RSS

Gefahr aus dem Weltall – Jack Arnolds starker Science-Fiction-Start

19 Dez

gefahr_aus_dem_weltall-packshot-br

It Came from Outer Space

Von Volker Schönenberger

Der folgende Text enthält Spoiler.

SF-Horror // In romantischer Nacht raspelt der Autor John Putnam (Richard Carlson) mit seiner Freundin Ellen Fields (Barbara Rush) im beschaulichen Sand Rock in Arizona Süßholz. Als Hobbyastronom, der er ist, will er der Lehrerin gerade durch sein Teleskop ein paar Sterne zeigen, da saust ein Himmelskörper über ihre Köpfe hinweg und prallt in der Wüste auf. Ein Meteorit? Mitnichten – das Objekt entpuppt sich als Raumschiff, wie John feststellt, als er in den Krater des Einschlags hinabsteigt. Doch ein Erdrutsch verschüttet den Fund. Im Ort will ihm niemand glauben, der Zugezogene gilt ohnehin als Außenseiter. Bald darauf verschwinden Menschen und kehren bald darauf sonderbar verändert zurück – bar jeder Gefühle und mit auffällig mechanisch wirkenden Bewegungen.

1953 markiert das Jahr, in dem sich Jack Arnold dem SF-Horror zuwandte. Nach einigen Kurz-Dokus sowie dem Drama „With these Hands“ (1950) und dem Krimidrama „Frauen in der Nacht“ („Girls in the Night“, 1953) inszenierte er mit „Gefahr aus dem Weltall“ den ersten Film in dem Metier, mit dem man ihn seitdem in erster Linie verbindet. Diese Regiearbeiten wie „Der Schrecken vom Amazonas“ („Creature from Black Lagoon“, 1954) und „Tarantula“ (1955) entstanden zumeist unter der Produktion von William Alland, der zuvor als Schauspieler tätig gewesen war. Unter anderem hatte er in Orson Welles‘ „Citizen Kane“ (1941) den Reporter gespielt, der in der Rahmenhandlung das Leben der Titelfigur recherchiert.

Treatment von Ray Bradbury

Im SF-Horror der 1950er-Jahre waren Außerirdische in der Regel bedrohliche Invasoren – mit zwei bedeutsamen Ausnahmen: „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ („The Day the Earth Stood Still“, 1951) von Robert Wise inspirierte den Science-Fiction-Autor Ray Bradbury zu seinem Treatment „The Meteor“, einer Auftragsarbeit für Universal Pictures, die dann von Harry Essex zum Drehbuch für „It Came from Outer Space“ erweitert wurde. Weil der in Hollywood unerfahrene Bradbury mit den Anforderungen an Vorformen von Drehbüchern nicht vertraut war, lieferte er fast schon ein vollwertiges Skript ab – jedenfalls musste Essex nicht mehr viel tun, um es verfilmbar zu gestalten.

gefahr_aus_dem_weltall-3

John und Ellen bemerken den Himmelskörper

Der in „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ vorkommende Außerirdische Klaatu will die Menschheit vor dem Untergang bewahren. Die Aliens in „Gefahr aus dem Weltall“ hingegen sind nur versehentlich auf der Erde gelandet und wollen ihr Raumschiff reparieren, an dessen Antrieb sie tausend Jahre lang gearbeitet haben. Dass sie Menschen gefangen nehmen und deren Gestalt annehmen, um unbehelligt die für die Reparatur erforderlichen Dinge zu beschaffen, lässt ein klein wenig an Don Siegels „Die Dämonischen“ („Invasion of the Body Snatchers“, 1951) denken, doch dort bekommt es die Menschheit tatsächlich mit Invasoren zu tun.

Die Reparatur des Raumschiffs

Im „Times Daily review of It Came From Outer Space“ von 2004 finden sich sehr interessante Erinnerungen Bradburys an die Entstehung von „Gefahr aus dem Weltall“. Der deutsche Titel führt somit etwas in die Irre, denn Gefahr geht in erster Linie von den sich in Gefahr wähnenden Menschen aus, unter denen einzig John Putnam erkennt, dass sich die Situation von selbst auflösen wird, wenn man den Aliens etwas Zeit gibt, ihr Raumschiff instandzusetzen. Der Zuschauer erfährt von den harmlosen Absichten der Außerirdischen bereits nach knapp der Hälfte des Films, wenn eine der Kreaturen in der Gestalt eines Menschen eben diesen Menschen und dessen Arbeitskollegen zu beschwichtigen versucht. Eine kuriose Szene, ebenso wie die, in der Putnam diese beiden bzw. ihre Alien-Doppelgänger in der Stadt verfolgt und in einer Gasse hinter einer Tür stellt. Dort wird ihm erstmals mitgeteilt, dass die Wesen keine bösen Absichten hegen. Glauben musste das der zeitgenössische Kinogänger in dem Moment natürlich noch nicht. Wenn sich die Kreaturen ihren Entführungsopfern nähern, ist das in subjektiver Kameraführung aus Sicht der Aliens zu sehen und mit suggestivem Soundtrack untermalt – durchaus bedrohlich wirkend.

