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Deepwater Horizon – Blowout im Golf von Mexiko

21 Nov

deepwater_horizon-plakat

Deepwater Horizon

Kinostart: 24. November 2016

Von Andreas Eckenfels

Katastrophen-Actiondrama // Am 20. April 2010 ereignete sich eine der größten Umweltkatastrophen aller Zeiten: Nach einem Blowout kam es auf der Öl-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko zu einer Reihe von Explosionen. Bei dem darauffolgenden Brand wurden elf der 126 auf der Bohrinsel anwesenden Menschen getötet. Zwei Tage später ging die „Deepwater Horizon“ unter.

v.l.n.r.: Mike Williams (Mark Wahlberg), Felicita Williams (Kate Hudson), Sydney Williams (Stella Allen)

Mike genießt die kurze Zeit mit seiner Frau Felicia und Töchterchen Sydney

Noch verheerender als der Tod der elf Arbeiter war die Tragödie für die Umwelt: Fast drei Monate lang floßen täglich mehr als 40.000 Barrel Öl ins Meer. Erst nach 87 Tagen gelang es dem Betreiber BP, das Leck zu schließen. Bei dem anschließenden „Deepwater-Prozess“ wurde BP wegen „grober Fahrlässigkeit“ als Hauptschuldiger der Katastrophe mit einer Strafe von 4,5 Milliarden US-Dollar belegt. Es war die höchste Strafzahlung, die ein Unternehmen infolge eines Umweltdeliktes jemals leisten musste.

Den amerikanischen Traum fest im Blick

Regisseur Peter Berg arbeitete das Unglück als großen Action-Blockbuster auf. Wie er schon in seiner hervorragenden TV-Serie „Friday Night Lights“ bewies, gelingt es kaum einem anderen besser, das Leben des US-Kleinstadtbürgers zu zeigen, der seine Familie liebt, hart arbeitet und fest an den amerikanischen Traum glaubt. Auf der großen Leinwand hat sich Mark Wahlberg inzwischen zu einem dieser Stars entwickelt, denen man diesen US-Jedermann der Arbeiterklasse jederzeit abnimmt.

Jimmy Harrell (Kurt Russell,l.) und Jason Anderson (Ethan Suplee,r.)

Jimmy (l.) weiß, dass es auf der „Deepwater Horizon“ Sicherheitsprobleme gibt

So passt die Kombination Berg und Wahlberg also bestens. Beide arbeiteten erstmals bei „Lone Survivor“ zusammen – ebenfalls eine Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht und stark patriotisch geprägt ist. So muss man besonders gegen Ende von „Deepwater Horizon“ damit rechnen, häufig tief schlucken zu müssen: Immer wieder aufs Neue wird die amerikanische Flagge gezeigt, die stolz im Wind weht.

Auf dem Weg in die Katastrophe

Für die Exposition lässt sich Berg etwas zu viel Zeit. Wie im Genre des Katastrophenfilms üblich, lernen wir anfangs die Familie der Hauptfigur Mike Williams (Wahlberg) kennen. Als Cheftechniker auf der „Deepwater Horizon“ muss er sich wie so häufig für einige Zeit von seiner Frau Felicia (Kate Hudson) und seiner kleinen Tochter Sydney (Stella Allen) verabschieden. Drei Wochen lang wird die Familie nur via Skype kommunizieren können.

Caleb Holloway (Dylan O'Brien, oben) und Don Vidrine (John Malkovich, unten) in DEEPWATER HORIZON

Die Katastrophe nimmt ihren Lauf

Auf dem Weg zur Ölplattform, die etwa 70 Kilometer von der US-Küste entfernt liegt, lernen wir nach und nach die wichtigsten Kollegen von Mike kennen; darunter sein Boss Jimmy Harrell (Kurt Russell) und die junge Technikerin Andrea Fleytas (Gina Rodriguez). Als „Bösewicht“ wird außerdem Donald Vidrine (John Malkovich) eingeführt, der als BP-Vertreter natürlich nur an das Wohl und den Geldbeutel des Konzerns denkt und die häufig geäußerten Sicherheitsbedenken von Mike und Jimmy in den Wind schlägt.

Faktentreue Aufarbeitung

Für Matthew Michael Carnahan und Matthew Sand diente ein Artikel aus der New York Times als Vorlage für ihr Skript. Somit sind die Fakten verbürgt. Während wir die Sicherheitsmaßnahmen sehen, die alle Arbeiter jedes Mal aufs Neue durchlaufen müssen, bevor sie den Helikopter Richtung Ölplattform besteigen, zeigt uns Berg haarklein, wie die große Maschinerie „Deepwater Horizon“ zusammenhängt und funktioniert. So gleiten wir tief unter die Wasseroberfläche zu den Rohren, die das Öl nach oben transportieren. Dazu überschüttet der Regisseur die Zuschauer mit detaillierten technischen Informationen und Fachbegriffen, die für einen Ölbohr-Amateur wie mich schon bald ermüdend sind.

Andrea Fleytas (Gina Rodriguez), Jimmy Harrell (Kurt Russell)

Verzweifelt versuchen Andrea und Jimmy, Hilfe zu rufen

Wenigstens gibt Berg in dieser Zeit aber immer wieder kurze Hinweise darauf, dass das schlafende Biest bald erwachen wird. Und wenn die Katastrophe dann endlich ihren Lauf nimmt, fackelt der Regisseur das Spektakel ab, auf das man die ganze Zeit gewartet hat. Die Aufnahmen wirken erschreckend echt, man ist sprichwörtlich mittendrin in der Feuerhölle. Die Hitze, die Panik und die Ausweglosigkeit der Situation sind beklemmend. Zu den eindrucksvollen Bildern schafft Berg immer wieder kurze emotionale Momente, die durch das Star-Ensemble umso intensiver spürbar werden. Kurt Russell und Kate Hudson – Vater und Tochter – haben in ihrem ersten gemeinsamen Film eine Szene zusammen.

Respektvoller Umgang

„Deepwater Horizon“ endet mit einigen Originalaufnahmen der Rettung und des Prozesses. Im Abspann wird der Opfer gedacht. Wir erfahren, was aus den Überlebenden wurde und welche furchtbaren Auswirkungen die anschließende Ölpest auf die Umwelt hatte. Den Filmemachern ist der Spagat zwischen einem respektvollen Umgang mit der Katastrophe und packendem Actionkino größtenteils gelungen.

Mike Williams (Mark Wahlberg)

Jimmy und seine Kollegen sitzen in der Flammenhölle fest

Auch die nächste Zusammenarbeit zwischen Berg und Wahlberg hat eine wahre Katastrophe als Vorlage. „Patriots Day“ rekonstruiert die Vorgänge rund um den Anschlag auf den Boston-Marathon im April 2013. Geplanter Kinostart in Deutschland ist der 2. Februar 2017.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Peter Berg sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Mark Wahlberg in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 107 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Deepwater Horizon
USA/HK 2016
Regie: Peter Berg
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Matthew Sand
Besetzung: Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich, Gina Rodriguez, Kate Hudson, Dylan O’Brien, Brad Leland
Verleih: Studiocanal Filmverleih GmbH

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Studiocanal Filmverleih GmbH

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