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Night Fare – Bezahl mit deinem Leben: Taxifahrer prellt man nicht!

07 Nov

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Night Fare

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Vor zwei Jahren haben Chris (Jonathan Howard) und sein Kumpel Luc (Jonathan Demurger) in Paris ziemlich Mist gebaut. Eine beträchtliche Schuld haben die beiden damals auf sich geladen, wie wir später erfahren. Chris ließ daraufhin seine Freundin Ludivine (Fanny Valette) zurück und flüchtete Hals über Kopf nach England. Nun ist er zurück und stellt ernüchtert fest, dass Ludivine nicht auf ihn gewartet hat – sie und der großspurige Luc sind ein Paar geworden. Eine ausufernde Party verlässt Chris, Luc folgt ihm. Trotz ihrer Differenzen stromern sie durchs nächtliche Paris, besteigen ein Taxi.

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Wo dieses Taxi auftaucht, geht etwas Außergewöhnliches vor

Ein Schild im Wagen könnte ihnen zu denken geben: Jede Frist wird irgendwann fällig, jede Schuld wird irgendwann bezahlt … Stattdessen prellt Luc den Fahrer (Jess Liaudin) um sein Geld, nötigt Chris dazu, mit ihm Reißaus zu nehmen. Ein Fehler – der Fahrer nimmt ihre Witterung auf und eröffnet die Jagd. Und er erweist sich als geübter Jäger …

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Chris (l.) und Luc müssen Vergangenes bewältigen …

Enorm stylish ist das geraten, was der französische Drehbuchautor und Regisseur Julien Seri („Scorpion“, 2007) uns da vorsetzt. Mit pulsierendem Elektro-Score untermalt er Hochglanz-Bilder einer tödlichen Hatz, die keine Gefangenen macht und in heftige Gewaltspitzen mündet. Die FSK-18-Freigabe ist berechtigt, immerhin ist der Film ungeschnitten freigegeben worden.

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… und enorm auf der Hut sein

Zu Beginn der Jagd wirkt es etwas gewollt, wenn das Taxi immer wieder dort auftaucht, wo auch Chris und Luc sind, sind sie zu Fuß doch weitaus beweglicher und eigentlich gut in der Lage unterzutauchen. In ein paar Momenten erinnert „Night Fare“ an Steven Spielbergs 1971er-Regiedebüt „Duell“. Die anfangs recht simpel wirkende Tour de Force durch Paris schlägt aber bald ein paar Haken. Ein Jagdfilm wie dieser steht und fällt natürlich mit der Figur des Jägers, und dieser Jäger ist eine starke Figur, die „Night Fare – Bezahl mit deinem Leben“ in die Nähe des Slasherfilms rückt. Ein bulliger Kerl, Konfektionsgröße Kleiderschrank, muskelbepackt und tätowiert, dessen Gesicht lange Zeit im Dunkeln bleibt und der im Film kaum ein Wort sagt – eine Nemesis der brutalen Art. So gnadenlos er ist, folgt er doch seiner ganz eigenen Moral. Noch bevor Chris und Luc zu ihm einsteigen, verdeutlicht gleich sein erstes Auftauchen im Film, dass er kein gewöhnlicher Taxifahrer ist.

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Der Fahrer hat Luc geschnappt …

Das Finale inklusive einer etwas kruden Auflösung hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. An sich stellt es eine konsequente Fortführung des Handelns des Taxifahrers dar: Julien Seri lässt ihn als Stimme aus dem Off Aufzeichnungen verlesen, die sich ein anderer gerade durchliest und die einen Bogen bis ins Jahr 1544 schlagen. Das ist mit ein paar animierten Sequenzen formal interessant inszeniert, dennoch wäre es vielleicht die bessere Entscheidung gewesen, da mehr im Dunkeln zu lassen. Seri erschafft zwar eine eigene Mythologie, dafür entmystifiziert er seinen Antagonisten. So wie das Gesicht des Taxifahrers schließlich ans Licht kommt, so kommen auch seine Beweggründe ans Licht. Viele Filmgucker mögen es ja nicht, wenn zu viele Fragen offen bleiben, wenn zu wenig erklärt wird. Bei denen wird das Finale für Befriedigung sorgen. Aber wenn eine Figur über weite Strecken der Handlung mysteriös wirkt, ist es oft die richtige Entscheidung, ihr etwas von diesem Mysterium zu lassen. Vielleicht wird anhand dieses Absatzes deutlich, wie schwer mir die Einordnung des Finales fällt. Wie das in diesem Fall zu bewerten ist, entscheide jeder Konsument des Films für sich selbst. Ob das Ende einem gefällt oder nicht – „Night Fare – Bezahl mit deinem Leben“ wird völlig zu Recht seine Fans finden. Habt Ihr Thriller- und Horror-Empfehlungen aus Frankreich?

