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Duell am Missouri – Zwei Schauspiel-Giganten im gefloppten Spätwestern

10 Nov

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The Missouri Breaks

Von Volker Schönenberger

Western // Mit seinem Gangsterdrama „Bonnie & Clyde“ setzte Arthur Penn 1967 eine der ersten Duftmarken des New Hollywood. 1958 hatte er mit „Einer muss dran glauben“ mit Paul Newman noch einen klassisch anmutenden Western gedreht, 1970 dann aber mit „Little Big Man“ mit Dustin Hoffman das Genre auf eine neue Stufe geführt. Sein Spätwestern „Duell am Missouri“ (1976) allerdings fiel bei Publikum wie Kritikern durch, obwohl er mit Jack Nicholson und Marlon Brando zwei Stars der A-Liga an Bord hatte. Ein Grund dafür mag Brandos überkandidelte Auslegung seiner Rolle gewesen sein. Der von ihm verkörperte Kopfgeldjäger Robert E. Lee Clayton trägt sonderbare Klamotten und Parfüms, spricht mit irischem Akzent, gibt exzentrische Weisheiten zum Besten und sich samt Fernglas und Lehrbuch als Vogelkundler aus. Regisseur Penn ließ Brando offenbar an der langen Leine und nach Herzenslust improvisieren. In Nebenrollen sind Randy Quaid („Das letzte Kommando“) und Harry Dean Stanton („Paris, Texas“) zu sehen.

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Tom Logan (r.) heckt einen Plan aus

Der reiche Rancher David Braxton (John McLiam) lässt in Montana einen Pferdedieb hängen, der zur Bande von Tom Logan (Nicholson) gehört. Die Ganoven revanchieren sich, indem sie Braxtons Vorarbeiter am selben Baum aufknüpfen, an dem ihr Kumpan starb. Gleichzeitig kauft Logan in der Nähe von Braxtons Anwesen eine kleine Farm. Sein Plan: Er will den Rancher in den Ruin treiben. Das hindert ihn allerdings nicht daran, mit Braxtons aparter Tochter Jane (Kathleen Lloyd) romantische Bande zu knüpfen. Ihr Vater hingegen heuert den Regulator Clayton (Brando) an, um mit den Gaunern kurzen Prozess zu machen. Die Eskalation der Gewalt ist damit unausweichlich.

Ein Western des New Hollywood

„Duell am Missouri“ setzt stark auf Dialoge und eine sorgfältige Ausformung der Figuren, deren Psychologie und Motive überzeugen. Ein Outlaw als Protagonist und Hauptfigur, der sogar sympathisch gezeichnet wird, auf der anderen Seite ein selbstherrlicher Rancher und ein durchgeknallter Kopfgeldjäger – diese Pole sind New Hollywood in Reinkultur. Über Brandos Interpretation seiner Rolle mag man schmunzeln, aber gerade in einem mit vielen Stereotypen arbeitenden Genre wie dem Western ist ein solch überdrehter Antagonist eine willkommene Abwechslung, auch wenn sie der zeitgenössischen Filmgemeinde gar zu überdreht gewesen war. Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger bezeichnet „Duell am Missouri“ im sehr lesenswerten Booklet-Text des Mediabooks gar als groteske Dekonstruktion eines einst aufrechten amerikanischen Genres. Das erscheint nicht zu hoch gegriffen.

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Zwischen Jane und Tom bahnt sich etwas an

Die Gewalt ist gar nicht mal allgegenwärtig, aber Clayton ist unerbittlich und mit seiner Sharps Rifle vom Typ Creedmoor auch auf lange Distanz zielsicher. Als Kontrast dazu hat „Duell am Missouri“ auch Humor zu bieten: Wenn Tom Logan früh im Film einen Zug ausraubt, dafür den Wagen mit der Geldkiste vom Rest abkoppelt, nicht merkt, dass er auf einer Brücke zum Stehen kommt und beim Aussteigen beinahe zu Tode stürzt, hat das sogar ein wenig Slapstick-Charakter. Der schlägt allerdings schnell um.

Die Missouri Breaks von Montana

Der Originaltitel „Missouri Breaks“ bezieht sich auf die Steilhänge des Missouri River. Diese Landschaftsformation im Hochland von Montana ist als Upper Missouri River Breaks National Monument mittlerweile ein Naturschutzgebiet. Und so hat „Missouri Breaks“ dann auch ein paar feine Landschaftsbilder vorzuweisen, die an sich jeden Westernfan zufriedenstellen müssten. Einen Status als großer Klassiker des Spätwesterns wird „Duell am Missouri“ wohl dennoch nicht mehr erlangen, aber gegenüber seiner Entstehungszeit ist der Film heutzutage rehabilitiert. Leicht macht er es dem Zuschauer nicht, ist eigenwillig, ja störrisch, nicht zuletzt dank Brando. Diese fremdartige Genre-Auslegung mag Freunden klassischer Western damals übel aufgestoßen sein, heute genießen wir sie als willkommene Abwechslung. Ein hochinteressantes Werk des 2010 im Alter von 88 Jahren gestorbenen Arthur Penn. Schön, dass es nun in Deutschland in guter Qualität auch als Blu-ray lieferbar ist, und das sogar im ansprechenden Mediabook der Reihe „FilmConfect Essentials“ inklusive eines Nachdrucks des Filmplakats.

Veröffentlichung: 11. November 2016 als Blu-ray im Mediabook, 30. Oktober 2006 als DVD

Länge: 126 Min. (Blu-ray), 121 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Missouri Breaks
USA 1976
Regie: Arthur Penn
Drehbuch: Thomas McGuane
Besetzung: Marlon Brando, Jack Nicholson, Randy Quaid, Kathleen Lloyd, John McLiam, Frederic Forrest, Harry Dean Stanton, John P. Ryan, Steve Franken, Richard Bradford
Zusatzmaterial Blu-ray: Filmplakat, Booklet
Vertrieb Blu-ray: FilmConfect Home Entertainment
Vertrieb: DVD: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshot Blu-ray: © 2016 FilmConfect Home Entertainment
Packshot DVD: © 2006 Twentieth Century Fox Home Entertainment

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