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11.22.63 – Der Anschlag: Was wäre, wenn …?

04 Dez

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11.22.63

Von Andreas Eckenfels

Mystery-Miniserie // Der Titel „11.22.63“ markiert eines der großen Traumata der USA: Am 22. November 1963 wird US-Präsident John F. Kennedy in Dallas, Texas von einem Scharfschützen mit zwei Gewehrschüssen tödlich getroffen. Seine Ermordung erschüttert die gesamte Nation bis ins Mark und wird sie für immer verändern. Um die wahren Drahtzieher des Anschlags ranken sich seitdem zahlreiche Gerüchte. War der Tatverdächtige Lee Harvey Oswald, der zwei Tage nach seiner Verhaftung vom Nachtclubbesitzer Jack Ruby getötet wurde, ein Einzeltäter? Oder war alles in Wirklichkeit eine groß angelegte Verschwörung, wie es etwa auch Oliver Stone in seinem Drama „J.F.K. – Tatort Dallas“ vermutet?

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Jake lernt die Bibliothekarin Sadie kennen

Auch Autor Stephen King fühlte sich von dem Trauma verfolgt. Bereits 1973 hatte der damalige Highschool-Lehrer die Idee, einen Roman über den Anschlag zu schreiben. Damals kam er nur 14 Seiten weit. Die Wunden, die der Tod von John F. Kennedy in der amerikanischen Seele hinterließ, seien zehn Jahre danach noch zu frisch gewesen. Also dauerte es weitere 40 Jahre, bis King schließlich 2013 den Roman „Der Anschlag“ veröffentlichte. Er entwickelt darin ein spannendes „Was wäre, wenn“-Szenario: Ein Lehrer reist aus der Gegenwart zurück in der Zeit, um das Attentat auf Kennedy zu verhindern. Die Rechte an der Roman-Adaption sicherte sich J. J. Abrams‘ Produktionsfirma „Bad Robot“. Die achtteilige Miniserie wurde auf der amerikanischen Video-on-Demand-Plattform Hulu erstausgestrahlt. In Deutschland war „11.22.63 – Der Anschlag“ auf dem Pay-TV-Sender Fox zu sehen.

Zurück in die 60er-Jahre

Der Englischlehrer Jake Epping (James Franco) muss sich gleich von zwei Schicksalsschlägen erholen: Sein Vater ist gerade gestorben, zudem muss Jake die Scheidung von seiner Frau verkraften. Sein Freund Al Templeton (Chris Cooper) bringt ihn auf andere Gedanken und traut Jake ein streng gehütetes Geheimnis an: In seinem Restaurant befindet sich ein Zeitreiseportal, welches ihn jedes Mal exakt an denselben Moment des 21. Oktobers 1960 transportiert. Egal, wie lange er sich in der Vergangenheit aufhält, wenn er zurückkehrt, sind gerade mal zwei Minuten in der Gegenwart vergangen. Seit seiner Entdeckung hat sich Al ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Er will das Attentat auf John F. Kennedy verhindern. Wäre der Mord nicht geschehen, hätte seiner Meinung nach der Vietnamkrieg niemals stattgefunden, in dem er kämpfte und viele Kameraden ihr Leben ließen.

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Jake und Sadie auf der Flucht

Da Al schwer erkrankt ist, soll nun Jake sein Lebenswerk übernehmen. Nach anfänglichen Zweifeln willigt Jake ein. Al gibt ihm sein gesammeltes Recherche-Material und brauchbare Tipps für das Leben in den 60er-Jahren mit auf den Weg. Jake hat drei Jahre Zeit, sich ein neues Leben aufzubauen und mehr über die Hintergründe des geplanten Anschlags zu ergründen. In dieser Zeit befreundet er sich unter anderem mit Lee Harvey Oswald (Daniel Webber) und geht ein Verhältnis mit der hübschen Bibliothekarin Sadie Dunhill (Sarah Gadon) ein. Doch bald bemerkt Jake auch die negativen Randerscheinungen der Zeitreise: Immer wenn er versucht, die Vergangenheit zu ändern, setzt sich diese gewaltsam zur Wehr.

