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The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years: Die Welt zu Füßen der Fab Four

18 Nov

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The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years

Von Dirk Ottelübbert

Musik-Doku // Mit verzerrter Miene hält sich der Polizist die Ohren zu. Soeben entsteigen vier Gestalten in beigefarbenen Jacketts einem Helikopter, traben in Richtung Bühne – und aus 56.000 Kehlen, zumeist die junger Mädchen, dringt markerschütterndes Kreischen. Die Beatles sind da!

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Vier Jungs sind bereit, die Welt zu erobern

„Can you hear me…? Hello?“ fragt John Lennon ins Rund des New Yorker Shea Stadium. Zuvor haben sich Paul McCartney und er in all dem Tosen schon mit einem ironischen, fast resignativen „Hello, John“ und Hello, Paul“ begrüßt, bevor sie nun „Dizzy Miss Lizzy“ anstimmen, an jenem Abend des 15. August 1965. Sehr viel gehört haben dürften sie nicht, weder die Fans noch die Band. Trotz neu beschaffter riesiger Boxen. „Ich schaute auf Johns Hintern und Pauls Hintern und las an den Bewegungen ihrer Beine und Köpfe ab, wo im Stück wir gerade waren“, erzählt Ringo Starr.

Halbstündige Konzerte

Nach einer guten halben Stunde mit zwölf Songs, übliche Länge eines Beatles-Gigs, ist Schluss. Als die Fab Four in einer weißen Limousine zügig vom Feld rollen, sieht das ein bisschen aus wie eine Flucht. Mit dem Konzert im Shea Stadium begann die zweite große US-Tour der Beatles, die erste Stadiontournee in der Popgeschichte überhaupt, Kulminationspunkt der „Beatlemania“.

Washington Coliseum, Washington D.C. February 1964

1964 – die Beatlemania rollt: Paul, George, Ringo und John (v. l.)

Zwei Jahre zuvor war alles in Schwung gekommen: Im August 1963 schießt ihre vierte Single „She Loves You“ von null auf Platz eins. Voller Enthusiasmus begrüßen die Jungs aus Liverpool die ihnen entgegenbrandende Fan-Begeisterung, mit überschäumender Energie performen sie im ABC Cinema von Manchester. „With a love like that you know you should… be glaaad! Yeah, yeah, yeah…!“

Ron Howard setzt den Beatles ein Doku-Denkmal

Als Rezensent gilt es aufzupassen, dass nicht der Beatles-Fan mit einem durchgeht, man nur von der Band schwärmt und nix zum vorliegenden Film schreibt! Nun, die Doku von Hollywood-Regisseur Ron Howard („Apollo 13“, „A Beautiful Mind“) setzt ein mit den Bildern des obigen frühen Auftritts. Der facettenreiche Abriss über die Tournee-Ära der Beatles verlebendigt die Zeit zwischen 1963 und 1966. Nach tougher „Lehrzeit“ ab 1960 in Hamburg und im Liverpooler „Cavern Club“, wo sie an die 300 Mal auftraten, festigten John, Paul, George und Ringo ihren frischen Ruhm mit mehreren Tourneen durch England. Das Konzertjahr 1966 endete nach Gigs in Deutschland, Japan und den Philippinen mit der dritten USA-Reise und dort mit dem Auftritt im Candlestick Park von San Francisco. Die berühmteste Band der Welt hatte endgültig die Nase voll von den Live-Ochsentouren, von ihrem Leben im permanenten Ausnahmezustand.

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Bis Ende 1962 das „Wohnzimmer“ der Beatles: der Cavern Club

In einem elaborierten filmischen Reigen versammelt „Eight Days a Week“ großteils rare Footage von Konzerten mit ihrem Tohuwabohu aus Polizeikordons und hysterischen Fanmassen, von Interviews und Presserummel. Ein Herzstück des Films bilden dabei die wunderschön komponierten, mit Überblendungen und Zooms arbeitenden Abfolgen von Fotos, seien es Promo-Porträts, private Aufnahmen oder Szenen aus dem Tonstudio. Und für die akribische digitale Restaurierung des Bild- und Tonmaterials ist „glänzend“ eine deutlich zu matte Vokabel. Da hatten wir besondere Könner an Bord. Fragen Sie mich nicht, wie die das gemacht haben, so Ron Howard. Einzig ein digitales Gimmick nutzt sich etwas ab: Aus fast jeder abgelichteten Zigarette – die Beatles quarzten alle – steigt dünner Rauch auf!

Ringo Starr und Paul McCartney erinnern sich

Spannende, wenn auch nicht durchweg brandneue Erkenntnsse zum Phänomen „The Beatles“ bringt eine Reihe relevanter Zeitzeugen: Naturgemäß aus erster Hand geben Ringo Starr (76) und Paul McCartney (74) – auf dessen Initiative das Projekt laut Ron Howard ins Rollen kam – Erinnerungen zum Besten. Sie erzählen, wie sie dank ihrer engen Bande die wilde Zeit überstanden, wie sie in all dem Rummel und öffentlichen Leben ihre Integrität als Künstler zu wahren vermochten – und natürlich, wie viel Spaß sie hatten. Stars wie Whoopi Goldberg, Sigourney Weaver oder Elvis Costello schildern, was die Beatles für sie bedeuteten, wie Konzertbesuche und die geliebten Platten ihre Welt umkrempelten.

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1965: Die Fab Four rocken das Shea Stadium

Ein besondere Bank unter den Interviewten bildet der heute 74-jährige US-Journalist Larry Kane: In seiner Funktion als TV-Nachrichtenchef bat er im Sommer 1964 um einen Interviewtermin – die Beatles hatten in der Folge ihres Hits „I Want to Hold Your Hand“ die USA mit ihrer Musik „geflutet“, waren im Februar in der Ed Sullivan Show aufgetreten und standen nun vor ihrer ersten großen US-Tournee. Statt eines Interviews bot ihm Beatles-Manager Brian Epstein an, die Fab Four auf der kompletten Tour zu begleiten! 25 Städte in 30 Tagen. Uff. Ja, sie waren tatsächlich gefühlte „Eight Days a Week“ unterwegs damals. Kanes pointierte Erinnerungen illustrieren die Auswüchse der „Beatlemania“ – in Vancouver versuchten 7000 Fans die Bühne zu stürmen, allerorten herrschte Belagerungszustand, die Fans „warfen Steine, Gummibärchen, Unterhosen und Sandalen“. Was dort abging, hatte es noch nie gegeben, „nicht bei Elvis, nicht bei Sinatra und nicht bei Präsident Kennedy“. Kane durfte aber auch auf Tuchfühlung mit den vier Stars gehen. Unter anderem erlebte er, wie sie nachts im Flieger stundenlang mit den Support-Bands plauschten, für die sich ansonsten kein Mensch zu interessieren schien.

Lebendiges Porträt der Sixties

„Eight Days a Week“: eine „Labour of Love“, eine Collage, aus der sich das Bild einer Ära und einer aufbrandenden neuen Jugendkultur ergibt. Ein Film, mit Akribie und Herz zusammentragen von ergebenen Fans – und dabei bestimmt nicht nur für ergebene Fans mitreißend. Ein lebendiges Porträt der Sixties sowie ihrer vielleicht größten und ganz sicher einflussreichsten Pop-Genies.

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Plausch: Regisseur Ron Howard, Ringo Starr, Paul McCartney (v. l.)

Übrigens: Die für meine Wenigkeit schönste Szene der Doku gehört – Fußballfans! Liverpooler Fans natürlich. John Lennon vergleicht in einem Interviewausschnitt das Kreischen der Konzertgängerinnen mit dem Torjubel bei einem Kick, Elvis Costello meint, die britischen Beatles-Fans seien gewesen „wie die Anhänger eines Fußballteams, das immer den Pokal gewinnt.“ Verknüpft mit diesen Zitaten wird nun ein herrlicher Moment im Anfield Football Ground vom 18. April 1964: Fans des Liverpool FC wogen hin und her – und schmettern hingebungsvoll „She Loves You!“ Voller Stolz auf ihren Verein, ihre Stadt und deren schon damals legendäre Söhne.

Veröffentlichung: 18. November 2016 2-Disc Special Edition Blu-ray und 2-Disc Special Edition DVD (jeweils im Digipack) sowie als Blu-ray und DVD

Länge: 100 Min. (Blu-ray), 96 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years
GB/USA 2016
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Mark Monroe
Mitwirkende: Paul McCartney, Ringo Starr, Larry Kane, Whoopi Goldberg, Elvis Costello, Sigourney Weaver, Richard Lester, Eddie Izzard
Archivaufnahmen: John Lennon, George Harrison, Brian Epstein, George Martin, Roger Moore, Yoko Ono, Billy Preston, Ed Sullivan, Pete Best
Zusatzmaterial Special Edition: Unveröffentlichte Aufnahmen der Beatles während ihrer Tourjahre, exklusive Konzertmitschnitte (The Beatles live 1963–1966, The Beatles in Japan, The Beatles in Australia), Hintergrundinfos: Erinnerungen an das Shea Stadium, Shooting of – Die Dreharbeiten von „A Hard Day’s Night“, Ronnie Spector und The Beatles, Liverpool, Texte und Musik Interviews, alternativer Anfang, 64-seitiges Booklet, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2016 by Dirk Ottelübbert

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Studiocanal Home Entertainment

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