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Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – Ich packe meinen Koffer

16 Nov

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Fantastic Beasts and Where to Find Them

Kinostart: 17. November 2016

Von Matthias Holm

Fantasy // Fünf Jahre sind vergangen, seit mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ der letzte Film über den berühmtesten Zauberlehrling der Welt in die Kinos kam. Doch die Film-Welt wäre nicht die, die sie ist, gäbe es nicht Schlupflöcher, um mit den bekannten und erfolgreichen Franchises noch mehr Inhalte zu produzieren und Geld zu scheffeln. So mag es kaum jemanden verwundert haben, als ein Film zu „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ angekündigt wurde.

FANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM

An Englishman in New York

Das Buch umfasst allerdings in der deutschen Übersetzung lediglich 64 Seiten und ist wie ein Schulbuch aufgebaut, mit Erklärungen zu den verschiedenen Wesen, die in der Welt der Zauberer leben. So setzte sich die Autorin J. K. Rowling höchstpersönlich an den Schreibtisch und verfasste aus dieser Vorlage ein Drehbuch, in dem der Autor des Nachschlagewerks für Zauberschüler aus aller Welt die Hauptrolle inne hat – Newt Scamander (Eddie Redmayne).

Mit dem Koffer durch New York

Newt ist nicht im uns bekannten England des Harry Potter unterwegs, sondern im New York des Jahres 1926. Und er reist nicht allein: Bei ihm ist ein Koffer voller magischer Tierwesen. Diese werden von den Zauberern häufig als gefährlich wahrgenommen, doch Newt Scamander hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Wesen zu erforschen und zu verstehen. Durch eine Verwechslung trifft er auf den Nicht-Zauberer – oder Muggle, wie es in England heißt – Jacob Kowalski (Dan Fogler) und die ehemalige magische Polizistin Porpentina Goldstein (Katherine Waterston).

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Tina unterstützt Newt

Unglücklicherweise hat Jacob einen Blick in Newts Koffer geworfen, soass einige der darin hausenden Kreaturen entwischt sind. Doch die kleine Gruppe muss sich nicht nur damit herumschlagen: Die amerikanische Zauberer-Gemeinschaft und ihr oberster Ermittler Percival Graves (Colin Farrell) stehen der Zucht von magischen Tieren äußerst skeptisch gegenüber. Zu allem Überfluss versucht die fanatische Mary Lou (Samatha Morton) mit ihren Kindern, die Welt davon zu überzeugen, dass es Hexen und Zauberer wirklich gibt.

FANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM

Präsidentin Picquery und der zwielichtige Graves

Rowling hat aus ihrem schmalen Buch eine Menge herausgeholt. Die Geschichte ist nicht minder komplex als in den großen literarischen Vorlagen, auch wenn bestimmte Gegebenheiten während des Films sehr praktisch für den übergreifenden Plot wirken. Voll zu Geltung kommt vor allem Rowlings Stärke, viele Themen nur kurz anzuschneiden, woraus ein riesiges Universum mit viel Interpretationsspielraum erwächst. Immer wieder werden bestimmte Geschehnisse angesprochen oder erwähnt, die den Fan aufhorchen lassen, oder sogar völlig neue Informationen liefern. Gerade der letztgenannte Punkt ist ein großer Bonus für „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“.

Frei vom Zwang der Bücher

Denn anders als bei den „Harry Potter“-Filmen können sich die Macher kreativ in diesem Franchise austoben, ohne einem vorgeschriebenen Pfad zu folgen. Dabei sorgt Regisseur David Yates dafür, dass sich alles nach „Harry Potter“ anfühlt – immerhin saß er bereits bei den letzten vier Filmen der Hauptreihe auf dem Regiestuhl. Doch etwas abseits wird viel freier mit dem Stoff umgegangen: Komponist James Newton Howard lehnt sich bei seiner Arbeit zwar an den kongenialen Stücken von John Williams an, versetzt diese aber immer wieder mit thematisch passenden Jazz-Klängen. Auch die Geschichte fühlt sich, trotz eines überlangen Finales und den angesprochenen praktischen Zufällen, frisch und neu, aber nie fremd an. Getragen wird das alles durch einen schüchtern-verhuschten Eddie Redmayne als sympathische Hauptfigur, dem jedoch Dan Fogler als nicht-magischer Sidekick das eine oder andere Mal die Show stiehlt.

FANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM

Jacob ist mit der Gesamtsituation überfordert

Das Highlight bilden aber tatsächlich die titelgebenden Tierwesen. Früh sorgt ein Niffler, ein maulwurfsartiges Tier mit einer Vorliebe für glänzende und glitzernde Gegenstände, in einer Bank für die ersten Höhepunkte. Und sobald man den Protagonisten das erste Mal in den Koffer von Newt Scamander folgt, will man dort so schnell nicht mehr raus. Überall gibt es kleine Sachen zu entdecken, etwa winzige Insekten und übergroße Mistkäfer. Und sobald die großen Kreaturen auf den Plan treten, muss man vor der Abteilung für Computereffekte den Hut ziehen. Alle Tierwesen haben etwas Majestätisches an sich und bleiben nachhaltig in Erinnerung. Schade nur, dass diese Abschnitte jedes Mal so kurz sind, will man doch viel mehr das Innere des Koffers erkunden als ins graue New York zurückzukehren.

Schön, dass es dich gibt

Vermutlich hat niemand diesen Film gebraucht. Und dennoch ist es eine Wohltat, dass es ihn gibt. Denn auch wenn mit dem Harry-Potter-Theaterstück „The Cursed Child“ das nominell achte Buch hierzulande erhältlich ist, ist es toll zu sehen, was J. K. Rowling aus dem Stoff auf der Leinwand alles herausholen kann. So ist es zu verkraften, dass aus „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ wieder ein fünf Filme umspannendes Franchise gebaut werden soll. Der Grundstein wurde mit diesem Film gelegt und daraus lassen sich viele tolle, neue Geschichten erzählen.

FANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM

Der Niffler sorgt für Ärger

Länge: 133 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Fantastic Beasts and Where to Find Them
GB/USA 2016
Regie: David Yates
Drehbuch: J. K. Rowling, nach ihrer eigenen Vorlage
Besetzung: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Alison Sudol, Samantha Morton, Colin Farrell, Carmen Ejogo, Ezra Miller, Jon Voight
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2016 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.
Harry Potter and Fantastic Beasts Publishing Rights © JKR.

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4 Kommentare

Verfasst von - 2016/11/16 in Film, Kino, Rezensionen

 

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4 Antworten zu “Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – Ich packe meinen Koffer

  1. Morgen Luft

    2016/11/17 at 07:40

    — Spoiler —

    Was sagst du zu der Szene mit dem Stuhl in der Mitte?

    —Spoiler—

     
    • Matthias Holm (@MatzeHolm)

      2016/11/17 at 21:02

      SPOILER

      Fand das als Parallele zum elektrischen Stuhl ganz witzig, auch wenn es deutlich humaner ist mit der schönen Erinnerung nebenbei. Allerdings wurde es, soweit ich das im O-Ton verstanden habe, kaum erklärt. Worauf willst du genau hinaus?

      SPOILER ENDE

       
      • Morgen Luft

        2016/11/18 at 10:41

        Dann bin ich vielleicht zu zart besaitet. Ich fand es irgendwie daneben. Klar, es gibt später auch Askaban und auch Todesfälle. aber das? Wahrscheinlich hat das kindliche Ich in mir etwas verstört reagiert.

         
      • Matthias Holm (@MatzeHolm)

        2016/11/18 at 10:58

        Naja, der Film hatte ja generell einige düstere Szenen, auch bereits vorher. Von daher fand ich das jetzt nicht so unpassend, auch da es durch den hellen Raum sehr „freundlich“ wirkte

         

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