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… lässt die beiden aber vorerst entkommen

Veröffentlichung: 10. November als Blu-ray 3D, Blu-ray und DVD

Länge: 81 Min. (Blu-ray), 78 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Night Fare
F 2015
Regie: Julien Seri
Drehbuch: Cyril Ferment, Julien Seri
Besetzung: Jonathan Howard, Jonathan Demurger, Fanny Valette, Jean-François Lenogue, Jess Liaudin, Edouard Montoute, Zakariya Gouram, Alix Bénézech
Zusatzmaterial: Making-of (14:11), Die Hintergründe erläutert (8:36), Paris-Premiere inkl. Interview mit Mathieu Kassovitz (6:10), Die Ulules (2:30) deutscher und englischer Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Tiberius Film

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16 Antworten zu “Night Fare – Bezahl mit deinem Leben: Taxifahrer prellt man nicht!

  1. Andreas Wesp

    2016/12/04 at 14:18

    Die üblichen Verdächtigen:
    Martyrs
    Frontier(s)
    Inside
    High Tension
    Irreversibel
    Menschenfeind

     
  2. Jan

    2016/12/02 at 23:41

    Alt aber gut: „Das Auge“ mit Isabell Adjani *schmacht*

     
  3. Kai Backes

    2016/12/02 at 13:12

    Auch meinerseits: Die purpurnen Flüsse

     
  4. Andrea Braun

    2016/11/30 at 00:58

    „Die purpurnen Flüsse“ ist mein Tipp!

     
  5. Sindy

    2016/11/28 at 17:39

    Meine Empfehlung ist der Film „Martyrs“.

     
  6. lacyleech

    2016/11/27 at 18:36

    Ein mörderischer Sommer, Das Auge, Leon-der Profi, Nikita, High Tension, Die purpurnen Flüsse

     
  7. Claudia benz

    2016/11/27 at 10:54

    Top Film wie Inside

     
  8. Oliver Szyperski

    2016/11/27 at 10:39

    Also da sind nun mal die üblichen Verdächtigen die hier auch schon mehrfach genannt wurden wie:
    „High Tension, Frontiers, Inside, Martyrs, Die Purpurnen Flüsse & Dead End“.

    Jeder Film ein Meisterwerk für sich, auch wenn die Meinungen da sehr auseinander gehen. Deine Rezession war klasse geschrieben, super zu lesen. Und sehr informativ. Vielen Dank dafur8😉

     
  9. Andres

    2016/11/26 at 07:39

    Am Besten fand ich frontier(s) und inside.

     
  10. Dirk

    2016/11/25 at 19:58

    Was sollte man da noch schreiben? Die werte Kollegenschaft hat das Beste schon aufgezählt. 🙂

     
  11. Ingo Maaßen

    2016/11/25 at 18:35

    Also ich mag ja vor allem die älteren französischen Beiträge im Horror- & Thriller-Genre.

    Allen voran „Augen ohne Gesicht“ von Georges Franju, indem ein Vater seiner Tochter eines neues Gesicht transplantieren will, damit sie wieder ein normales Leben führen kann.

    Unvergessen bleibt mir auch „Das Biest muss sterben“ von Claude Chabrol, wo es um einen Vater geht, der den Autounfall-Tod seines Sohnes aufklären will.

    Ebenso „Lohn der Angst“ von Henri-Georges Clouzot mit Yves Montand, in dem eine explosive Ladung von A nach B transportiert werden muss, wird mir ewig in Erinnerung bleiben!

     
  12. Mike Hennig

    2016/11/25 at 10:44

    Für alle, die ihn noch nicht kennen…..High Tension wäre eine weitere Horrorempfehlung aus Frankreich. Selten war ein Film intensiver, und selten hat ein Twist am Ende den Zuschauer mehr überrascht.

     
  13. Marcel Michaelsen

    2016/11/25 at 09:32

    Ich hab ja leider die allseits beliebten Kandidaten wie „Martyrs“, „Frontiers“ und „High Tension“ noch nicht gesehen. Deshalb ist mir da nur „Die purpurnen Flüsse“ eingefallen. Der geht ja zumindest in die Richtung.

     
  14. Gleske Daniel

    2016/11/25 at 09:29

    Bis auf die üblichen Verdächtigen wie:
    Martyrs, Inside, High Tension, Menschenfeind oder Irreversibel fällt mir gerade nichts ein.

     
  15. Dirk Busch

    2016/11/25 at 09:16

    Horsehead & „Wer,das Biest in dir“ fallen mir am frühen morgen,während des ersten Kaffee,so auf Anhieb ein.

     
  16. Michael Behr

    2016/11/25 at 08:53

    Sollte es hier wirklich noch jemanden geben, der „Martyrs“ nicht gesehen hat …

     

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