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Desierto – Tödliche Hetzjagd: Verrückte Sams gibt es überall

22 Okt

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Desierto

Von Andreas Eckenfels

Thriller // Nicht nur in Europa, auch in den USA wird derzeit eine hitzige Flüchtlingsdebatte geführt. Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump bekräftigte im dritten TV-Duell seine abstruse Forderung nach dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Demzufolge könnte Jonás Cuaróns zweiter Spielfilm kaum aktueller sein. „Desierto – Tödliche Hetzjagd“ wurde wahrscheinlich auch aus diesem Grund ausgewählt, um 2017 für Mexiko ins Rennen um den Oscar als bester fremdsprachiger Film zu gehen.

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Moises kennt den Weg durch die Wüste

Als der Lastwagen ihrer zwei Schlepper mitten in der Sonora-Wüste liegen bleibt, ist eine Gruppe von 14 Mexikanern gezwungen, zu Fuß die Grenze der Vereinigten Staaten zu überqueren. Einer der illegalen Einwanderer ist Moises (Gael García Bernal). Er ist den beschwerlichen Weg bereits einmal gegangen, wurde jedoch wegen einer Lappalie ausgewiesen. In Oakland will er seinen kleinen Sohn endlich wieder in die Arme schließen. Doch nachdem die Mexikaner den kleinen Stacheldrahtzaun an der Grenze überwunden haben, wartet auf der anderen Seite das Grauen. In der kargen Einöde sitzt der Scharfschütze Sam (Jeffrey Dean Morgan) mit seinem Hund Tracker auf der Lauer. Der selbsternannte Grenzwächter nimmt die Einwanderer ohne Vorwarnung ins Visier und drückt gnadenlos ab. Es beginnt eine blutige Jagd durch die Wüste.

Vom All in die Wüste

Jonás Cuarón kennt sich mit simplen Szenarien bestens aus: Gemeinsam mit seinem berühmten Vater Alfonso arbeitete er am Drehbuch zum Oscar-gekrönten Weltraum-Thriller „Gravity“ (2013) mit. In beiden Filmen geht es um den Kampf ums Überleben: in „Gravity“ in den Weiten des Alls, in „Desierto – Tödliche Hetzjagd“ in der unwirtlichen Wüste, in der die Sonne unbarmherzig brennt.

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Doch im Grenzgebiet lauert Scharfschütze Sam

Spannend und atmosphärisch inszeniert ist die Jagd durch die Wüste allemal. Gleich nach dem Grenzübertritt wird mehr als die Hälfte der Immigranten über den Haufen geschossen. Viele Versteckmöglichkeiten gibt es in den flachen Ebenen nicht. Die Mexikaner können sich zwar vor dem bissigen Tracker auf einige steinige Hügelformationen flüchten, vor Sams Kugeln gibt es aber kaum Schutz. Moises und die restlichen Überlebenden müssen also kreativ werden, um den kaltschnäuzigen Redneck zu überwinden.

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Kaltblütig knallt der Redneck einen Einwanderer nach dem anderen nieder

Er könne sich „die Erfahrung der mexikanischen Migranten nur als Horrorfilm vorstellen”, sagte Cuarón in einem Interview mit dem Radiosender Radio Fórmula. Als politisches Statement taugt „Desierto – Tödliche Hetzjagd“ allerdings nur bedingt. Das Duell zwischen Jäger und Gejagten ist ein reinrassiger und äußerst effektiver Thriller, könnte sich so oder in ähnlicher Form auch in anderen Ecken der Welt abspielen. Die verrückten Sams gibt es eben leider überall. Allerdings: Seine Beweggründe, warum Sam solchen Hass auf die Mexikaner verspürt, werden nicht aufgeklärt. Bis auf Moises und die schwangere Adela (Alondra Hidalgo) erfahren wir auch nicht viel mehr über die anderen Figuren. Wer einen tiefgehenderen Beitrag zum Thema illegaler Migration von Mexiko in die USA sehen will, dem sei der diesjährige Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Soy Nero“ empfohlen, der am 10. November in den deutschen Kinos startet.

Üben für „The Walking Dead“

Cuarón konnte zwei hervorragende Darsteller für den wortkargen Thriller verpflichten. Vater Alfonso arbeitete bereits 2001 in dem Coming-of-Age-Drama „Y tu mamá también – Lust for Life“ mit Gael García Bernal zusammen. Inzwischen ist Bernal einer der gefragtesten mexikanischen Stars, er gewann zuletzt 2016 den Golden Globe als bester Hauptdarsteller für seine Leistung in der Comedy-Serie „Mozart in the Jungle“. Der charismatische und immer gern gesehene Jeffrey Dean Morgan („The Salvation – Spur der Vergeltung“, „Watchmen – Die Wächter“) konnte sich als Fiesling Sam schon mal auf seine nächste Rolle vorbereiten: Seit dem Finale der sechsten „The Walking Dead“-Staffel schmettert er als Bösewicht Negan seinen mit Stacheldraht gespickten Baseballschläger namens Lucille lebenden und untoten Widersachern ins Gesicht.

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Sams treuer Hund Tracker hilft bei der Jagd auf die Migranten

Veröffentlichung: 21. Oktober 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Desierto
MEX/F 2015
Regie: Jonás Cuarón
Drehbuch: Jonás Cuarón, Mateo Garcia
Besetzung: Gael García Bernal, Jeffrey Dean Morgan, Alondra Hidalgo, Diego Cataño, Marco Pérez, Oscar Flores, David Lorenzo
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Trailershow
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Desierto

Ewig kann Moises nicht entkommen

Fotos & Packshot: © 2016 Ascot Elite Home Entertainment

 

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