RSS

Archiv für den Monat Dezember 2016

King Kong gegen Godzilla – Mechagodzilla wird umgetauft

king_kong_gegen_godzilla-packshot

Gojira tai Mekagojira

Von Volker Schönenberger

SF-Abenteuer // Wenn ein schwarzer Berg über den Wolken erscheint, dann wird ein gewaltiges Ungeheuer die Welt zerstören. Die alte Weissagung scheint sich zu erfüllen, als bei einem Vulkanausbruch Godzilla aus der Tiefe des Erdinnern emporsteigt und zur Überraschung aller ein gewaltiges Zerstörungswerk beginnt. Dabei war das Monster doch längst zum Menschenfreund mutiert?! Des Rätsels Lösung: Es handelt sich um ein Maschinenwesen (Ise Mori), getarnt als Godzilla. Es wurde von einer Schar Außerirdischer auf Eroberungsfeldzug hergestellt und auf die Menschheit losgelassen. Das ruft bald auch den echten Godzilla (Isao Zushi) auf den Plan. Als bei seiner künstlichen Kreatur ein Schaltkreis ausfällt, lässt Alien-Boss Kuronuma (Gorô Mutsumi) den Nobelpreisträger Professor Hideto Miyajima (Akihiko Hirata) entführen, um sie zu reparieren. Der ziert sich anfangs aus verständlichen Gründen, dann aber siegt sein wissenschaftlicher Ehrgeiz.

king_kong_gegen_godzilla-04

Godzilla gegen Godzilla? Von wegen

King Kong? Wieso King Kong? Was mag den deutschen Verleih Constantin Film in den 70er-Jahren geritten haben, Godzillas Kontrahenten in der deutschen Synchronisation den Namen des Riesenaffen zu geben? Die so verfälschten Kreaturen haben keinerlei Ähnlichkeit zu King Kong. Das gilt für den künstlichen „Mechagodzilla“ aus „King Kong gegen Godzilla“ ebenso wie für den Roboter „Jet Jaguar“ aus dem unmittelbaren Vorgänger „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ (1973), den ein unterirdisch lebendes Volk seinerzeit auf Godzilla gehetzt hatte. Dämonen aus dem Weltall waren darin übrigens mitnichten zu entdecken. Heute können wir über solche Titelverirrungen natürlich schmunzeln.

Der Nobelpreisträger als Schnellmerker

Zum Schmunzeln sind auch Dialoge für die Ewigkeit wie dieser: „Was soll das alles? Wer sind sie?“ „Wir werden die Erde erobern, Professor. Wir kommen aus einer Galaxis einige Lichtjahre hinter dem Pferdekopfnebel.“ „Sie sind also außerirdischer Herkunft.“ „Ich bewundere Ihre schnelle Auffassungsgabe.“ Das ist noch Synchronisation von altem Schrot und Korn. Ob die japanischen Originalzeilen von ähnlicher – ähem – Brillanz sind, vermag ich mangels Sprachkenntnissen nicht zu beurteilen. Apropos Synchronisation: Mit Manfred Lehmann, Thomas Danneberg und Arne Elsholtz sind einige namhafte deutsche Sprecher zu hören. Feine Sache.

king_kong_gegen_godzilla-06

Kann King Caesar heraufbeschworen werden?

Die Außerirdischen sind also der Sprache der Menschen mächtig und obendrein scheinbar menschlicher Gestalt. Werden sie verwundet, offenbaren sie allerdings ihr wahres Äußeres: Es handelt sich um affenartige Aliens. Toll! Derlei Anspielungen auf die „Planet der Affen“-Reihe hat das japanische Kino dem Vernehmen nach einige zu bieten. Die eingesetzte Pyrotechnik hingegen ist wirklich beeindruckend. Wenn der echte und der falsche Godzilla erstmals aufeinandertreffen, geht eine ganze Hafen-Skyline in Flammen auf – das sieht klasse aus. Die visuellen Grenzen der von Männern in Kostümen verkörperten Monster sind bei der Beurteilung der Optik natürlich zu berücksichtigen. Damit die beiden Kreaturen auseinanderzuhalten sind, wirft Mechagodzilla alias King Kong zügig seine Maskerade ab. Zum Glück für die Menschheit erhält Godzilla tatkräftige Unterstützung durch den mystischen König Caesar (Kinichi Kusumi) von der Insel Okinawa – ein weiteres Monster, das in den Kampf eingreift. Zwischendurch erscheint auch Godzillas alter Kumpel Angilas (ebenfalls Kinichi Kusumi) auf der Bildfläche, wird aber in die Flucht geschlagen, als Mechagodzilla den alten King-Kong-Trick „Kieferknacker“ anwendet und beinahe vollendet, der Schuft.

