RSS

The Witch – Puritaner und Hexen

10 Okt

the_witch-packshot

The VVitch – A New-England Folk Tale

Von Volker Schönenberger

Horror // Trist und freudlos wirken der Wald und das Leben, das der streng religiöse Bauer William (Ralph Ineson) und seine Familie im Jahre des Herrn 1630 in Neuengland führen. Wegen Williams häretischer Ansichten von der puritanischen Gemeinde ausgestoßen, haben sie sich in der Einsamkeit ein kleines Gehöft zusammengezimmert und führen ein Dasein in Kargheit. Ora et labora – bete und arbeite lautet das Leitmotiv. Als die älteste Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy) mit dem Baby Samuel am Waldrand herumalbert, verschwindet der Junge wie von Geisterhand. Eine im Wald lebende Frau hat ihn an sich genommen und Furchtbares getan (was nur der Zuschauer erfährt, nicht jedoch die Familie). Weitere besorgniserregende Ereignisse suchen William, seine Frau Katherine (Kate Dickie) und die Kinder heim.

The_Witch-1

Die Familie führt ein karges Leben

Reduzierte Farbsättigung und viel natürliches Licht, bedächtige Inszenierung mit einigen statischen Einstellungen, ein stets klammes Gefühl beim Schauen, dazu altmodische Wortwahl (im englischen Original viel „thee“, „thou“, „thy“) – „The Witch“ macht es den Zuschauern nicht leicht, einen Zugang zu finden. Wer freut sich schon an Bildern asketischen Lebens? Asketen vielleicht. Das ist sicher nicht „the next big thing of horror“, wie manche Filmfans angesichts des Hypes im Vorfeld geglaubt haben mögen. Wer sich auf Stephen Kings Aussage verlassen hat, der getwittert hatte, wie sehr ihn „The Witch“ geängstigt habe, kann an sich nur enttäuscht worden sein. Der Großmeister des Horrorromans sieht und erkennt eben ganz andere Dinge als wir herkömmlichen Gruselgenießer. Zum Fürchten fand ich das Gezeigte nicht.

Horror? Familiendrama? Historiendrama?

Die Genrebezeichnung ist letztlich nur ein Stempel, der einem Film nicht immer umfassend gerecht werden kann. Andreas, der „The Witch“ anlässlich des Kinostarts bereits trefflich rezensiert hat, hat mit Fug und Recht „Horror“ als Genre vergeben. Will man das etwas genauer aufziehen, handelt es sich um ein Familiendrama vor historischem Hintergrund, das mit Horrorelementen angereichert worden ist. Referenzen sind schwer zu nennen, dafür ist „The Witch“ zu eigenständig, was ohnehin als großer Pluspunkt zu werten ist. Mir kam bei der Sichtung ein paar Mal Rob Zombies „The Lords of Salem“ in den Sinn, seinerzeit ebenfalls kontrovers aufgenommen, der zwar in der Moderne spielt, aber ebenfalls auf rätselvolle Weise Hexen in Neuengland thematisiert.

the_witch-5

Schlummert in Thomasin eine Hexe?

Drehbuchautor und Regisseur Robert Eggers hat für seinen bislang einzigen Kino-Langfilm ausgiebig recherchiert, um als Hintergrund die Religionsgeschichte Nordamerikas und die Lebenswirklichkeit der Puritaner mitschwingen zu lassen. Eine besondere Herausforderung bei den Dreharbeiten wird sicher die Arbeit mit dem schwarzen Ziegenbock gewesen sein, der eine bedeutsame Rolle spielt. Wer einmal neben einem solch störrischen Tier auf der Weide gestanden hat, wird wissen, was ich meine. Dem Regisseur zufolge gab es jedenfalls andere Tiere, mit denen der Dreh sich vergleichsweise einfach gestaltete. Beim Sundance Film Festival 2015 erhielt Eggers den Regiepreis in der Kategorie Drama. „The Witch“ ist zu abseitig, um sich im Kollektivbewusstsein der Horrorgemeinde als Klassiker zu etablieren, als Randerfahrung jenseits jeden Mainstreams ist das Werk aber unbedingt empfehlenswert. Ein außergewöhnlicher Film.

Veröffentlichung: 29. September 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch, Türkisch
Originaltitel: The VVitch – A New-England Folk Tale
USA 2015
Regie: Robert Eggers
Drehbuch: Robert Eggers
Besetzung: Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie, Harvey Scrimshaw, Ellie Grainger, Julian Richings, Bathsheba Garnett
Zusatzmaterial: keins
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Universal Pictures Germany GmbH

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: