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Mechanic – Resurrection: Dennis Gansel kann einem leidtun

28 Dez

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Mechanic – Resurrection

Von Andreas Eckenfels

Actionthriller // In letzter Zeit hat sich Jason Statham etwas aus der ersten Reihe zurückgezogen. In „The Expendables 3“ (2014), „Fast & Furious 7“ (2015) und „Spy – Susan Cooper Undercover“ (2015) begnügte sich der Actionstar damit, seine Muskeln innerhalb eines großen Ensembles spielen zu lassen. Mit der Fortsetzung zu „The Mechanic“ (2011) kehrt der Brite endlich wieder als Leading Man zurück. Der Erstling war ein durchaus ordentliches Remake von „Kalter Hauch“ (1972) mit Charles Bronson. Doch auf einen zweiten Teil hatte man nicht unbedingt gewartet.

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Arthur Bishop muss sein Versteck in Brasilien verlassen …

Arthur Bishop (Jason Statham) ist in Brasilien untergetaucht. Aber lange bleibt der Elite-Killer nicht unerkannt. Eine junge Frau überbringt ihm mit einigen Bodyguards im Schlepptau eine Nachricht: Für seinen Erzfeind Crain (Sam Hazeldine) soll er drei Widersacher aus dem Weg räumen. Bishop denkt gar nicht daran. Ihm gelingt die Flucht. In Thailand kommt er bei seiner alten Bekannten Mei (Michelle Yeoh) unter und lernt dort die hübsche Gina (Jessica Alba) kennen und lieben. Damit geht Crains Plan auf: Er hatte Gina erpresst, damit sie als Lockvogel dient, und lässt sie nun kurzerhand entführen. Somit ist Bishop zähneknirschend dazu gezwungen, innerhalb eines Zeitlimits drei Auftragsmorde rund um den Globus zu begehen und sie gleichzeitig wie Unfälle aussehen zu lassen.

Miese Post-Produktion

Schon im Prolog erkennt man ein großes Problem des Sequels: Offenkundig wurden etliche Szenen vor Greenscreen gedreht und die Hintergründe in der Post-Produktion schlecht in den Film hineinkopiert. So erhalten viele Actionszenen einen extrem künstlichen Look, was sofort ziemlich störend wirkt. Dabei geht besonders in der aufregendsten Sequenz, in der Statham ähnlich wie Tom Cruise in „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (2011) an der Fassade eines Wolkenkratzers herumkraxelt, einiges an Nervenkitzel verloren. Da spielt der Cruise-Blockbuster eben in einer ganz anderen Liga.

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… und kommt bei Freundin Mei auf Thailand unter

Von einem Jason-Statham-Actionthriller erwartet man storytechnisch nicht viel, aber die Geschichte um einen Auftragskiller, der sich zur Ruhe gesetzt hat und durch einen alten Feind zur Rückkehr gezwungen wird, ist nun wirklich ein alter Hut. Dazu ist das Drehbuch äußerst konfus konstruiert, arbeitet jedes Klischee ab und strotzt vor Logiklöchern und Unglaubwürdigkeiten. Von dem erwähnten Zeitdruck, unter dem Bishop steht, ist nicht viel zu spüren. Dafür, dass er die Zielpersonen ausfindig machen, einen genauen Plan ausarbeiten und obendrein in ein anderes Land reisen muss, wirkt er bei seiner Arbeit äußerst entspannt. Dies geht sogar so weit, dass Bishop sich in ein an Alcatraz erinnerndes Inselgefängnis inhaftieren lässt, den darin befindlichen Warlord fix ausschaltet, sich einen Fluchtweg freibombt und elegant ins kühle Nass in die Freiheit springt. Dabei kommt der Killer noch nicht mal ins Schwitzen – er ist eben durch und durch Profi.

