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Videospiel-Verfilmungen (VII): Silent Hill – Willkommen in der Hölle: Sharon? Sharon!

17 Okt

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Silent Hill

Von Matthias Holm (Glückwunsch zum 250. Beitrag bei „Die Nacht der lebende Texte“!)

Horror // Verfilmungen von Videospielen gelten im Allgemeinen als nicht sonderlich gute Werke. Beispiele dafür gibt es genug – ganz vorn dabei die Beiträge von Uwe Boll. Dementsprechend muss man nach den Perlen dieses Genres suchen – wir tun das bei „Die Nacht der lebenden Texte“ mit dieser Reihe. Und auch wenn „Silent Hill – Willkommen in der Hölle“ für sich gesehen kein herausragender Film ist, so ist er doch der bisher beste seiner Zunft.

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Rose sucht verzweifelt nach ihrer Tochter

Rose (Radha Mitchell) und ihr Mann Christopher (Sean Bean) sorgen sich um ihre Adoptivtochter Sharon (Jodelle Ferland). Ständig schlafwandelt das Mädchen und redet davon, dass sie zurück nach Silent Hill will. Um diesen Albträumen ein Ende zu bereiten, reist Rose mit Sharon in das entlegene Städchen. Doch nach einem Autounfall ist Sharon verschwunden. Zusammen mit der Polizistin Cybill Bennet (Laurie Holden) macht sich Rose auf die Suche nach ihrer Tochter. Dabei treffen die beiden auf schaurige Monster und einen alten Kult.

Vom Regisseur von „Pakt der Wölfe“

Ursprünglich hatte Regisseur Christophe Gans („Die Schöne und das Biest“, „Pakt der Wölfe“) für seine Verfilmungen der japanischen Spielereihe einen rein weiblichen Cast vorgesehen. Leider konnte Cameron Diaz nicht als Cybill Bennet gewonnen werden, so musste man einen anderen großen Namen verpflichten, um den Film vernünftig vermarkten zu können. Dies ist letzen Endes Sean Bean geworden, dessen Handlungsstrang dem Film einiges an Kraft raubt. Denn während es Rose im von Asche bedeckten Silent Hill mit Monstern zu tun bekommt, darf sich Christopher mit Polizisten und Akten herumärgern. Nicht nur, dass „Silent Hill“ dadurch unnötig in die Länge gezogen wird, auch nimmt dieser Strang der eigentlichen Erzählung einiges vorweg.

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Das sieht unbequem aus

Der Hauptplot, die Suche von Rose nach ihrer Tochter, ist jedoch auch nicht sonderlich originell. Erst in der zweiten Hälfte des Films, wenn der religiöse Kult eine zentrale Rolle einzunehmen begimmt, entwickelt sich eine schöne Dynamik, die den Zuschauer mitreißt. Auch die Dialoge sind manchmal dilettantisch und das ständige Gebrülle nach Sharon nervt irgendwann. Warum also zum Geier schaut man sich diesen Film überhaupt an?

Viel Respekt vor der Videospiel-Vorlage

Ganz einfach: weil Christophe Gans ein Fan der Spiele ist und man dies dem Film in jeder Minute ansieht. Auch wenn sich Gans bei seiner Geschichte munter an insgesamt drei Spielen bedient, zollt er ihnen jederzeit Respekt. Da werden teilweise ganze Kameraeinstellungen aus dem Videospiel übernommen. Das ist so besonders, handelt es sich doch beim Ausgangsmaterial um ein Survival-Horror-Spiel mit festen Kamerawinkeln. So war es unmöglich, um Ecken zu gucken, um eventuelle Gefahren zu erspähen. Dieses Stilmittel benutzt Gans in seiner filmischen „Silent Hill“-Umsetzung immer wieder, sodass eine wirklich unheimliche Atmosphäre entsteht.

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Was findet Christopher heraus?

Dazu kommt der unheilvolle Score. Akira Yamaokas Musik wird immer wieder als eine der großen Stärken der Videospiel-Reihe hervorgehoben, umso sinnvoller ist es, sie auch für den Film zu verwenden. Auch hier bedient sich Christophe Gans immer wieder im reichen Fundus verschiedener Spiele der Reihe, allerdings wirkt dies im Vergleich mit der verqueren Geschichte deutlich sinnvoller und harmonischer. Besonders das Stück „Promise (Reprise)“ wird dem Zuschauer einige Tage in den Ohren hängen bleiben.

