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Captain Future – Komplettbox: Das Weltraum-Fieber ist zurück

17 Dez

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Kyaputen Fyūchā

Von Andreas Eckenfels

SF-Zeichentrickserie // Noch bevor ich mit „Raumschiff Enterprise“ in unendliche Weiten vorstoßen und mit „Krieg der Sterne“ in einer weit, weit entfernten Galaxis märchenhafte Abenteuer erleben sollte, brachte mir Anfang der 80er-Jahre eine TV-Serie die Faszination Weltraum näher: „Captain Future“, die ab 1980 auf dem ZDF und später auf SAT.1 ausgestrahlt wurde.

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Die „Comet“ nimmt Kurs auf einen neuen Planeten

Neben den tschechischen Märchenklassikern und den Weihnachts-Vierteilern wie „Patrick Pacard“ waren japanische Trickserien – heute nennt man sie Animes – für meine Kindheit prägend: Erinnern kann ich mich noch, dass ich gern „Calimero“, „Sindbad“ und „Kimba, der weiße Löwe“ schaute – aber „Captain Future“ übertraf alles. Die Animationen und der Zeichenstil waren fast identisch. Aber hier gab es echte Helden, die spannende Abenteuer auf fremden Planeten erlebten und viel Technikgefasel, das überaus wichtig klang. Alles an der Serie wirkte erwachsener und aufregender als anderswo und es gab nicht so traurige Geschichten wie bei „Marco“, dem kleinen Jungen, der sich auf die Suche nach seiner Mutter macht, sie aber irgendwie nie fand. Ja, irgendwo in einem alten Karton im Keller muss auch noch das volle „Captain Future“-Stickeralbum von Panini liegen.

Mit zunehmendem Alter entdeckte man eben doch „Raumschiff Enterprise“ und „Krieg der Sterne“ – und „Captain Future“ geriet langsam in Vergessenheit. Immerhin: Die grandiose Titelmusik hatte ich auf meinem alten Smartphone noch als Weckmelodie eingestellt. Der sphärische Frauengesang, der langsam lauter wird, war zum sanften Aufwachen perfekt. Aber sonst hatte ich schon lange nicht mehr an die Zeichentrickserie gedacht – bis Universum Film eine neue remasterte Komplettbox auf DVD und erstmals auch auf Blu-ray ankündigte.

Vom Comic-Held auf den Fernsehschirm

Die Ursprünge der Serie gehen bis 1939 zurück: Der US-Comicautor Mort Weisinger erdachte mit „Mr. Future, Wizard of Science“ einen mutierten Superhelden, der mit einer kleinen Besatzung Abenteuer im Weltraum erlebte. Science-Fiction-Autor Edmond Hamilton modifizierte die Idee und schrieb 13 der insgesamt 17 „Captain Future“-Romane, die zwischen 1940 und 1944 in den USA veröffentlicht wurden. In Deutschland erschienen einige dieser Romane in den 1950ern unter dem Titel „Captain Zukunft“ im Erich Pabel Verlag. Von 1981 bis 1984 wurden 15 Romane bei Bastei-Lübbe veröffentlicht, ab 2011 erschien schließlich eine Gesamtausgabe im Golkonda-Verlag.

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Captain Future (M.), Grag und Joan im Einsatz

Ende der 70er-Jahre machte sich das japanische Studio Toei Animation an eine freie Adaption der „Captain Future“-Romanen. Nach dem Erfolg von „Star Wars“ konnte man die Space Opera auch gut ins Ausland verkaufen.

Kürzungen und Neukomposition

Die Vorfreude war groß, aber es gab natürlich auch Zweifel, als ich die erste Scheibe der Komplettbox einlegte: Kann die Zeichentrickserie heute noch überzeugen oder sollte ich meine nostalgischen Kindheitserinnerungen lieber aus dem Gedächtnis streichen?

Damals war natürlich hierzulande nichts darüber bekannt, dass die deutschen Folgen für die TV-Ausstrahlung teils massiv gekürzt wurden. In Japan wurden 52 etwa 25-minütige Folgen produziert. Je vier dieser Episoden ergaben eine der insgesamt 13 „Captain Future“-Geschichten. In Deutschland wurden die vier Folgen auf drei zusammengeschnitten. So verringerte sich die Laufzeit von etwa 100 auf zirka 75 Minuten. Lediglich die Geschichte „Das Geheimnis der sieben Steine“ wurde komplett gezeigt. Dafür erhielt „Sternstraße zum Ruhm“ nie eine deutsche Synchronisation. Somit gab es insgesamt 40 deutsche Folgen.