Ab in den Kaninchenbau

Wie fast alle Filme – oder in diesem Falle Serien –, die mit der Zeitreise-Thematik spielen, hat auch „11.22.63“ mit ein paar Logiklöchern zu kämpfen. Überhaupt nicht geklärt wird etwa, wie der „Kaninchenbau“ funktioniert, wie Al das Portal liebevoll nennt. Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Obwohl der knapp 1000-seitige Roman auf eine Laufzeit von siebeneinhalb Stunden eingedampft wurde, fängt die Serie die Essenz der Geschichte bestens ein und lässt auch genügend Raum für Nebenschauplätze ohne ausufernd zu wirken. Dabei hilft die hervorragende Besetzung rund um James Franco („The Interview“). Er selbst führte auch in einer der Folgen Regie.

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In der Bevölkerung brodelt es gewaltig

Die Reise zurück in die 60er beginnt nostalgisch – die Ausstattung stimmt. Jake genießt es, in seine Rolle als Lehrer einzutauchen und trifft immer wieder auf historische Figuren. Wenn etwas schiefgeht, fängt er eben mit neu gewonnener Erfahrung wieder von vorn an, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Doch je tiefer er sich in die Nachforschungen einarbeitet, desto mehr wird seine Aufgabe für ihn zur Obsession. Zudem hat er Probleme, sein Doppelleben unter Verschluss zu halten.

Die dunklen Seiten Amerikas

Die bis auf den überlangen Pilotfilm knapp einstündigen Folgen zeichnen dabei kein rein positives Bild der Kennedy-Ära. Immer wieder gerät Jake mit dem damaligen Wertevorstellungen oder den geltenden Rassenverhältnissen in Konflikt. Die Kuba-Krise bereitet im Hintergrund Sorgen. Auch unter der Bevölkerung brodelt es gewaltig – wie man nicht nur an Lee Harvey Oswald, sondern auch an dem gewalttätigen Frank Dunning (Josh Duhamel) sieht. Für Jake stellt sich die Frage: Verändert sich Amerika wirklich zum Besseren, auch wenn John F. Kennedy nicht getötet wird? Hätte Kennedy überhaupt die Eskalation des Vietnamkonflikts verhindert?

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Jake muss sich zur Wehr setzen, um seine Tarnung aufrechtzuerhalten

Für eine leichte Portion Grusel und Mystery sorgen die Rückschlage der Vergangenheit, die sich ganz unterschiedlich manifestieren können. Das clever-spannende Gedankenspiel endet in einem packenden Finale – natürlich am 22. November 1963 in Dallas.

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Lee Harvey Oswald nimmt John F. Kennedy ins Visier

Stephen King bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976)
Shining (1980, Rezension folgt in Kürze)
Christine (1983)
Dead Zone (1983)
Werwolf von Tarker Mills (1985)
Manchmal kommen sie wieder (1991)
Carrie (2013)
Mercy – Der Teufel kennt keine Gnade (2014)
Stephen King’s A Good Marriage (2014)
11.22.63 – Der Anschlag (2016)

Veröffentlichung: 17. November 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 439 Min. (Blu-ray), 422 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte u. a.
Originaltitel: 11.22.63
USA 2016
Regie: Kevin Macdonald, Fred Toye, James Franco u. a.
Drehbuch: Bridget Carpenter basierend auf dem Roman „Der Anschlag“ von Stephen King
Besetzung: James Franco, Sarah Gadon, George MacKay, Chris Cooper, Daniel Webber, Cherry Jones, Josh Duhamel, T. R. Knight
Zusatzmaterial: Featurette „Wenn die Zukunft zurückschlägt“, Wendecover
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2016 Warner Home Video

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