Ein Mann im Kostüm der fremdartigen Bestie

Auf Menschen in Monster-Outfit muss man sich einlassen können, daran hat sicher nicht jeder Filmgucker Freude. Aber es existiert ja eine Kaijū-Gemeinde ausgewiesener Fans dieser Subgattung des Monsterfilms – das japanische Wort bedeutet in etwa „fremdartige Bestie“. Für sie sind diese Filme gemacht worden, für sie legt Anolis Entertainment sie in schöner Regelmäßigkeit auf.

Würdiger Titel der Reihe „Kaiju Classics“

Die Reihe „Kaiju Classics“ erfreut sich bei Fans des Kaijū-Genres dann auch allergrößter Beliebtheit. Die in limitierter Auflage veröffentlichten DVDs sind nahezu ausnahmslos zügig nach Erscheinen ausverkauft, einige von ihnen werden auf dem Sammlermarkt zu dreistelligen Beträgen angeboten. Bei „King Kong gegen Godzilla“ handelt es sich um den 14. Beitrag der Reihe. Das Gesamtpaket der Doppel-DVD hält das hohe Ausstattungsniveau: Das Metalpack sieht schon mal schick aus und offenbart im Innern eine DVD mit der japanischen und eine mit der deutschen Kinofassung des Films. Im gewohnt prächtigen Booklet finden sich ein Essay von Ingo Strecker über den Film sowie der erste Teil eines Interviews, das Jörg Buttgereit mit „Mr. Explosion“ Teruyoshi Nakano geführt hat. Nakano zeichnet für die visuellen Spezialeffekte diverser „Godzilla“-Filme verantwortlich, auch für die in „King Kong gegen Godzilla“. Von ihm stammt im Übrigen auch die Idee, ein mechanisches Monster auf Godzilla loszulassen; Nakano ist somit der Schöpfer von Mechagodzilla – der Blechmann gehörte in der Folge zu den beliebtesten Godzilla-Gegnern.

Vom Atombombentrauma zum Star für Kinder

Die Wahrnehmung und der Charakter von Godzilla hatten sich in den zwei Dekaden seit der Entstehung des ersten Films „Godzilla“ (1954) stark verändert. Standen die ersten Auftritte des in den Tōhō-Filmstudios entstandenen Monsters noch unter dem Eindruck der Atombombenverwüstungen in Hiroshima und Nagasaki, so war die Reihe 20 Jahre später längst im Bereich harmloser Unterhaltungsfilme angekommen, die sich auch Kinder ansehen konnten. „Dieses Monster ist ein Kind der Atombombe. Die Bombe hat Godzilla ins Leben gerufen. Japan ist das erste und einzige Land, auf das Atombomben abgeworfen wurden. Godzilla wurde durch die Wut der Japaner gezeugt, die Wut auf die Atombombe.“ So Teruyoshi Nakano im Interview. Er führt weiter aus, das Atombombentrauma sei zum Ende der 60er-Jahre kein Thema mehr gewesen. „Wir haben also überlegt, wie wir Godzilla zeitgemäß gestalten konnten. Die Lösung war, Godzilla zu einem Idol für Kinder zu machen.“

king_kong_gegen_godzilla-05

Ja, so stellte sich das japanische Kino der 70er-Jahre Außerirdische vor

Auf dem Regiestuhl saß mit Jun Fukuda ebenfalls ein Kaijū-erfahrener Regisseur. Nachdem „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ 1973 nicht gerade ungeteilte Begeisterung ausgelöst hatte, schöpfte Fukuda für „King Kong gegen Godzilla“ aus dem Vollen und schuf ein buntes Spektakel, das Freude bereitet. „Gojira tai Mekagojira“, so der Originaltitel, ist ein Prachtstück und würdiger Bestandteil der „Kaiju Classics“, von Anolis in bewährt herausragender Bild- und Tonqualität veröffentlicht.

