RSS

Dracula in Pakistan – Auch der Mittlere Osten hat seine Vampire

30 Okt

dracula_in_pakistan-packshot

Zinda Laash

Von Volker Schönenberger

Horror // Alle Sterblichen müssen irgendwann den Tod kosten. Über Leben und Tod herrscht niemand außer Allah. Niemand auf der Welt, ob in guter oder böser Absicht, kann Allah diese Macht auf irgendeine Weise streitig machen. Dieser Film erzählt die Geschichte eines Professors, der mit den besten Absichten versuchte, den Tod wissenschaftlich zu besiegen. So erfahren wir es zu Beginn von einer Stimme aus dem Off bzw. den deutschen Untertiteln, denn „Dracula in Pakistan“ ist nie synchronisiert worden, auf der deutschen DVD befindet sich nur die Original-Tonspur in Urdu (sofern ich die Sprache überhaupt korrekt identifiziert habe).

dracula_in_pakistan-1

Professor Tabani wähnt sich am Ziel seiner Forschung

Der Wissenschaftler, der mit den besten Absichten den Tod besiegen wollte, das ist Professor Tabani (Rehan). In der ersten Szene hantiert er mit seinen Apparaturen und Gebräuen, ist dann überzeugt, das Elixier des Lebens gefunden zu haben – und wagt den Selbstversuch. Mit fatalen Folgen: Seine Assistentin (Nasreen) findet ihn anderntags leblos in seinem Wohnzimmer. Sie bettet den Toten in der Krypta des Hauses. Es geschieht das Unvermeidliche: Tabani erwacht des Nachts wieder zum Leben und beißt zu … Bald darauf besucht ihn Dr. Aqil Sahab (Asad Bukhari), der zwar gehört hatte, in der Gegend und besonders in Tabanis Haus würden böse Geister umgehen, sich aber dennoch arglos zeigt. Der zum Vampir mutierte Professor heißt seinen Gast herzlich willkommen.

Tanzen und Singen

Ein paar Mal verursacht unfreiwillige Komik ein Schmunzeln, etwa wenn sich die vampirisierte Assistentin des Professors mit einem sonderbaren Tänzchen an den Hausgast heranmacht, sogar lasziv auf dem Tisch räkelt. Dr. Sahab wirkt etwas befremdet – wie auch wir westlichen Zuschauer –, verschränkt die Arme und lässt das über sich ergehen. Es wird nicht die einzige musikalische Einlage bleiben: Im weiteren Verlauf wird nach Herzenslust und ohne Zusammenhang geträllert, die Nähe zu Bollywood ist unverkennbar. Diesen leichtfüßigen Schlagern gegenüber steht ein durchaus dramatischer Score, der die Spannung betont.

dracula_in_pakistan-4

Doch er mutiert zum blutrünstigen Vampir

Im weiteren Gegenzug zur musikalischen Ausgelassenheit dieser albernen Lieder gibt es einige schöne Reminiszenzen, die belegen, dass die Filmemacher Bram Stokers Roman gelesen haben. So zeigt sich Professor Tabani sehr am Foto von Dr. Sahabs Verlobter Shabnam (Deeba Begum) interessiert, das sein Gast dabei hat. Die oben erwähnte Tanzeinlage endet zudem damit, dass Tabani hereinstürmt und so gerade eben verhindert, dass seine Assistentin über Sahab herfällt. Schließlich ist er selbst scharf auf dessen Blut, seiner vampirischen Untergebenen bleibt als Opfer ein Baby, das er ihr mitgebracht hat – etwas billig als Puppe identifizierbar.

Frauen und Blutsauger im Visier muslimischer Zensoren

Nachdem ein wackliger und schiefer Anfangs-Schriftzug Übles befürchten ließ, erweist sich das Schwarz-Weiß-Bild des lange als verschollen gegoltenen Films als überraschend gut restauriert. Ein interessantes englischsprachiges Featurette über den indischen und pakistanischen Horrorfilm und Interviews mit einigen an „Dracula in Pakistan“ Beteiligten runden die gelungene deutsche DVD ab. Den Status des Films im Mittleren Osten vermag ich nicht zu beurteilen, der von Bram Stoker geschaffene transsylvanische Vampirmythos westlicher Prägung dürfte in den 60er-Jahren in Pakistan wenig bekannt gewesen sein. Wie die Handlung und insbesondere die sich vergleichsweise freizügig gebärdenden Frauen auf die muslimischen Moralhüter des Landes gewirkt haben mögen, ist unschwer zu erraten – begeistert werden sie wohl kaum gewesen sein. Die Trivia der Internet Movie Database offenbaren, dass „Dracula in Pakistan“ seinerzeit im Heimatland beinahe verboten worden wäre und die Tanzszenen allesamt entfernt werden mussten.

In unseren Kreisen wirkt „Zinda Laash“, so der Originaltitel, eher als Kuriosum und exotische Randnotiz. Das ist in einigen Sequenzen immerhin ebenso gruselig wie in vielen westlichen Produktionen jener Zeit. Regisseur Khwaja Sarfraz hatte womöglich sogar mal einen Vampirfilm der britischen Hammer-Studios gesehen. Auf deren Niveau bewegt sich „Dracula in Pakistan“ nicht, unterhaltsam genug ist das Werk aber allemal – und aus filmhistorischer Perspektive unbedingt sehenswert.

Veröffentlichung: 15. Februar 2008 als DVD

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Urdu
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Zinda Laash
Internationaler Titel: The Living Corpse
PAK 1967
Regie: Khwaja Sarfraz
Drehbuch: Naseem Rizwani, frei nach Bram Stokers Vorlage
Besetzung: Yasmeen Shaukat, Rehan, Deeba Begum, Habibur Rehman, Asad Bukhari, Allauddin, Nsreen, Sheela, Cham Cham
Zusatzmaterial: Featurette „South Asian Horror“ (24:26), Interviews (12:37), Kinotrailer
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos: © 2008 Al!ve AG

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: