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Doctor Strange – Marvels LSD-Trip

24 Okt

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Doctor Strange

Kinostart: 27. Oktober 2016

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // Während das Filmuniversum des Comic-Giganten Marvel durch die Serien auf Netflix im Fernsehen einen durchaus realistischen Anstrich bekommt, setzen die Kinofilme im Gegensatz dazu weiter auf überbordenden Bombast. Nun kommt mit „Doctor Strange“ auch noch eine magische Komponente in das eigentlich schon sehr volle Filmkonglomerat.

Ohne Hände kein Chirurg

Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist ein erfolgreicher Chirurg, dem aber nach einem schlimmen Schicksalsschlag seine Arroganz teuer zu stehen kommt: Ein Unfall zerstört die Nerven in seinen Händen, kein Arzt kann oder will ihm helfen. Auch das Verhältnis zu seiner Kollegin Christine Palmer (Rachel McAdams) geht in die Brüche. Doch Stephen hört von der Wunderheilung eines Querschnittsgelähmten – und trifft bei seiner Suche nach einer Erklärung auf die „Uralte“ (Tilda Swinton, im Original: „The Ancient One“). Diese erklärt Stephen, dass es etliche Universen gibt und man aus diesen Energie abzapfen kann, um in unserer Realität Magie zu bewirken. Das fasziniert den Doktor so sehr, dass er bei der Uralten und ihrem Assistenten Mordo (Chiwetel Ejiofor) in Lehre geht. Bald schon wird Stephen seine neuen Fähigkeiten dringend brauchen, denn der finstere Kaecilius (Mads Mikkelsen) hat es darauf abgesehen, die Realitäten zu zerstören.

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Stephen Strange fällt nach seinem Unfall in ein Loch

Die Zaubertricks, die man bereits im Trailer gesehen hat und ein wenig an Christopher Nolans „Inception“ erinnern, sind tatsächlich nur die Spitze des Eisberges. Wenn die Uralte Stephen Strange die Weiten des Multiversums zeigt, kommt man sich vor wie auf einem exzessiven Drogentrip. Wilde Formen und Farben prasseln auf den Zuschauer ein, visuell ist „Dr. Strange“ wohl der bisher beeindruckendste Film des Marvel Cinematic Universe.

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Die Uralte unterrichtet den Arzt

Das ist dann leider auch schon der prägendste Charakterzug des Films. Gerade die Geschichte wirft immer wieder Fragen auf. So weiß man zum Beispiel nicht, wie viel Zeit über die Dauer der Handlung vergeht, was zu einem merkwürdig losgelösten Gefühl führt. Das wird dadurch verstärkt, dass penibel darauf geachtet wurde, den Film eigenständig zu halten. Zwar werden kleine Details wie der Unfall von War Machine in „Civil War” erwähnt, die Verzahnung im großen Marvel-Universum beschränkt sich jedoch auf ein Minimum.

Humor als Problem

Auch erweist sich eine Sache als Problem, die Marvel bisher dem Konkurrenten DC voraus hatte – der Humor. „Dr. Strange“ ist an sich ein ziemlich ernster Film, dazu passt auch die Inszenierungsweise von Horror-Spezialist Scott Derrickson („Erlöse uns von dem Bösen“, „Sinister“). Dadurch wirken allerdings viele der Witze enorm deplatziert. Natürlich gibt es den einen oder anderen guten Gag, doch das wirkt im Gesamtkontext des Films falsch. Auch kann Derrickson seine Stärken nie ganz ausspielen. Außer am atmosphärischen Anfang, bei dem der Marvel-typisch blasse Bösewicht Kaecilius einen Bibliothekar köpft, und den Spezialeffekten hat der Film kein Alleinstellungsmerkmal, welches ihn visuell von den anderen Superhelden-Produktionen abhebt.

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Mordo überwacht die Lehrlinge

Und dann gibt es noch eine Sache, die sich durch den kompletten Film zieht: Die Macher erklären sämtliche Dinge mehrfach. Gerade in der Szene, in der Stephen das Auge von Agamotto und dessen zeitmanipulierenden Fähigkeiten entdeckt, wird dies dem Zuschauer so lange gezeigt, bis auch der letzte geistige Tiefflieger im Kinosaal verstanden hat, wie das Artefakt funktioniert. Auch die wiederholten Einstellungen, in denen die Hände von Doctor Strage gezeigt werden, wirken spätestens nach dem vierten Mal einfach gekünstelt und unnötig.

Spielfreudig: Tilda Swinton und Benedict Cumberbatch

Zum Glück gibt es einen spielfreudigen Cast, zumindest bei den beiden Hauptakteuren. Benedict Cumberbatch hat sichtlich Spaß an dem magischen Brimborium und verleiht seiner Figur vor allem am Ende eine beeindruckende Tiefe. Auch Tilda Swinton spielt ihre Uralte nicht als weise Lehrmeisterin, sondern gibt der Figur einen spitzbübischen Charme. Der Rest der Figuren wirkt leider noch ein wenig unterentwickelt, gerade Rachel McAdams („Spotlight“) hat als Love Interest nicht viel mehr zu tun als präsent zu sein.

