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Free State of Jones – Unbekanntes Kapitel des Amerikanischen Bürgerkriegs

12 Dez

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Free State of Jones

Von Andreas Eckenfels

Historien-Kriegsdrama // Ende November gab das „Forbes“-Magazin die zehn größten finanziellen Kinoflops des Jahres bekannt. Noch vor „Snowden“, „Ratchet & Clank“ und „Stolz und Vorurteil & Zombies“ landete „Free State of Jones“ mit Matthew McConaughey auf Platz zwei der Liste.

Bei einem Produktionsbudget von 50 Millionen US-Dollar spielte das Bürgerkriegsdrama weltweit gerade mal 23,2 Millionen US-Dollar ein. Auch Oscar-Preisträger sind eben nicht vor Flops gefeit. Aber die Tatsache, dass niemand den Film im Kino sehen wollte, muss das ja noch lange nichts über dessen Qualität aussagen, oder?

Rebellion gegen die Konföderation

1862 tobt der Amerikanische Bürgerkrieg (1861–1865). Farmer Newton Knight (Matthew McConaughey) aus Jones County, Mississippi, ist als Sanitätssoldat für die Südstaaten an der Front im Einsatz. Als sein Neffe Daniel (Jacob Lofland) fällt, beschließt Knight zu desertierten. Er bringt die Leiche des Jungen nach Hause und kehrt zu seiner Frau Serena (Keri Russell) zurück.

MATTHEW McCONAUGHEY stars in THE FREE STATE OF JONES

Newton Knight (l.) und sein Neffe Daniel kämpfen auf der Seite der Konföderationsstaaten

Dort erfährt Knight, dass die Vertreter der Konföderierten hohe Abgaben von der Landbevölkerung fordern, um ihre Truppen zu unterstützen. Gleichzeitig hat die Südstaaten-Regierung als Reaktion auf Abraham Lincolns Emanzipations-Proklamation das sogenannte Zwanzig-Neger-Gesetz erlassen. Dieses Gesetz stellt einen männlichen Weißen pro zwanzig Sklaven vom Wehrdienst frei. So wurden die reichen Großgrundbesitzer geschützt. Ihre Sklaven konnten weiterhin die kostbare Baumwolle ernten und blieben ebenso unter der Kontrolle ihrer Eigentümer, falls sie es wagen sollten, aufmüpfig zu werden.

Die Utopie eines Staates der Gleichberechtigung

Der Unmut bei Knight kennt nun keine Grenzen. Der Deserteur beginnt, sich gegen die Obrigkeit zur Wehr zu setzen. Was als kleine Rebellion in den Sümpfen von Mississippi beginnt, wächst zu einer ganzen Bewegung zusammen, der sich nach und nach immer mehr geflüchtete Schwarze und desillusionierte Weiße anschließen. Newton und seinen Männern gelingt es, die Konföderierten aus Jones County zu vertreiben. Schließlich ruft er den unabhängigen Staat „Free State of Jones“ aus, indem die Menschen gleichberechtigt und friedlich miteinander leben sollen – egal welche Hautfarbe sie haben.

In a barn with the freedmen, Newt (Matthew McConaughey tells Moses (Mahershala Ali) there's a new president now.

Deserteur Newton bereitet mit Moses (l.) und anderen Verbündeten eine Rebellion vor

„Fackeln im Sturm“ (1985/86), „Glory“ (1989) oder „Gettysburg“ (1993): Nach der umfangreichen Aufarbeitung des Sezessionskrieges durch die Historiker haben sich auch zahlreiche Filmemacher an dem Thema abgearbeitet. Doch tatsächlich gelingt es Regisseur Gary Ross („Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein“), mit der Geschichte von Newton Knight ein bislang unbekanntes Kapitel des Amerikanischen Bürgerkriegs zu erzählen.

Fast wie Robin Hood

Nach einigen Schlachtenszenen zu Beginn wird das Geschehen größtenteils nach Mississippi verlagert, wo Knight seinen eigenen Krieg für die Unterdrückten führt. Wenn er und seine Anhänger sich in den Sümpfen verstecken, um vor möglichen Angriffen durch die Kavallerie geschützt zu sein, und dann den Konföderierten-Truppen am Weg auflauern, muss man unweigerlich an Robin Hood denken. Doch Lagerfeuerromantik kommt keine auf. Dafür ist das Thema auch viel zu ernst.

At a millpond, Barbour (Bill Tangradi) and McLemore (Thomas Francis Murphy) and their soldiers wait for the rebels to surrender.

