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Wolfsziegel – Ungewöhnliches Tierhorror-Erlebnis in der französischen Einöde

20 Dez

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La tuile à loups

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // Man lernt nie aus: Beim titelgebenden Wolfsziegel handelt es sich um einen auf bestimmte Weise geformten Dachziegel, der bei bestimmten, besonders kalten Windverhältnissen einen Pfeifton verursacht. Der Wolfsziegel war speziell in bestimmten Gebieten Frankreichs verbreitet, sein Ton sollte vor der Gefahr vor Wölfen warnen, die aufgrund des einsetzenden Winters hungerten und deshalb in die dortigen Dörfer vordrangen.

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Tirette erlegt den ersten Wolf

Der wohl bekannteste Film von Regisseur Jacques Ertaud ist das Dokudrama „Sterne am Montblanc“, auch bekannt als „Sterne am Mittag“, Originaltitel: „Les Étoiles de midi“. 1959 bildete er einen der französischen Wettbewerbsbeiträge zur Berlinale. Die TV-Produktion „Wolfsziegel“ entstand Anfang der 70er-Jahre nach einem 1968 veröffentlichten Roman von Jean-Marc Soyez. Sie zeigt das Dasein im Dorf La Jasseix, das sich abgelegen im französischen Zentralmassiv befindet. Der Wintereinbruch schneidet den Ort von der Außenwelt ab. Als eine Bäuerin die Wolfsziegel pfeifen hört, wird ihre Ankündigung, bald würden Wölfe den Ort heimsuchen, nicht ernst genommen, vor allem nicht von Bürgermeister Quinton (Charles Charras). Eine erste Wolfssichtung erweist sich als Fehlalarm – es handelte sich um einen Schäferhund. Doch bald darauf erlegt der junge Tirette (Pierre Guéant) tatsächlich einen Wolf. Es wird nicht der einzige bleiben, der gesichtet wird.

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Der Bürgermeister muss einräumen, dass er falsch lag

Eingefleischte Tierhorror-Fans werden womöglich enttäuscht sein, aber wer sich auf „Wolfsziegel“ einlässt, wird mit einem authentisch wirkenden Drama belohnt, das das karge Leben in der französischen Einöde spürbar macht. Anfangs sind die Einwohnerinnen und Einwohner noch wenig besorgt, doch als sich die Wolfssichtungen mehren und Haustiere gerissen werden, breitet sich die Angst aus. Dieser Spannungsbogen ist sehr überzeugend aufgebaut.

Wurden beim Dreh Wölfe getötet?

Die Wolfsszenen sind beeindruckend inszeniert, ob im Dunkeln, wenn die Tiere als Schemen durch die Gassen huschen, oder im Hellen, wenn sie auch vor Attacken auf Menschen nicht zurückschrecken. Leider ist über die Dreharbeiten nichts bekannt. In manchen Sequenzen scheint es sich um Hunde zu handeln, doch es gibt auch Nahaufnahmen, auf denen die Wölfe gut zu erkennen sind. Bei zwei anderen deutschen Rezensenten ist zu lesen, dass bei den Dreharbeiten echte Wölfe getötet worden sind. Die Aussage entsprang dort aber offenbar nicht bestätigter Kenntnis darüber, sondern einer Vermutung nach Sichtung des Films. Sollte das stimmen, wäre es bedauerlich, aber letztlich ist es vielleicht nur eine Unterstellung.

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Der Pfarrer prüft einen toten Wolf

„Wolfsziegel“ ist dem Vernehmen nach vor geraumer Zeit auch schon im deutschen Fernsehen ausgestrahlt worden. Die deutsche Synchronisation auf der DVD von Pidax Film spricht dafür, macht nicht den Eindruck, neu produziert worden zu sein. Die Disc enthält außer ein paar Trailern keine Extras, auch keine Untertitel. Bild- und Tonqualität sind durchschnittlich. Der Film hätte eine etwas aufwändigere Edition durchaus verdient, aber da er wohl keine großen Käuferschichten anlocken wird, ist es verständlich, dass der Publisher Kosten und Mühen gescheut hat. Mit hierzulande völlig unbekannten Schauspielern gedreht und mit zurückhaltend eingesetztem, spartanischem Soundtrack trefflich untermalt, ist „Wolfsziegel“ sicher nichts für den modernen Horrorfan auf der Suche nach dem nächsten Extrem, bietet aber ein außergewöhnliches filmisches Erlebnis und eine ganz eigene Facette des Tierhorrors. Trotz unspektakulären Auslaufens am Ende doch sehr interessant, und das nicht nur aus filmhistorischer Perspektive.

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Eine Frau wurde angegriffen

Veröffentlichung: 16. Dezember 2016 als DVD

Länge: 92 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: keine
Originaltitel: La tuile à loups
F 1972
Regie: Jacques Ertaud
Drehbuch: Henri Grangé, nach einem Roman von Jean-Marc Soyez
Besetzung: Paul Le Person, Pierre Guéant, Gérard Darrieu, Claude Beauthéac,
Claude Richard, Charles Charras, Marti n Trévières, Jeanne Allard, Paulett e Frantz
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Al!ve AG / Pidax Film

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