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Der Wolfsmensch – The Wolf Man: Wenn das Wolfskraut blüht

03 Dez

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The Wolf Man

Von Volker Schönenberger

Even a man who is pure in heart, and says his prayers by night,
may become a wolf when the wolfbane blooms and the autumn moon is bright.

Horror // Zugegeben: Nach heutigen Maßstäben sehen die Maske und das Kostüm des 1941er-Werwolfs eher putzig aus. Aber wer weiß, wie es auf die damaligen Kinogänger gewirkt haben mag, wie Lon Chaney Jr. als unglückseliger Wolfsmensch Larry Talbot durch die von Nebelschwaden durchdrungenen Waldkulissen gestapft ist? Mit etwas, gar nicht mal allzu viel gutem Willen stellt sich auch bei modernen Filmguckern das Gefühl wohligen Schauders ein.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass zwischen 1941 und heute das Jahr 1981 lag, in dem ein gewisser Rick Baker die bahnbrechenden Make-up-Effekte für John Landis‘ „American Werewolf“ schuf. Damit setzte er den bis heute gültigen Maßstab für Werwölfe im Kino. Als Lohn erhielt Baker seinen ersten Oscar, dem sechs weitere folgten. Mit dem siebten Academy Award schloss sich 2011 der Kreis: Baker erhielt ihn fürs Make-up von „Wolfman“ mit Benicio Del Toro, dem Remake des 1941er-Films.

Der Spazierstock mit dem Wolfskopf

Womit wir wieder bei George Waggners „Der Wolfsmensch“ angelangt sind, der zeitlich irgendwann im frühen 20. Jahrhundert angesiedelt ist: 18 Jahre nach seiner Emigration in die USA kehrt Larry Talbot in seine Heimat Wales zurück. Sein älterer Bruder war bei einem Unfall gestorben, nun soll sich Larry darauf vorbereiten, seinen Vater Sir John (Claude Rains) als Herr über das Anwesen abzulösen. Durch ein Fernrohr verguckt er sich in die junge Gwen Conliffe (Evelyn Ankers), kauft tags darauf bei ihr einen Spazierstock mit einem silbernen Wolfskopf als Knauf.

Den Spazierstock braucht Larry bald darauf: Abends spaziert er mit Gwenn und deren Freundin Jenny (Fay Helm) durch den Wald. Jenny will sich vom Zigeuner Bela (Bela Lugosi) die Zukunft voraussagen lassen, doch nach einem Blick in ihre Handfläche schickt der sie erschreckt fort – er hatte darin ein Pentagramm aufblitzen gesehen. Kurz darauf wird Jenny von einem Wolf angefallen. Larry eilt hinzu, wird selbst gebissen, erschlägt das Tier aber mit seinem Spazierstock. Er verliert das Bewusstsein. Vom Wolf fehlt jede Spur, doch werden zwei Leichen im Wald entdeckt: die von Jenny und die des Zigeuners Bela …

Die Universal-Monster

Zwischen Mitte der 1920er-Jahre und 1958 ließen die Universal-Studios den Horrorfilm erblühen. „Der Glöckner von Notre Dame“ (1923) und „Das Phantom der Oper“ (1925), beide mit Lon Chaney Sr., legten den Grundstein, bevor Universal 1931 mit Bela Lugosis Darstellung des Vampirfürsten „Dracula“ und Boris Karloffs Verkörperung des Monsters von „Frankenstein“ die Taktzahl erhöhte, ein Jahr später gefolgt von „Die Mumie“ und „Der Unsichtbare“. „Der Wolfsmensch“ zeigt aber mitnichten den ersten Werwolf des Studios – das war 1935 „Der Werwolf von London“ mit Henry Hull in der Titelrolle. Lon Chaney Jr. aber drückte Larry Talbot alias „Wolf Man“ seinen Stempel auf, verkörperte ihn weitere vier Mal: in „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“ (1943), „Frankensteins Haus“ (1944) und „Draculas Haus“ (1945) sowie der Parodie „Abbott und Costello treffen Frankenstein“ (1948).

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Der Wolfsmensch geht auf die Jagd

Nicht der Mond ist’s, der in „Der Wolfsmensch“ den Werwolf im Menschen erwachen lässt – die Pflanze Wolfskraut (im Original: „Wolfbane“) verursacht die Gestaltwandlung; gemeint ist entweder Eisenhut/Wolfswurz, Wolfs-Eisenhut oder Echte Arnika. Eine Infektion ist es aber auch in diesem Fall: Zum Werwolf wird, wer von einem anderen Werwolf gebissen wurde. Diesen Mythos etablierte der 1941er-Film ebenso wie den, dass der Werwolf nur durch Silber getötet werden kann, sei es eine Silberkugel, sei es der silberne Knauf eines Spazierstocks. Der Vollmond als Ursache des Übels sollte erst zwei Jahre später in der ersten Fortsetzung „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“ etabliert werden.

