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Radio Heimat – Damals war auch scheiße! Bewegte Jugend im Kohlenpott

15 Nov

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Radio Heimat

Kinostart: 17. November 2016

Von Iris Janke

Komödie // Zwischen Partykeller und Schrebergarten, zwischen Freibad und Omas Frikadellen – die Freunde Frank (David Hugo Schmitz), Pommes (Jan Bülow), Spüli (Hauke Petersen) und Mücke (Maximilian Mundt) genießen 1983 in Bochum ihre Jugend.

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Im Pott auf der Suche nach der großen Liebe: Pommes, Mücke, Spüli, und Frank (v. l.)

Doch schon bald reichen Fußball, Labern und Rumsitzen auf Industriebrachen nicht mehr zum vollkommenen jugendlichen Glück. Alle Vier stecken plötzlich mitten in der Pubertät und das gewisse Etwas fehlt: Mädchen. Nur wie kommt man überhaupt an eine Frau ran? Gelegenheiten gibt es schon: in der Schule, auf der Klassenfahrt – oder vielleicht eine Band gründen … Dummerweise sind die vier Jungs ohne jeden Plan. Der 16-jährige Ich-Erzähler Frank hat sich immerhin schon ein spezielles Mädchen ausgeguckt: Carola Rösler (Milena Tscharntke) – ausgerechnet das hübscheste Mädchen der ganzen Schule. Doch sämtliche Annäherungsversuche verlaufen im Sande: Die Schöne will nichts von Frank wissen.

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Anbandeln beim Tanzkurs in den 60ern: Franks Eltern

Mit Charme, Leichtigkeit und Nostalgie erzählt der Dortmunder Drehbuchautor, Regisseur und Kabarettist Matthias Kutschmann in seinem Kino-Debüt von der Jugend eines echten Ruhrgebietskindes der 80er-Jahre. Die unverbrauchten Jung-Darsteller sind dabei das i-Tüpfelchen. „Radio Heimat“ basiert auf den gleichnamigen Kurzgeschichten des Bochumer Kult-Autors Frank Goosen. Kutschmann verbindet Goosens Kurzgeschichten aus „Radio Heimat: Geschichten von Zuhause“ und Goosens Buch „Mein Ich und sein Leben“ zu einem Drehbuch und formt aus daraus eine unterhaltsame Coming-of-Age-Geschichte mit rotem Faden: die Suche von vier pubertierenden Jungs nach der ersten Liebe.

Erfahrung mit dem Ruhrgebiet

Jede Menge filmische Ruhrgebietserfahrung bringt auch das Produzenten-Team von Kutschmann mit: Christian Becker, Adolf Winkelmann und Peter Thorwarth zeichneten schon für Kino-Erfolge wie „Die Abfahrer“, „Jede Menge Kohle“, „Nordkurve“, „Bang Boom Bang“, und „Was nicht passt, wird passend gemacht“ verantwortlich.

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Große Pütt-Liebe: Onkel Josef und Tante Henni

Äußerst unterhaltsam beantwortet der Film die Frage der Teenager nach der Jugend ihrer Väter im Pott in den 60ern. „Wie haben es meine Eltern eigentlich geschafft, sich zu verlieben?“ Als sich Franks Eltern trafen, stand die ganze Jugend noch auf Cha-Cha-Cha. In der Rolle der Elterngeneration begegnen dem Zuschauer viele Ruhrgebiets-Originale wie Peter Lohmeyer (Pommes‘ Vater), Ingo Naujoks, Elke Heidenreich (Tante Henni), Ralf Richter (Onkel Josef), Heinz Hönig (Wirt Siggi) und Martin Semmelrogge (Kumpel und Kneipenfreund von Pommes‘ Vater). Passend dazu drehen 80er-Jahre-Songs wie der „Fehlfarben“-Hit „Ein Jahr (Es geht voran)“ (1982) die Zeit um 30 Jahre zurück.

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Zarte Bande in der Disco: Pommes wird zum Frauenversteher

Ja, Kutschmanns Film ist ein Debüt mit Ecken und Kanten. Sein Film hätte leicht in die Klischeeecke oder in die mit aufgesetztem Ruhrgbietsklamauk à la Atze Schröder abdriften können – ist er aber nicht. Mit viel Gespür gelingt es Kutschmann, feine humorige Akzente zu setzen. Er vermeidet es zudem, dass aus seiner Hommage an die Jugend im Ruhrgebiet der 80er-Jahre eine zusammengewürfelte Collage aus verwackelten Farbfotos wird. Kutschmanns Foto-Album ist äußert lebendig, bewegend und sehr unterhaltsam, selbst wenn man kein echtes Ruhrgebietskind ist, sondern nur ein zugereistes. Sein charmanter Mix aus Zechen, Fußball und Currywurst, den 1984 schon Herbert Grönemeyer mit „Bochum“ besang, berührt.

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Heiß begehrter Freibadschwarm aller Jung-Männer: Carola

Länge: 85 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Radio Heimat
D 2016
Regie: Matthias Kutschmann
Drehbuch: Matthias Kutschmann, nach einem Roman von Frank Goosen
Besetzung: Marie Bloching, Sandra Borgmann, Manfred Breuckmann, Jan Bülow, Martina Eitner-Acheampong, Rouven David Israel, Filip Januchowski, Stephan Kampwirth, Peter Lohmeyer, Jochen Nickel, Ralf Richter, Elke Heidenreich, Anja Kruse, Heinz Hoenig
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

Copyright 2016 by Iris Janke

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Concorde Filmverleih GmbH

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2016/11/15 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “Radio Heimat – Damals war auch scheiße! Bewegte Jugend im Kohlenpott

  1. schauwerte

    2016/11/17 at 11:13

    Bin gespannt. Wird nächste Woche geschaut.

     

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