Verschenkte Stars

Über all das könnte man hinwegsehen, würde denn die Action stimmen. In dem Punkt jedoch bekommt man in „Mechanic – Resurrection“ auch nichts Neues geboten: Die Kamera bleibt bei den unspektakulären Fights und Schießereien meist auf Statham fokussiert, sodass seine Feinde größtenteils gesichtsloses Kanonen- oder Fäustefutter bleiben und man auch von der Umgebung, in der gekämpft wird, wenig mitbekommt. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass Statham kaum eine Schramme abbekommt und er zwischen den Explosionen noch nicht einmal einen coolen Spruch raushauen darf. Selbst die Fans des durchtrainierten Ex-Kunstturmspringers dürften etwas mehr erwartet haben.

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Dort lernt Bishop die hübsche Gina kennen und lieben

Gegen Ende gelingt es Oscar-Preisträger Tommy Lee Jones („Auf der Flucht“) als mutmaßlichem dritten Opfer, mit Rundbrille und Kinnbärtchen dem bierernsten Streifen ein wenig dringend benötigten Humor zu verleihen. Michelle Yeoh ist nur wenige Minuten dabei und genauso verschenkt wie Jessica Alba. Die Romanze zwischen ihr und Statham wirkt extrem aufgesetzt. Immerhin durfte an Thailands sonnigen Stränden gedreht werden, sodass in den Sequenzen wenigstens ein wenig Urlaubsstimmung aufkommt und Alba mit perfektem Teint in ansprechend geschnittenen Kleidern und im Bikini ihre optischen Reize zur Schau stellen darf – „Into the Blue“ (2005) lässt grüßen.

Aufschlussreiches Drehtagebuch

Die Stars werden sich bei diesem lieblosen Actionthriller und unnötigen Sequel keine blutige Nase holen und freudig ihren Gagenscheck in Empfang genommen haben. Viel mehr tut es einem um Dennis Gansel leid. Für den deutschen Regisseur („Die Welle“, „Die vierte Macht“) markiert „Mechanic – Resurrection“ das Hollywood-Debüt. Sein im Bonusmaterial befindliches „Videotagebuch von den Dreharbeiten“ ist interessanter als der gesamte Film: Eigentlich als Promo gedacht, gibt Gansel hier durch seine Kommentare eher ungewollt recht aufschlussreiche Einblicke darüber, dass ihm beim Dreh offenbar häufig die Kontrolle entzogen wurde. Die Stars mischten sich immer wieder in die Arbeit ein, Gansels Vorschläge wurden häufig abgelehnt und die Drehbuchschreiber kamen kurzfristig mit diversen Änderungen um die Ecke. Dazu fielen auch Szenen der Schere zum Opfer, die etwa die gemeinsame Vergangenheit von Bishop und Crain beleuchten sollten. Sie hätten den Figuren etwas mehr Tiefe gegeben.

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Nach Ginas Entführung ist Bishop dazu gezwungen, drei Auftragsmorde auszuführen

Mit diesem Film wird der Hannoveraner wenig Eigenwerbung für weitere internationale Projekte betreiben können – was aber wohl kaum seine Schuld ist. Er ist nun um eine Erfahrung reicher. In heimischen Gefilden wird Gansel mit der Realverfilmung von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ hoffentlich wieder entspannter und mit wesentlich mehr Spaß bei der Arbeit sein.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jason Statham sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Dritte Zielperson: der Waffenhändler Max Adams (M.)

Veröffentlichung: 27. Dezember 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Mechanic – Resurrection
USA/F 2016
Regie: Dennis Gansel
Drehbuch: Philip Shelby, Tony Mosher
Besetzung: Jason Statham, Jessica Alba, Sam Hazeldine. Michelle Yeoh, Tommy Lee Jones, John Cenatiempo, Toby Eddington, Yayaying Rhatha Phongam
Zusatzmaterial: Entfallene Szenen, Featurettes, Interviews mit Cast & Crew, Videotagebuch von den Dreharbeiten, Making-of
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Universum Film

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