gefahr_aus_dem_weltall-1

Tief im Krater entdeckt John das Raumschiff

Barbara Rush erhielt für ihre Rolle der Freundin des Protagonisten 1954 einen Golden Globe als Newcomer. Zur Karriere als Topstar hat es danach nicht gereicht, fürs Fernsehen hat sie aber bis in dieses Jahrtausend hinein reichlich gearbeitet.

Die 3D-Brille liegt bei – für die Super-8-Fassung!

Koch Films hat „Gefahr aus dem Weltall“ sorgfältig restauriert und mit überaus attraktivem Zusatzmaterial auf Blu-ray veröffentlicht – die Universal-DVD von 2007 ist aber auch noch lieferbar. Der halbstündige Dokumentarfilm „The Universe According to Universal“ von 2002 gibt Aufschluss über die Science-Fiction-Ausflüge der Universal-Studios, ein knapp viertelstündiges Interview mit Regisseur Jack Arnold ist ebenfalls sehr interessant. Der Film war seinerzeit der erste 3D-Film von Universal und ist in 2D und 3D enthalten, wobei ich über die Qualität der 3D-Fassung mangels technischer Ausrüstung keine Angaben machen kann. Erste Kritiken im Netz bescheinigen der 3D-Fassung auf der Blu-ray sehr gute Qualität. Dann schon lieber die Kuriosität, sich die Super-8-Fassung von „Gefahr aus dem Weltall“ in dritter Dimension anzuschauen. Extra dafür liegt der Blu-ray eine Pappbrille mit einer grünen und einer roten Linse bei. Nettes Gimmick! Koch Films hat mit „Gefahr aus dem Weltall“ eine in jeder Hinsicht gelungene Blu-ray-Veröffentlichung abgeliefert.

gefahr_aus_dem_weltall-5

Was verbirgt sich in der Wüste?

Der Film selbst ist über Zweifel erhaben – ein charmanter, wenn auch etwas naiver Klassiker, der trotz einer gewissen Behäbigkeit Spannung verströmt. Seinerzeit sah ihn übrigens ein Bub namens Steven Spielberg im Kino, der sich davon später zu „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ („Close Encounters of the Third Kind“, 1977) inspirieren ließ.

Jack Arnold bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Gefahr aus dem Weltall (1953)
Duell mit dem Teufel (1955)
Die Rache des Ungeheuers (1955)
Tarantula (1955)
Die unglaubliche Geschichte des Mr. C (1957)

gefahr_aus_dem_weltall-4

Angst!

Veröffentlichung: 1. Dezember 2016 als Blu-ray 3D (inkl. 2D-Fassung), 13. April 2006 als DVD

Länge: 80 Min. (Blu-ray), 77 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: It Came from Outer Space
USA 1953
Regie: Jack Arnold
Drehbuch: Harry Essex, nach einer Story von Ray Bradbury
Besetzung: Richard Carlson, Barbara Rush, Charles Drake, Jow Sawyer, Russell Johnson, Kathleen Hughes
Zusatzmaterial: Super-8-Fassung in anaglyphem 3D mit Brille (15:50), deutscher Super-8-Anfang (01:13), deutsches Super-8-Ende (01:05), Audiokommentar, Interview mit Regisseur Jack Arnold (13:36), Dokumentarfilm von 2002: „The Universe According to Universal“ (31:36), Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Trailer 3D & 2D, Teaser, 3D-Pappbrille, Wendecover, O-Card (Vertikalschuber)
Vertrieb Blu-ray: Koch Films
Vertrieb DVD: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

gefahr_aus_dem_weltall-packshot-dvd

Fotos & Packshot Blu-ray: © 2016 Koch Films, Packshot DVD: © 2007 Universal Pictures Germany GmbH

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: