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Das kalte Herz – Ein Herz für den deutschen Genrefilm

16 Okt

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Das kalte Herz

Kinostart: 20. Oktober 2016

Von Matthias Holm

Fantasy // Nur selten schaffen es deutsche Genrefilme, eine große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Selbst wenn sie groß beworben werden, wie zum Beispiel 2010 der Vampirfilm „Wir sind die Nacht“, ist dies kein Garant für einen Kassenerfolg. Umso schöner zu sehen, dass es immer wieder Filmemacher versuchen, anderes Material als Liebeskomödien oder Fernsehkrimis zu produzieren. Das ist dieses Jahr inzwischen auch zwei Mal gelungen – „Der Nachtmahr“ von Künstler AKIZ ist ein surrealistischer, an David Lynch erinnernder Albtraum, während „Das kalte Herz“ ein wunderbar düsteres Märchen geworden ist, das sowohl der Literaturvorlage von Wilhelm Hauff als auch der berühmten DEFA-Verfilmung von 1950 gerecht wird.

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Das Leben im Schwarzwald ist hart

Der junge Köhler Peter Munk (Frederick Lau) hat es in seinem Leben nicht leicht. Zwar lebt er zusammen mit seiner Familie, das große Geld macht man bei der Herstellung und dem Verkauf von Holzkohle allerdings nicht. Das wurmt Peter umso mehr, ist er doch in die schöne Lisbeth (Henriette Confurius) verliebt, die Tochter des reichen Glasmachers Löbl (Sebastian Blomberg). Um an Geld zu kommen, folgt Peter der Legende des Holländer-Michels (Moritz Bleibtreu). Dieser soll Reichtum erlangt haben, nachdem er sich das Herz herausgetrennt hatte – doch dadurch hat er den Zorn der Waldgeister auf sich gezogen, die ihn nun bis in alle Ewigkeit in einer kleinen Schlucht festhalten.

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Köhler-Peter will hoch hinaus …

Momentan ist Frederick Lau extrem umtriebig. Dieses Jahr war er bereits in drei Produktionen zu sehen, außer in „Das kalte Herz“ auch in dem unsäglichen „Wie Männer über Frauen reden“ und in „SMS für dich“. In den beiden anderen Produktionen spielte er Nebenrollen und war meist auch das Beste daran. Jetzt darf der junge Mann nach „Victoria“ wieder eine größere Rolle spielen – und brilliert einmal mehr. Zwar gibt es mit Milan Peschel als Glasmännchen und Moritz Bleibtreu zwei Schauspieler, die aufgrund ihrer Figuren länger im Gedächtnis bleiben, aber Lau hat als etwas unbedarfter Peter Munk die Sympathien auf seiner Seite.

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… und hat sich in die schöne Lisbeth verliebt

Auch muss sich der Film nicht vor ähnlichen Produktionen aus den USA verstecken. Die Landschaftsaufnahmen sehen toll aus und auch das Produktionsdesign kann stets überzeugen, obwohl es teilweise durchs Budget beschränkt wirkt. Zum Glück wird auch auf den übermäßigen Einsatz von computergenerierten Effekten verzichtet, so wirkt „Das kalte Herz“ deutlich stimmiger und trotz seines fantastischen Hintergrundes nicht gekünstelt.

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Glasmacher Löbl (M.) hat was gegen Peter

Leider schleichen sich bei der Erzählung einige Schwächen ein. Gerade zu Beginn zieht sich der Film das eine oder andere Mal, ein paar Szenen weniger mit Peter und seiner Angebeteten Lisbeth hätten es auch getan – der Zuschauer weiß sowieso von Anfang an, wie der Hase läuft. Auch das ständige Niedermachen des Köhlerberufs zeigt zwar Parallelen zum immer präsenten Thema Mobbing, wirkt aber im Gesamtkosmos von „Das kalte Herz“ etwas zu viel des Guten. Und wenn der Film endlich zu dem Punkt kommt, dass der Holländer-Michel in Aktion tritt, wirken sämtliche Handlungspunkte doch sehr komprimiert in den Film gequetscht.

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Das Glasmännchen kann Wünsche erfüllen

Trotz dieser Schwächen macht „Das kalte Herz“ über seine gesamte Lauflänge Spaß. Vor allem ist es schön zu sehen, dass es ein deutscher Film auf die Leinwand schafft, der wirklich grimmige und eklige Szenen hat – wie sie eben in jedem Märchen vorkommen, ähnlich wie die klar strukturierte Moral, dass Geld und Erfolg nicht alles im Leben sind. Wer ein Herz für den deutschen Genrefilm hat, sollte auf jeden Fall eine Kinokarte lösen.

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Doch erst ein Pakt mit dem Holländer-Michel (r.) lässt Peters Träume wahr werden – zu einem hohen Preis

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Das kalte Herz
D 2016
Regie: Johannes Naber
Drehbuch: Johannes Naber, Christian Zipperle, Steffen Reuter, Andreas Marschall, nach einem Märchen von Wilhelm Hauff
Besetzung: Frederick Lau, Henriette Confurius, Moritz Bleibtreu, Milan Peschel, David Schütter, Roeland Wienekker, Sebastian Blomberg, André M. Hennicke
Verleih: Weltkino Filmverleih

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Weltkino Filmverleih

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