king_kong_gegen_godzilla-09

Mechagodzilla alias King Kong greift an

Da ich keinen Wert darauf lege, mir während der Sichtung eines Films Zusatzinformationen anzuhören, habe ich darauf verzichtet, mir die Audiokommentare anzuhören. Auf sie dürfte aber Verlass sein. Unter anderen hat einmal mehr Jörg Buttgereit dazu beigetragen, auch Booklet-Autor Ingo Strecker ist dabei, versierte Leute also. Ein paar weitere Boni auf den DVDs runden das Zusatzmaterial ab. Sammler der „Kaiju Classics“ bekommen exakt das geboten, was sie an der Reihe schätzen. Also greift zu, solange die DVD noch zu akzeptablen Preisen zu finden ist!

king_kong_gegen_godzilla-10

Aber auch Godzilla hat einiges zu bieten

Veröffentlichung: 16. Dezember 2016 als 2-DVD-Edition im auf 1.500 Exemplare limitierten Star Metalpak als Nr. 14 der Reihe „Kaiju Classics“

Länge: 80:53 Min. (deutsche Fassung), 80:49 Min. (japanische Fassung)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch (Originalton nur bei der japanischen Fassung)
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Gojira tai Mekagojira
Alter deutscher Titel: Godzilla gegen Mechagodzilla
JAP 1974
Regie: Jun Fukuda
Drehbuch: Jun Fukuda
Besetzung: Masaaki Daimon, Kazuya Aoyama, Reiko Tajima, Akihiko Hirata, Hiromi Matsushita, Hiroshi Koizumi, Masao Imafuku, Bellbella Lin, Shin Kishida, Gorô Mutsumi
Zusatzmaterial Disc 1 (japanische Fassung): Audiokommentar von Jörg Buttgereit, Ingo Strecker und Alex Iffländer, Audiokommentar von Florian Bahr, japanischer Trailer, italienischer Trailer, Featurette „Mechagodzilla in Chicago“, Bildergalerie Japanisch & International
Zusatzmaterial Disc 2 (deutsche Kinofassung): Audiokommentar von Thorsten Rosemann, deutscher Trailer, deutsche Super-8-Fassung, Filmprogramm, Werberatschlag, deutsche Bildergalerie
Booklet: Essay von Ingo Strecker, Jörg Buttgereit interviewt Teruyoshi Nakano (Teil 1)
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Anolis Entertainment GmbH

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Monster Truck – Bete, dass er niemals ankommt: Billigdämon gegen Tom Sizemore

monster_truck-packshot

Dark Haul

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // Im Jahr 1735 windet sich tief in den Wäldern eine hochschwangere Frau in Wehen, die weit schmerzhafter sind als gewöhnlich. Sie ist drauf und dran, ihrem 13. Kind das Leben zu schenken, und weil ihr Mann ebenfalls ein 13. Kind war, erfüllt sich mit der blutigen – und für die Frau tödlichen – Geburt eine düstere Prophezeiung.

monster_truck-3

Umzingelt – der Dämon ist überall

Der auf diesen Prolog folgende Vorspann führt die Zuschauer vom 18. Jahrhundert schnurstracks ins Hier und Jetzt. Der damals geborene Dämon und seine Zwillingsschwester Zib (Evalena Marie) sind seither von den sogenannten Hütern gefangen gehalten worden. Knicks (Tom Sizemore) und Damon (Rick Ravanello), die das Bewacherteam leiten, wollen den Dämon mit einem Truck an einen anderen Ort bringen. Um ihn im Zaum zu halten, benötigen sie die übernatürlichen Fähigkeiten von seiner Schwester Zib. Die verfolgt jedoch ihre ganz eigenen Absichten.

Tom Sizemore macht sich im Billigsegment breit

In die A-Liga hat es Tom Sizemore zwar nie geschafft, aber seine Filmografie weist speziell vor der Jahrtausendwende einige beachtliche Werke auf, darunter „True Romance“ (1993), „Natural Born Killers“ (1994), „Strange Days“ (1995), „Heat“ (1995) und „Der Soldat James Ryan“ (1998). Für den Fernsehfilm „Zeugenschutzprogramm“ erhielt er 2000 sogar eine Golden-Globe-Nominierung. Mittlerweile treibt sich Sizemore aber vornehmlich in den Niederungen der Direct-to-Video-Produktionen herum oder spielt in billigsten TV-Filmen wie dem für den Sender Syfy gedrehten „Monster Truck – Bete, dass er niemals ankommt“. Immerhin dreht er viel, die Zahl seiner Rollen wird allein in diesem Jahrzehnt wohl die 100 überschreiten. Wenn er denn damit zufrieden ist, sich mit kleinen, dafür häufigen Gagen über Wasser zu halten – wer sind wir, Tom Sizemore zu kritisieren?