Groteske Schauergestalten trumpfen auf

Womit „Silent Hill – Willkommen in der Hölle“ ganz klar auftrumpft, ist seine Optik. Zwar wird hier und da CGI benutzt, was zur heutigen Zeit nicht mehr wirklich hübsch aussieht. Dennoch wurden viele der Monster von echten Artisten gespielt, so etwa der Mann auf der Schultoilette und die berühmt-berüchtigten Krankenschwestern. So entsteht ein sehr unmittelbarer Effekt, wenn sich diese groteskten Kreaturen plötzlich und ruckartig bewegen. Auch das Design hält sich nah an den Spielen – sowohl im grauen Silent Hill als auch in der rostigen, mit Ketten verhangenen anderen Variante der Stadt. Alles an diesem Ort schreit geradezu danach: „Du willst nicht hier sein!“ Da verwundert es, dass die FSK eine 16er-Freigabe gegeben hat – es gibt einige verstörende Bilder und vor allem im Finale fließt nicht wenig Blut.

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Cybill folgt den Anhängern des Kultes

Ja, der Film hat eklatante Schwächen. Und dennoch ist es die beste Videospielverfilmung. Ganz einfach, da sich das Grundmaterial zu Herzen genommen wurde und es sinnvoll in den Film eingeflossen ist. Der Geist der Spiele wurde in fast allen Belangen richtig getroffen, deswegen geht einem Fan auch das Herz auf, wenn er nur die Karte eines Krankenhauses zu sehen braucht und sogleich ein Gebiet aus dem ersten Spiel erkennt. Und auch wenn nicht die erzählerische Brillianz eines „Silent Hill 2“ erreicht und dessen bekanntestes Monster „Pyramid Head“ hier einfach verheizt wird, so läuft der Film immer mal wieder im Player. Denn er ist näher dran an dem, was die Serie groß gemacht hat, als die jüngsten Spiele-Veröffentlichungen der Reihe.

Videospiel-Verfilmungen bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Super Mario Bros. (Fantasy-Abenteuer, USA 1993, geplant)
Alone in the Dark (also doch Uwe Boll! SF-Horror, KAN/D/USA 2005, geplant)
Silent Hill – Willkommen in der Hölle (Horror, KAN/F/JAP 2006)
Hitman – Jeder stirbt alleine (Actionthriller, F/USA 2007)
Prince of Persia – Der Sand der Zeit (Fantasy-Abenteuer, USA 2010, geplant)
Silent Hill – Revelation (Horror, F/KAN 2012, geplant)
FPS – First Person Shooter (Horror-Action, D 2014)
Heavenly Sword (Computertrick-Fantasy-Action, USA 2014)
Dead Rising – Watchtower (Horror-Action, USA 2015)
Hitman – Agent 47 (Actionthriller, USA/D 2015)
Assassin’s Creed (SF-Abenteuer, GB/F/HK/USA 2016)
Dead Rising – Endgame (Horror-Action, USA 2016)
Kingsglaive – Final Fantasy XV (Computertrick-Fantasy-Action, USA/JAP 2016)
Ratchet & Clank (Computertrick-Fantasy-Action, HK/KAN/USA 2016)
Resident Evil – The Final Chapter (Horror-Action, F/D/KAN/AUS 2016)
Warcraft – The Beginning (Fantasy-Action, USA 2016)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sean Bean sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 20. August 2013 als 2-Disc Collector’s Edition Blu-ray und DVD (mit „Silent Hill – Revelation“), 6. September 2007 als Blu-ray, 30. Oktober 2006 als DVD, 6. September 2007 als Blu-ray

Länge: 121 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Silent Hill
KAN/ F/JAP 2006
Regie: Christophe Gans
Drehbuch: Roger Avary
Besetzung: Radha Mitchell, Sean Bean, Laurie Holden, Deborah Kara Unger, Kim Coates, Alice Krige, Jodelle Ferland
Zusatzmaterial: keins
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2016 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2016 Concorde Home Entertainment

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2 Antworten zu “Videospiel-Verfilmungen (VII): Silent Hill – Willkommen in der Hölle: Sharon? Sharon!

  1. bullion

    2016/10/17 at 14:07

    Schade, dass der zweite Teil so mies geworden ist…

     

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