen erinnern…

     
  12. Gleske Daniel

    2016/10/14 at 05:59

    Das weiß ich wirklich nicht mehr genau…vielleicht mit Die Nacht der reitenden Leichen.. 😉

     

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