Larry Talbot windet sich. Als moderner Mensch mit 18 Jahren US-Erfahrung will er die alten Mythen seiner walisischen Heimat nicht wahrhaben, muss aber erkennen, dass er Teil davon geworden ist. Das ist mit viel Gefühl für die Figur inszeniert und gespielt, wir hoffen und bangen auch heute noch mit dem Bedauernswerten und seinen Nächsten. Die schön-schummrigen Kulissen und der dramatische Score tragen ihr Teil dazu bei, dass auch heutige Filmgucker „Der Wolfsmensch“ als klassisches Gruselstück mit viel Freude schauen können, wenn sie vom modernen Horrorfilm nicht allzu abgebrüht und abgestumpft sind. Einige Techniken und Methoden wirken natürlich veraltet, das nimmt dem Film aber nichts von seinem Charme. Wenn man den technischen Fortschritt seit damals etwas außer Acht lässt, beeindruckt die mittels Überblendung inszenierte Gestaltwandlung immer noch. „Der Wolfsmensch“ war nicht der erste Werwolf-Film, aber derjenige, der diese Kreatur nachhaltig auf der Kinoleinwand etablierte. Diesen Status kann ihm niemand nehmen. Als ersten Werwolf-Auftritt der Filmgeschichte listet eine Aufzählung bei Wikipedia den 18-minütigen US-Stummfilm „The Werewolf“ von 1913.

„Der Wolfsmensch“ ist als DVD und Blu-ray in Deutschland in mehreren Fassungen in anständiger Qualität erschienen, wobei ich mangels Sichtung der Blu-ray keine Auskunft darüber geben kann, ob der HD-Transfer eine deutliche Verbesserung der Bild- und Tonqualität mit sich bringt. „Die Nacht der lebenden Texte“-Stammautor Andreas Eckenfels bestätigte aber, dass die Filme es in vorzüglicher Restaurierung auf Blu-ray geschafft haben.

Tipp: The Monster Legacy DVD Collection

Im Bonusmaterial des Films findet sich die hochinteressante halbstündige Doku „Monster by Moonlight! The Immortal Saga of The Wolf Man“ mit Regisseur John Landis als Sprecher. Die beste DVD-Edition stellt die „The Monster Legacy DVD Collection“ dar, weil sie nicht nur drei Büsten (Dracula, Frankensteins Monster und der Wolfsmensch) enthält, sondern satte 18 Filme: fünf „Dracula“-Filme, fünf „Frankenstein“-Filme, vier „Wolfsmensch“-Filme sowie „Der Schrecken vom Amazonas“ (1954), „Der Unsichtbare“ (1933), „Phantom der Oper“ (1943) und „Die Mumie“ (1932). Nachteil: Die Box ist im Handel seit Jahren vergriffen und auf dem Sammlermarkt vergleichsweise teuer. In welcher Fassung auch immer: „Der Wolfsmensch“ gehört in jede gut sortierte Sammlung klassischer Schwarz-Weiß-Horrorfilme, in jede gute Sammlung von Werwolf-Filmen sowieso.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lon Chaney Jr. und/oder Bela Lugosi sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Veröffentlichung: 2. Oktober 2014 als Blu-ray in der limitierten „Monsters Collection“ (Box in Sargform, 8 Filme) und Einzel-Blu-ray, 7. März 2013 als Blu-ray in der „Monsters Collection“ (8 Filme), 11. Februar 2010 als 2-Disc Special Edition DVD, 14. Oktober 2004 als DVD in der „The Monster Legacy DVD Collection“ (18 Filme, 3 Deko-Büsten) 6. Mai 2004 als DVD, 16. Januar 2003 als DVD in der „Classic Monster Collection“ (Box in Sargform, 8 Filme)

Länge: 70 Min. (Blu-ray), 67 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch u. a.
Originaltitel: The Wolf Man
USA 1941
Regie: George Waggner
Drehbuch: Curt Siodmak
Besetzung: Lon Chaney Jr., Claude Rains, Bela Lugosi, Warren William, Ralph Bellamy, Bela Lugosi, Patric Knowles, Maria Ouspenskaya, Evelyn Ankers, Fay Helm
Zusatzmaterial: „Monster im Mondlicht: Eine originelle Dokumentation“ (32:37), Audiokommentar mit Tom Weaver, Die Wolf-Man-Archive (6:46), Original-Kinotrailer, nur Blu-ray: „100 Jahre Universal – Das Studiogelände (9:25), „The Wolf Man – Vom alten Fluch zum modernen Mythos“ (10:08), „Mit reinem Herzen – Leben und Erbe von Lon Chaney Jr. (36:53), „Der Schöpfer der Monster – Das Leben und die Kunst von Jack Pierce (25:02)
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshots: © Universal Pictures Germany GmbH

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2 Antworten zu “Der Wolfsmensch – The Wolf Man: Wenn das Wolfskraut blüht

  1. Michael Behr

    2016/12/03 at 22:10

    Die Monster Legacy Collection ist wirklich ein Quell der Freude für jeden Freund klassischen Grusels, auch wenn die Wolfsmensch-Filme eher zu den schwächeren Vertretern gehören.

     
  2. FilmkritikenOD

    2016/12/03 at 18:32

    Die DVD-Boxen sehen echt großartig aus, aber würde mir die FIlme wahrscheinlich eh nie wieder anschauen. Mal schauen, wie die geplanten Remakes werden.

     

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