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Die tapfere Crew mit unter anderem Otto (r.) und dem „Gehirn“ (o. l.) steht Captain Future zur Seite

Auch die Musik musste komplett geändert werden: Während diese in der Originalversion mit ihrem Gesang und Easy-Listening-Tönen eher nach „Love Boat“ klingt, wurde in Deutschland Christian Bruhn mit einer kompletten Neukomposition beauftragt, da das angelieferte Filmmaterial nicht wie üblich über mehrere Tonspuren verfügte. Sein atmosphärischer Soundtrack ist der große Pluspunkt der deutschen Fassung und bis heute unvergessen.

Comet zieht lautlos seine Kreise

Und diese futuristischen Klänge waren es auch, die mich sofort wieder in die Handlung reinzogen. Nach Sichtung der ersten zwei Geschichten, also der ersten sechs Folgen, musste ich mich erst mal bremsen, dass ich nicht weiterschaue. Alles kommt einem sofort vertraut vor. Die tollen Weltraumbilder, in der das Raumschiff „Comet“ fast lautlos seine Kreise zieht. Die galaktischen und actiongeladenen Abenteuer, die mehr an die Missionen von „Raumschiff Enterprise“ statt an „Krieg der Sterne“ erinnern, und natürlich die Crew, die Captain Future tatkräftig unterstützt: Roboter Grag mit der hallenden Stimme, Androide Otto, der seine Gestalt wandeln kann und in Deutschland von dem markigen Wolfgang Völz gesprochen wird, und Wissenschaftler Professor Simon Wright, der als lebendes Gehirn durch die Gegend schwebt – was ich schon immer ein wenig gruselig fand, mich aber auch faszinierte. Dazu gesellten sich natürlich unter anderem noch die süße Agentin Joan und der Junge Ken Scott.

Freie Fassungsauswahl

Wer damals mit „Captain Future“ aufgewachsen ist, den wird auch wieder das Weltraum-Fieber packen. Die Kürzungen und Handlungssprünge merkt man zwar heute deutlicher als früher, aber dies dürfte die wahren Fans nicht stören. Sie bekommen mit der Komplettbox die deutschen TV-Fassungen in bestmöglicher Qualität. Leider hatte ich zur Rezension nicht die derzeit exklusiv nur bei Amazon erhältliche limitierte Blu-ray-Edition zur Verfügung, auf der sich zusätzlich auch alle 52 Folgen in japanischer Sprache mit deutschen Untertiteln mit der Originalmusik in einer schmucken Verpackung befinden. Einen Vergleich zwischen den Fassungen kann ich deshalb nicht liefern. Bei dem stolzen Preis von 199 Euro überlegt sich jeder Fan zweimal, ob der Aufpreis für die Box, die wie die Gürtelschnalle von Captain Future designt ist, gerechtfertigt ist. Ob einem die rundere Handlung wichtiger ist und man dafür die unpassend wirkende Musik in Kauf nimmt, muss jeder selbst entscheiden. Aber vorerst wird es wohl die einzige Möglichkeit sein, die legendären Zeichentrick-Abenteuer ungeschnitten zu erleben.

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Captain Future im Schutzanzug

Allen anderen wird die reguläre „Captain Future“-Komplettbox mit 40 Folgen wohl ausreichen, um noch einmal mit der „Comet“ ins All durchzustarten. Wer nur einmal reinschnuppern will, ob auch bei ihm wieder ein nostalgisches Gefühl einkehrt, für den gibt es mit „Captain Future – Vol. 1“ die ersten zwölf Folgen auf DVD und Blu-ray. Ausgabe zwei dieser vierteiligen Reihe erscheint mit weiteren Folgen am 27. Januar 2017.

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Veröffentlichung: 9. Dezember 2016 als Limited Collector’s Edition Blu-ray-Komplettbox, als Blu-ray- und DVD-Komplettbox (Folgen 1 bis 40), Vol. 1 (Folgen 1 bis 12) auf Blu-ray und DVD

Länge: ca. 1000 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Kyaputen Fyūchā
Internationaler Titel: Captain Future
F/BRD/JAP 1978/79
Regie: Tomoharu Katsumata
Drehbuch: diverse
Deutsche Sprecher: Hans-Jürgen Dittberner, Friedrich G. Beckhaus, Wolfgang Völz, Anita Kupsch, Jochen Schröder, Helmut Krauss
Zusatzmaterial Komplettbox und Limited Collector’s Edition: Serienspecial „Sternenstraße zum Ruhm“ (OmU)., nur Limited Collector’s Edition: alle 52 japanischen Folgen (ungeschnitten, OmU), hochwertige Sonderverpackung mit exklusiven Extras, u. a. „Captain Future“-Notizblock
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Universum Film

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Eine Antwort zu “Captain Future – Komplettbox: Das Weltraum-Fieber ist zurück

  1. Alexander Theissl

    2017/06/03 at 15:18

    Habe die Serie damals geliebt . Dank Captain Futur weiß ich den Unterschied zwischen Gut und Böse , Love it

     

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