monster_truck-5

Knicks hält seine Gefangenen in Schach

Nach dem einigermaßen stimmungsvollen und kaum trashig anmutenden Start in der Vergangenheit bewegt sich die in der Jetztzeit angesiedelte actionlastige Haupthandlung leider zügigst auf unteres Niveau. Der gefangene Dämon soll also in der Lage sein, das Ende der Menschheit heraufzubeschwören?! Nun gut, wenn das denn so ist, kann man ihn natürlich fast 300 Jahre lang einsperren. Hat geklappt, ist wohl doch nicht so mächtig, die Kreatur. Sonderbar auch, dass sich der Dämon mal problemlos fangen lässt, mal problemlos ausbricht. Was mag da bloß los gewesen sein zwischen ihm und den Hütern in all den Jahren? Was es auch war, mit Logik hatte es nicht viel zu tun.

Der Dämon aus dem Computer

Ist dieser Dämon mit seinen Fledermausflügeln dann irgendwann in seiner ganzen computergenerierten Pracht zu sehen, stellen wir fest: Er wäre besser etwas im Düsteren geblieben. Es sind eben Computer für TV-Produktionen am Werk gewesen. Ein paar der auch bei uns ungeschnitten zu sehenden Splattereffekte sind immerhin ganz nett geraten, wenn man davon absieht, dass auch sie größenteils aus dem Rechner stammen. An zwei oder drei Szenen können Gorehounds ohne gehobene Ansprüche Gefallen finden.

monster_truck-1

So sieht also eine Grüne Minna für Dämonen aus

Wer auch bei Horrorfilmen ein Minimum an Niveau und Anspruch bevorzugt, sollte um „Monster Truck – Bete, dass er niemals ankommt“ einen großen Bogen machen. Freunde von Trash- und ähnlich gelagerten Billig-Produktionen und Syfy-Stammseher dürfen natürlich mehr als einen Blick wagen. Schon das eindeutige Covermotiv gibt ja ausreichend Hinweise, worauf man sich einlässt – auf billig heruntergekurbelte Dämonen-Action. Habt Ihr Empfehlungen für besseren Dämonen-Horror?

monster_truck-4

Zib will endlich den Fängen von Knicks entrinnen

Veröffentlichung: 2. Januar 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Dark Haul
USA 2016
Regie: Daniel Wise
Drehbuch: Ben Crane
Besetzung: Tom Sizemore, Rick Ravanello, Evalena Marie, Chris Dyer, Kevin Shea, Adrienne LaValley, Brett Lapeyrouse, Kerry McGann, Steven A. Miller, Chris Dyer
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Tiberius Film

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Kill Billy – Harold räumt auf: Product Placement kann auch charmant sein

kill_billy-packshot

Her er Harold

Von Volker Schönenberger

Tragikomödie // Vor 40 Jahren hat Harold (Bjørn Sundquist) im norwegischen Åsane sein Möbelhaus „Lunde Møbler“ eröffnet und es seither mit seiner Frau Marny (Grethe Selius) betrieben. Doch im Frühjahr 2011 kommt der Todesstoß: IKEA eröffnet in unmittelbarer Nähe eine Filiale. Diese Prämisse erfahren wir im charmanten Vorspann, der mit alten Aufnahmen die vier Dekaden in Harolds Leben zeigt – bis hin zum Bau des übermächtigen Konkurrenten.

kill_billy-09

Harold und Marny müssen ihr Möbelgeschäft aufgeben

Zur Eröffnung der größten IKEA-Filiale in ganz Skandinavien reist sogar Firmengründer Ingvar Kamprad (Björn Granath) persönlich an. Missmutig verfolgen Harold und Marny die Feier vor dem Fernseher. Die Eheleute flüchten sich in Durchhalteparolen, müssen aber sechs Monate später der bitteren Realität ins Auge sehen: Ihr Geschäft ist pleite, sogar ihr Haus verlieren die beiden an die Bank. Weil Marny an Demenz erkrankt, sieht sich Harold gezwungen, seine Frau in ein Pflegeheim zu geben. Doch am Tag des Einzugs bricht sie zusammen und stirbt.

