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31 – A Rob Zombie Film: Von Clowns gejagt

25 Okt

31-plakat

31

Kinostart: 27. Oktober 2016

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // 2012 verstörte Rob Zombie die Fans seiner Filme gleich doppelt: Zum einen war sein Okkult-Schocker „The Lords of Salem“ nicht die Schlachtplatte, die sie sich erhofft hatten – gleichwohl ein sperriges, aber intelligentes Stück Independent-Horror; zum anderen kündigte er an, vorerst keine Horrorfilme mehr drehen zu wollen. Dieses „vorerst“ entpuppte sich als Zeitraum von vier Jahren. Ob Zombie mit „31“ die verstörten Fans versöhnen kann, ist schwer einzuschätzen. Die dünne Story dient letztlich nur als Aufhänger für brutale Jagdszenen, aber das reicht vielen ja.

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Mögen die Spiele beginnen!

„31“ beginnt mit einem ansprechend inszenierten Schwarz-Weiß-Prolog, in der ein gewisser Doom-Head (Richard Brake) in Nahaufnahme ein paar obskure Weisheiten zum Besten gibt. Es ist, als würde er die Zuschauer anreden, die vierte Wand durchbrechen – bis die Kamera umschwenkt und wir den Gefesselten erblicken, der ihm zitternd gegenübersitzt. Ihm gelten Doom-Heads Worte. Will man sich in seinen letzten Momenten ein so wirres Zeug anhören? Nun ja, der Bedauernswerte hat keine Wahl.

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Passend dazu geht es in den Zirkus

Die titelgebende 31 erklärt sich auf zweierlei Weise: „31“ spielt am 31. Oktober des Jahres 1976 – also an Halloween –, obendrein ist „31“ der Titel eines Spiels, welches ein Trio, das sich „Devils“ nennt, mit einigen bedauernswerten Opfern spielt, die zur falschen Zeit am falschen Ort aufgetaucht sind. Die „Devils“, das sind Father Murder (Malcolm McDowell), Sister Serpent (Jane Carr) und Sister Dragon (Judy Geeson), die das Spiel aus sicherer Entfernung beobachten und hohe Wetteinsätze bringen. Sie tragen barocke Kostüme und Perücken, sind weiß geschminkt, lassen sich von nackten Damen mit Masken bedienen – hat sich Rob Zombie da ein wenig von Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“ inspirieren lassen?

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Lasset alle Hoffnung fahren!

Die Opfer, das sind Charly (Sheri Moon Zombie), Roscoe Pepper (Jeff Daniel Phillips) und drei ihrer Freunde, die in ihrem schäbigen Wohnmobil als Jahrmarkts-Hilfskräfte durchs Hinterland ziehen – bis sie gekidnappt werden – ein paar Kollegen gehen dabei gleich drauf. In einem verrottenden Fabrikgebäude müssen sie nun zwölf Stunden ums Überleben kämpfen. Die „Devils“ hetzen nach und nach ein paar allerfeinste Psychopathen in grotesken Clownskostümen auf sie. Da ist beispielsweise der kleinwüchsige Sick-Head (Pancho Moler), ein Nazi mit Hitlerbärtchen und -frisur. Eine Karikatur, keine Frage – aber eine tödliche.

Die Reihen lichten sich

Die Opfer sind allerdings keineswegs wehrlos. Das mag im Sinne von Father Murder und seinen beiden Wettspielpartnerinnen sein, macht es das Spiel doch erst interessant. Und so lichten sich im Lauf der Nacht nicht nur die Reihen der Gejagten. Bei Charly und ihren Leidensgenossen fallen im Kampf ums Überleben bald die Hemmungen.

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Father Murder spielt mit hohem Einsatz

Die Storys von Backwoods-Terrorfilmen sind selten komplex oder überdurchschnittlich intelligent. Sehen wir „31“ das simple Sujet nach. Das brutale Katz-und-Maus-Spiel durch die düstere Industrie-Ruine hat nicht zuletzt dank seines stark an John Carpenter erinnernden Scores seinen Reiz. Die Brutalität des Geschehens ist heftig, dem deutschen Verleih Tiberius Film ist es erst in der Berufung gelungen, die ungeschnittene Fassung mit einer FSK-18-Freigabe in die Kinos zu bringen. Das heißt nicht, dass wir es mit einem Splatter-Spektakel zu tun bekommen. Blut fließt zwar reichlich, Hieb- und Stichwaffen sowie Kettensägen kommen ausgiebig zum Einsatz. Der Regisseur verzichtet aber darauf, die klaffenden Wunden und zertrümmerten Knochen zur Schau zu stellen. Immerhin hat er für die Heimkino-Auswertung bereits eine Unrated-Fassung angekündigt.

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Grotesker Killer: Death-Head (l.)

Ein paar Mal lässt Rob Zombie seine Opfer etwas zu stereotyp agieren. Wenn man sich nicht sicher ist, ob der niedergestreckte Killer auch wirklich tot ist, sollte man das nicht auf sich beruhen lassen. Und immer wieder ungern genommen ist es, wenn sich die Gejagten aus unerfindlichen Gründen mal kurz trennen. Okay, schon klar, dass die Figuren im Überlebenskampf gegen mordgierige Psychopathen ungeübt sind, aber an derlei Verhaltensweisen stören sich mittlerweile viele Horrorfans.

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Überlebenskampf gegen Clowns

Bedauerlich ist, dass sowohl die „Devils“ als auch ihre Jäger ohne echtes Interesse für ihre Hintergrundgeschichte modelliert sind. Father Murder und seine beiden Gefährtinnen sind eben irgendwelche Snobs, die aus Langeweile ein tödliches Spiel ersonnen haben und über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, es zu organisieren. Zwischendurch kommentiert speziell Wortführer Father Murder immer wieder, aber Interesse an seinem Gefasel kommt nicht auf.

Graf Orlok und Analverkehr

Die Jäger in ihrer verschmierten Maskerade – wo kommen sie her? Was hat sie zu dem gemacht, was sie sind? So recht interessiert es nicht. Über Doom-Head erfahren wir etwas mehr, aber viel mehr als ein White-Trash-Hintergrund ist das nicht. In seiner Bude penetriert er gerade den Anus irgendeiner billigen Schnepfe von der Straße, während er gleichzeitig den Stummfilm-Klassiker „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ im Fernsehen schaut. Dann wird er vom Anruf in seinem Tun gestört, der ihm den Auftrag beschert, als einer der Jäger im Spiel „31“ zu agieren. Der hagere Killer trägt bald darauf im „Dienst“ sogar kurz einen taillierten schwarzen Mantel, wodurch seine Statur frappierend an Graf Orlok aus besagtem Stummfilm erinnert – ein schöner kleiner Bogen, den Rob Zombie da schlägt.

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Charly wehrt sich

So richtig ans Herz wachsen uns die Verschleppten nicht, aber man wünscht ihnen doch, dass sie das mörderische Treiben überstehen. Mit dem auch per Crowdfunding finanzierten „31“ verfehlt es Rob Zombie, dem Horrorgenre neue Impulse zu geben. Das ist routiniertes Terrorkino, sicher besser als vieles, was wir in dem Segment vorgesetzt bekommen, aber irgendwie auch nur Hausmannskost ohne nachhaltige Wirkung. „The Lords of Salem“ hat mich mehr beeindruckt.

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Doom-Head greift ein …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Rob Zombie sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Malcolm McDowell in der Rubrik Schauspieler.

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… und nimmt sich Charly vor

Länge: 102 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Originaltitel: 31
USA 2016
Regie: Rob Zombie
Drehbuch: Rob Zombie
Besetzung: Sheri Moon Zombie, Malcolm McDowell, Richard Brake, Jeff Daniel Phillips, Lawrence Hilton-Jacobs, Meg Foster, Kevin Jackson, Pancho Moler, Elizabeth Daily, Torsten Voges, Lew Temple, Jane Carr, Judy Geeson
Verleih: Tiberius Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Filmplakat & Fotos: © 2016 Tiberius Film

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2016/10/25 in Film, Kino, Rezensionen

 

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2 Antworten zu “31 – A Rob Zombie Film: Von Clowns gejagt

  1. Thomas Hortian

    2019/02/02 at 00:10

    Gerade gesehen. Wie befürchtet, fand ich ihn schrecklich. Nach „Lords of Salem“ hatte ich ja die Hoffnung, er könne sich mal für ein paar Filme von dem White Trash loseisen. Scheint ja nicht so zu sein. Ich habe aber leise Hoffnung, dass „Three From Hell“ wieder etwas besser wird, auch wenn ich kaum glaube, dass er an die Qualität von „The Devil’s Rejects“ anknüpfen kann.

     
    • V. Beautifulmountain

      2019/02/02 at 10:01

      „Lords of Salem“ ist mein Rob-Zombie-Favorit. Über den White-Trash-Aspekt hatte ich noch gar nicht nachgedacht, aber du hast damit recht.

       

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