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Christine hilft Stephen – selbst wenn der in merkwürdigen Klamotten ankommt

Das Ganze ist natürlich das bekannte Meckern auf hohem Niveau – „Dr. Strange“ ist bei weitem kein schlechter Film. Dennoch passen nach der tollen letzten Einführung eines neuen Helden in „Ant-Man“ zu viele Zahnräder nicht ineinander, sodass ein sehr unrunder Film entsteht. Allerdings wird in einer der obligatorischen Abspannszenen bereits darauf hingewiesen, dass Dr. Strange in einem der nächsten Marvel-Abenteuer mitmischen wird – und diese Kooperation könnte enorm unterhaltsam werden …

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Kaecilius und seine finstere Gang

Benedict Cumberbatch bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Der Hobbit – Smaugs Einöde (2013)
Star Trek – Into Darkness (2013, Kino)
Star Trek – Into Darkness (2013, Heimkino)
12 Years a Slave (2013)
Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere (2014)
The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (2014)
Die Pinguine aus Madagascar (2014)
Black Mass (2015)
Doctor Strange (2016)

Chiwetel Ejiofor bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Tatsächlich … Liebe (2003)
12 Years a Slave (2013)
Der Marsianer – Rettet Mark Watney (2015)
Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit (2015)
Doctor Strange (2016)

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So sieht ein wahrer Zauberer aus

Mads Mikkelsen bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Walhalla Rising (2009)
Michael Kohlhaas (2013)
The Salvation – Spur der Vergeltung (2014)
Men & Chicken (2015)
Doctor Strange (2016)
Star Wars – Rogue One (2016, geplant)

Tilda Swinton bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Only Lovers Left Alive (2013, Kino)
Only Lovers Left Alive (2013, Heimkino)
Snowpiercer (2013, Kino)
Snowpiercer (2013, Heimkino)
The Zero Theorem (2013, Kino)
The Zero Theorem (2013, Heimkino)
A Bigger Splash (2015)
Doctor Strange (2016)
Hail, Caesar! (2016)

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Bloß nicht den Kopf verdrehen lassen

Länge: 115 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Doctor Strange
USA 2016
Regie: Scott Derickson
Drehbuch: Jon Spaihts, Scott Derickson, C. Robert Cargill, nach der Comic-Figur von Steve Ditko
Besetzung: Benedict Cumberbatch, Rachel McAdams, Tilda Swinton, Mads Mikkelsen, Chiwetel Ejiofor, Scott Adkins, Benedict Wong, Benjamin Bratt
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Marvel. All Rights Reserved.

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3 Kommentare

Verfasst von - 2016/10/24 in Film, Kino, Rezensionen

 

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3 Antworten zu “Doctor Strange – Marvels LSD-Trip

  1. FilmkritikenOD

    2016/11/05 at 14:28

    Endlich mal jemend, dessen Meinung ich unterschreiben kann. Die meisten Kritiken sind mir zu überschwänglich positiv geraten. Dabei hat der Film seine von dir angesprochenen Fehler, die man einfach anmerken muss und so einer 9/10 Wertung den Riegel vorschieben. Aber Geschmäcker sind halt individuell, wa.

     
    • Matthias Holm (@MatzeHolm)

      2016/11/05 at 20:38

      Vielen Dank erstmal für die warmen Worte 🙂
      Mit dem Argument „Geschmäcker sind verschieden“ kommt man bei Diskussionen eher selten weit. Was ich häufig lese ist, dass der Film ja eine so tolle Optik hat. Das stimmt, fand ich auch klasse – aber wenn man bei Filmen á la „Transformers“ kritisiert, dass die außer ihrer Optik wenig hinter haben, warum darf man das bei diesem Film nicht? Auch bin ich anscheinend einer der wenigen, die den Humor wirklich problematisch finden. Und außerhalb der Optik fehlt einfach ein Alleinstehungsmerkmal, wie es bei „Ant-Man“ zum Beispiel die großartigen Dialoge und der Schnitt sind, die stark an Edgar Wright angelehnt sind. Es ist bei aller Kritik kein schlechter Film, bei dir scheint er an der Grenze zu 9/10 zu sein, was ja unfassbar großartig ist. Aber er ist eben auch nicht der Überflieger, den irgendwie viele in ihn sehen.

       
      • FilmkritikenOD

        2016/11/06 at 11:01

        Ne ne, die 9/10 bezogen sich auf viele andere Kritiken, die ich mittlerweile gesehen habe.
        Bin kein Freund von diesen Punkebwertungen, weswegen ich bei mir auch darauf verzichte.

        Wenn man den Bösewicht total verschenkt und dann nicht den Humor von Deadpool oder Iron Man 1 bietet, dann würde ich nie auf die Idee kommen, eine Superhelden-Origin-Story so überschwänglich zu bewerten.
        Aber Ant-Man würde ich jetzt bis auf das witzige FInale auch nicht so über den Klee loben. Bin mittlerweile satt von den ewig gleichen Superheldenfilmen und ihrem archetypischen Plot-Aufbau.

        Über „Geschmäcker sind verschieden“ könnte man allein schon Seiten an Diskussionen füllen. Mein Lieblingsbeispiel ist und bleibt die 4/5 Bewertung, die Filmstats Jack&Jill gegeben hat. Bei mir ist der Streifen unter den Flop 5 (von mehr als 1000 FIlmen)

         

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