kill_billy-01

Der Ex-Möbelhändler sucht seinen Sohn auf …

Als sein Selbstmordversuch scheitert, sucht Harold seinen Sohn Jan (Vidar Magnussen) und dessen Familie in Oslo auf. Er verrät Jan einen irrwitzigen Plan: Er will nach Schweden reisen und den IKEA-Gründer entführen. In einem schwedischen Wald gabelt er die 16-jährige Ebba (Fanny Ketter) auf, die sich ihm anschließt. Klar, dass die Entführung etwas aus dem Ruder läuft.

kill_billy-04

… und versucht sich unbeholfen als Entführer

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, „Ein Mann namens Ove“ – die Skandinavier haben ein Händchen für Tragikomödien mit griesgrämigen alten Männern. „Kill Billy“ steht ganz in dieser Tradition, hat auch den typischen lakonischen Humor zu bieten, der diese Filme auszeichnet. Ganz reizt „Kill Billy“ die Möglichkeiten des Entführungs-Plots aber nicht aus, die Handlung verliert sich bisweilen in Nebensächlichkeiten. Der Kontrast zwischen den beiden Möbelhandels-Geschäftsmodellen kommt überhaupt nicht zum Tragen.

kill_billy-06

Ebba hilft

Bei der Porträtierung des IKEA-Gründers nahm sich der Drehbuchautor und Regisseur Gunnar Vikene („Vegas“, 2009) offenbar Freiheiten. Ingvar Kamprads Sympathisierung mit Nazi-Gedankengut und seine Nähe zu nationalsozialistischen Organisationen werden nur ein einziges Mal in einem Nebensatz thematisiert, in „Kill Billy“ ist er lediglich ein etwas schrulliger alter Mann. Interessant zu erfahren wäre, ob der schwedische Möbelkonzern und Firmengründer Kamprad das Projekt abgesegnet haben. Negativ-Werbung stellt „Kill Billy“ jedenfalls nicht dar, auch wenn Harold zu Anfang die Qualität der IKEA-Möbel bemängelt. Die Nennung des Markennamens nebst Einblendung des Schriftzugs fallen auch nicht als Ärgernis ins Gewicht – IKEA ist ja mittlerweile Allgemeingut und Kulturgut.

kill_billy-03

Die Entführung hat geklappt …

Mit Harolds Sohn Jan und der jungen Ebba wollte der Regisseur das Thema Familie in den Fokus rücken: Jan hat seine Eltern kaum je besucht, Ebba hingegen kümmert sich sogar um ihre Mutter, die sich nach glücklosen Beziehungen gern mal in den Suff flüchtet. Dieser Strang bleibt aber unvollendet und wirkt etwas abgekoppelt von der Haupthandlung der Entführung. Dadurch schleichen sich auch einige Längen ein, weil es zu Szenen kommt, die die Geschichte nicht vorantreiben. Das Niveau des brillanten Einstiegs hält „Kill Billy“ nicht, immerhin gibt es feine Situationskomik zu beschmunzeln. Ove und dem Hundertjährigen kann Harold nicht das Wasser reichen, für einen unterhaltsamen Filmabend reicht’s aber.

kill_billy-05

… doch es kommt zu Komplikationen

Veröffentlichung: 25. Oktober 2016 als DVD

Länge: 85 Min.
Altersfreigabe: FSK 6 (DVD FSK 12 wg. Beiprogramm)
Sprachfassungen: Deutsch, Norwegisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Her er Harold
Internationaler Titel: Here Is Harold
NOR 2014
Regie: Gunnar Vikene
Drehbuch: Gunnar Vikene, nach dem Roman „Saganatt“ (deutscher Titel: „Ein ehrliches Angebot“) von Frode Grytten
Besetzung: Bjørn Sundquist, Fanny Ketter, Björn Granath, Grethe Selius, Vidar Magnussen, Ellen Birgitte Winther, Veslemøy Mørkrid, Amina Eleonora Bergrem, Thias Salberg, Samuel Hellström
Zusatzmaterial: Interview mit Regisseur Gunnar Vikene, Kinotrailer, Trailershow
Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 EuroVideo Medien GmbH / NFP marketing & distribution

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: