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Stolz und Vorurteil & Zombies – Im Reifrock auf Untotenjagd

13 Nov

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Pride and Prejudice and Zombies

Von Andreas Eckenfels

Horror-Actionkomödie // Noch bevor 2010 die TV-Serie „The Walking Dead“ einen regelrechten Zombieboom auslösen sollte, stürmte ein Jahr zuvor ein Roman die Bestsellerlisten, dessen Titelzusatz ein kleines Stirnrunzeln verursachte. Dem Jane-Austen-Klassiker „Stolz und Vorurteil“ fügte Autor Seth Grahame-Smith ein „und Zombies“ hinzu. Dazu schmückte ein Zombiemädchen im feinen, aber blutigen Zwirn das Buchcover. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Filmstudio – in diesem Fall Lionsgate – die Rechte an dem Überraschungshit sicherte.

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Die Waffen der Frauen

Doch das Projekt stand unter keinem guten Stern, obwohl es vielversprechend begann: Im Dezember 2009 wurde bekannt gegeben, Natalie Portman („Jane Got a Gun“) werde die Hauptrolle übernehmen. Für die Inszenierung war „I Heart-Huckabees“-Regisseur David O. Russell („American Hustle“) vorgesehen. Aber kurze Zeit später verabschiedeten sich beide von der Romanadaption; immerhin blieb Portman dem Film als Produzentin erhalten. Mit Mike White und Craig Gillespie sagten im Jahr 2011 zwei weitere Regisseure kurzfristig ab.

Mit Schmeißfliegen auf Zombiejagd

Erst 2013 sollte Burr Steers („Igby“) endgültig den Regie-Posten übernehmen, dazu überarbeitete er auch das Drehbuch. Doch nicht Lily Collins, wie es damals hieß, sondern Lily James („Cinderella“) durfte schließlich die Rolle der so schlagkräftigen wie spitzzüngigen Elizabeth Bennet spielen, die sich nach etlichen Irrungen und Wirrungen in den hochmütigen Mr. Darcy (Sam Riley) verliebt. Mehr zum Inhalt findet Ihr in Iris‘ Kritik zum Kinostart.

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Die Bennet-Schwestern erhielten in einem chinesischen Shaolinkloster ihre Kampfausbildung

Zu Beginn wirkt „Stolz und Vorurteil & Zombies“ noch äußerst frisch und verspielt. Wie wir erfahren, ist das England des 19. Jahrhunderts von einer Zombie-Epidemie heimgesucht worden. Im wunderbaren Prolog stört Mr. Darcy in einem edlen Anwesen eine Kartenrunde und setzt drei Schmeißfliegen in den Raum aus. Der Grund dafür: Ein Untoter treibt sich unter der Gesellschaft herum. Die Fliegen sollen ihn ausfindig machen. Dessen endgültiger Tod wird aus der Egoperspektive gezeigt.

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Mr. Darcy hat ein Auge auf…

Auch herrlich anzusehen ist, wie die fünf hochzeitsfähigen Bennet-Töchter statt Hausarbeit zu verrichten ihre Waffen reinigen und diese für den anstehenden Ball in ihren Reifröcken verstecken, um sich für eine mögliche Untoten-Attacke fachmännisch verteidigen zu können, wie sie es im Shaolinkloster gelernt haben. Doch nachdem einer alternden Zombiedame, die Elizabeth seltsamerweise etwas Wichtiges mitteilen wollte, der Kopf von Mr. Darcy weggeschossen wird, verliert die ganze Mischung nach und nach ihren Reiz. Auf einmal ist die anfänglich sprudelnde Kreativität wie weggewischt.

Bestechechende Besetzung

Am spielfreudigen Cast liegt das nicht. Der stoische Sam Riley kommt zwar bei Weitem nicht an die Klasse von Colin Firth in der legendären BBC-Miniserie des Austen-Stoffes aus dem Jahr 1995 heran, aber seine Rede- und Schwertduelle mit Lily James sind durchaus unterhaltsam. Lena Headey („Game of Thrones“) als einäugige Lady Catherine de Bourgh hätte man etwas mehr Leinwandzeit gewünscht. „Doctor Who“-Star Matt Smith stiehlt allerdings als Mr. Collins allen die Show.

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… Elizabeth geworfen

Ein weiterer Grund, warum es mit der Adaption von „Stolz und Vorurteil & Zombies“ etwas länger gedauert hat, war, dass zuvor das Einspielergebnis eines anderen ungewöhnlichen Mash-up-Films hinter den Erwartungen zurückblieb: „Cowboys & Aliens“ (2011). Andernfalls hätte Steers Werk vielleicht ein höheres Budget als 28 Millionen US-Dollar erhalten und mehr Geld in die Effektarbeit und das Produktionsdesign gelegt, sodass nicht alles ganz so generisch computergeneriert ausgesehen hätte.

Halbgares Vergnügen

Vielleicht lag es an den oben genannten Umständen, dass aus dem verrückten Genre-Mix nur ein halbgares Vergnügen wurde. Weder Fans der Vorlage noch Horrorfreunde dürften mit der Verfilmung zufriedengestellt werden. Zwar hält sich der Inhalt eng an den Austin-Klassiker, spritzige Dialoge findet man aber nur vereinzelt, und romantisch ist das ganze Treiben überhaupt nicht. Gleichzeitig ereignen sich die Zombietode mehrheitlich nur im Off – wenigstens sind diese meist mit einem matschigen Ton unterlegt.

Ein ganz so großes Ärgernis wie etwa der ebenfalls nach einer Vorlage von Grahame-Smith entstandene „Abraham Lincoln Vampirjäger“ (2012) ist „Stolz und Vorurteil & Zombies“ auf keinen Fall. Aber nach dem gelungenen Auftakt und mit solch einer starken Besetzung wäre wesentlich mehr drin gewesen.

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Doch zuerst muss der Zombieplage Einhalt geboten werden

Veröffentlichung: 28. Oktober 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 108 Min. (Blu-ray), 104 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Pride and Prejudice and Zombies
USA/GB 2016
Regie: Burr Steers
Drehbuch: Burr Steers, nach dem Roman von Seth Grahame-Smith und Motiven von Jane Austen
Besetzung: Lily James, Sam Riley, Douglas Booth, Bella Heathcote, Jack Hudson, Lena Headey, Matt Smith, Charles Dance
Zusatzmaterial: Entfallene Szenen, Featurettes, Interviews mit Cast & Crew
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos, Trailer & Packshot: © 2016 Universum Film

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2 Antworten zu “Stolz und Vorurteil & Zombies – Im Reifrock auf Untotenjagd

  1. FilmkritikenOD

    2016/11/13 at 16:05

    Habe schon lange keinen guten Zombie-Film mehr gesehen. Ich glaube das Genre hat sich langsam totgelaufen.
    Wenn man sich diese Liste auf WIkipedia mal näher anschaut (https://de.wikipedia.org/wiki/Zombiefilm), dann wird schnell klar, dass der Großteil einfach Müll ist.

     
  2. Filmschrott

    2016/11/13 at 15:52

    Mein absolutes Lowlight dieses Jahr. Hab mich im Kino noch nie so gelangweilt. Ich frage mich auch immer noch, wer die Zielgruppe von dem Teil sein soll. Jane Austen Fans nicht, denn dafür kommt die Romantik zu kurz. Zombiefans auch nicht, denn daür kommt die Zombieaction zu kurz. Actionfans nicht, Horrorfans nicht, Comedyfans nicht. Das Teil ist einfach überflüssig.

     

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