Vor der zahlen- und ausstattungsmäßigen Überlegenheit der Konföderiations-Soldaten …

Unter anderem basierend auf dem Sachbuch „The State of Jones“ von Sally Jenkins und John Stauffer wird die historische Begebenheit von Ross spannend, authentisch und faktenreich aufgearbeitet. McConaughey liefert als Freiheitsheld mit Backenbart dabei eine gewohnt überzeugende Vorstellung ab. Sehr emotional ist das Spiel von Mahershala Ali („House of Cards“) als Moses Washington, der noch ein beängstigend großes, eisernes Sklavenhalsband trägt, als Knight ihn erstmals trifft.

Sprung in die Zukunft

Ross beschränkt sich nicht darauf, Knight vorzustellen. Er packt auch zahlreiche Randerscheinungen der Zeit und die Nachwirkungen von Knights Schaffen mit in die Geschichte hinein – was das Drehbuch unnötig überfrachtet. Das geht sogar so weit, dass die Haupthandlung immer wieder kurzzeitig in die Zukunft springt: Knight hatte mit der Afro-Amerikanerin Rachel (Gugu Mbatha-Raw) Kinder. Rachels Urenkel Davis Knight wurde Ende der 1940er-Jahre nach seiner Heirat mit einer weißen Frau wegen „Rassenmischung“ angeklagt – weil er wenigstens zu einem Achtel Schwarzer sei. Die Gerichtsverhandlung würde sicherlich genügend Stoff für einen eigenen Film bieten.

Zu viel Stoff, zu wenig Zeit

Auch die Phase der „Reconstruction“, die die Übergangsperiode nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs bis 1877 bezeichnet, hat viele spannende Geschichten zu bieten, die Ross trotz der mehr als zweistündigen Laufzeit nur andeuten kann.

Newt (Matthew McConaughey) and his men (Sean Bridgers, left, Artrial Clark, right) in a gun battle on the main street in downtown Ellisville

… lassen sich Newton und seine Männer nicht abschrecken

So zerfällt das Historiendrama in der zweiten Hälfte zunehmend in Einzelepisoden, die teilweise auch durch statische Bilder mit Texttafeln zur Einordnung eingeleitet werden. Da Ross dabei auch inszenatorisch nicht mehr viel Neues einfällt, wirkt alles etwas wie Kapitel in einem Schulbuch, die der Filmemacher abarbeitet. Dennoch: Wer historisch interessiert ist, erhält mit „Free State of Jones“ einen eindringlichen und ungewöhnlichen Blick auf den Amerikanischen Bürgerkrieg und lernt eine Persönlichkeit kennen, die weit entfernt von den bekannten Schlachtfeldern eigene Kämpfe für mehr Menschlichkeit ausgefochten hat.

Matthew McConaughey bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Mud – Kein Ausweg (2012)
Dallas Buyers Club (2013, Kino)
Dallas Buyers Club (2013, Heimkino)
The Wolf of Wall Street (2013)
Interstellar (2014, Kino)
Interstellar (2014, Heimkino)
True Detective (2014)
Free State of Jones (2016)
Kubo – Der tapfere Samurai (2016)

Seated on Newt & Rachel's porch, when Rachel's (Gugu Mbatha-Raw) wheel jams, Serena (Keri Russell) offers to hold the baby so Rachel can fix the wheel.

Newtons Ehefrau Serena (l.) und seine spätere Geliebte Rachel

Veröffentlichung: 10. November 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 140 Min. (Blu-ray), 134 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Free State of Jones
USA 2016
Regie: Gary Ross
Drehbuch: Gary Ross, Leonard Hartman
Besetzung: Matthew McConaughey, Mahershala Ali, Keri Russell, Gugu Mbatha-Raw, Christopher Berry, Sean Bridgers, Jacob Lofland, Thomas Francis Murphy
Zusatzmaterial: Interviews, Wendecover
Vertrieb: EuroVideo Medien

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 EuroVideo Medien

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Eine Antwort zu “Free State of Jones – Unbekanntes Kapitel des Amerikanischen Bürgerkriegs

  1. derfilmaffe

    2016/12/14 at 16:25

    Stimme Dir zu: Die Geschichte hatte viel zu wenig Zeit, aber die Person Newton Knight und sein Leben ist sehr interessant. Trotz dieser inhaltlichen Defizite, ist der Film aber um Längen besser als so manch anderer Vertreter des Genres („Historische Biopics“ – nenn ich das jetzt mal 😉 ). Hier mal mein Eindruck: http://filmaffe.de/free-state-of-jones-2015/

     

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