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Kill Billy – Harold räumt auf: Product Placement kann auch charmant sein

31 Dez

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Her er Harold

Von Volker Schönenberger

Tragikomödie // Vor 40 Jahren hat Harold (Bjørn Sundquist) im norwegischen Åsane sein Möbelhaus „Lunde Møbler“ eröffnet und es seither mit seiner Frau Marny (Grethe Selius) betrieben. Doch im Frühjahr 2011 kommt der Todesstoß: IKEA eröffnet in unmittelbarer Nähe eine Filiale. Diese Prämisse erfahren wir im charmanten Vorspann, der mit alten Aufnahmen die vier Dekaden in Harolds Leben zeigt – bis hin zum Bau des übermächtigen Konkurrenten.

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Harold und Marny müssen ihr Möbelgeschäft aufgeben

Zur Eröffnung der größten IKEA-Filiale in ganz Skandinavien reist sogar Firmengründer Ingvar Kamprad (Björn Granath) persönlich an. Missmutig verfolgen Harold und Marny die Feier vor dem Fernseher. Die Eheleute flüchten sich in Durchhalteparolen, müssen aber sechs Monate später der bitteren Realität ins Auge sehen: Ihr Geschäft ist pleite, sogar ihr Haus verlieren die beiden an die Bank. Weil Marny an Demenz erkrankt, sieht sich Harold gezwungen, seine Frau in ein Pflegeheim zu geben. Doch am Tag des Einzugs bricht sie zusammen und stirbt.

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Der Ex-Möbelhändler sucht seinen Sohn auf …

Als sein Selbstmordversuch scheitert, sucht Harold seinen Sohn Jan (Vidar Magnussen) und dessen Familie in Oslo auf. Er verrät Jan einen irrwitzigen Plan: Er will nach Schweden reisen und den IKEA-Gründer entführen. In einem schwedischen Wald gabelt er die 16-jährige Ebba (Fanny Ketter) auf, die sich ihm anschließt. Klar, dass die Entführung etwas aus dem Ruder läuft.

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… und versucht sich unbeholfen als Entführer

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, „Ein Mann namens Ove“ – die Skandinavier haben ein Händchen für Tragikomödien mit griesgrämigen alten Männern. „Kill Billy“ steht ganz in dieser Tradition, hat auch den typischen lakonischen Humor zu bieten, der diese Filme auszeichnet. Ganz reizt „Kill Billy“ die Möglichkeiten des Entführungs-Plots aber nicht aus, die Handlung verliert sich bisweilen in Nebensächlichkeiten. Der Kontrast zwischen den beiden Möbelhandels-Geschäftsmodellen kommt überhaupt nicht zum Tragen.

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Ebba hilft

Bei der Porträtierung des IKEA-Gründers nahm sich der Drehbuchautor und Regisseur Gunnar Vikene („Vegas“, 2009) offenbar Freiheiten. Ingvar Kamprads Sympathisierung mit Nazi-Gedankengut und seine Nähe zu nationalsozialistischen Organisationen werden nur ein einziges Mal in einem Nebensatz thematisiert, in „Kill Billy“ ist er lediglich ein etwas schrulliger alter Mann. Interessant zu erfahren wäre, ob der schwedische Möbelkonzern und Firmengründer Kamprad das Projekt abgesegnet haben. Negativ-Werbung stellt „Kill Billy“ jedenfalls nicht dar, auch wenn Harold zu Anfang die Qualität der IKEA-Möbel bemängelt. Die Nennung des Markennamens nebst Einblendung des Schriftzugs fallen auch nicht als Ärgernis ins Gewicht – IKEA ist ja mittlerweile Allgemeingut und Kulturgut.

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Die Entführung hat geklappt …

Mit Harolds Sohn Jan und der jungen Ebba wollte der Regisseur das Thema Familie in den Fokus rücken: Jan hat seine Eltern kaum je besucht, Ebba hingegen kümmert sich sogar um ihre Mutter, die sich nach glücklosen Beziehungen gern mal in den Suff flüchtet. Dieser Strang bleibt aber unvollendet und wirkt etwas abgekoppelt von der Haupthandlung der Entführung. Dadurch schleichen sich auch einige Längen ein, weil es zu Szenen kommt, die die Geschichte nicht vorantreiben. Das Niveau des brillanten Einstiegs hält „Kill Billy“ nicht, immerhin gibt es feine Situationskomik zu beschmunzeln. Ove und dem Hundertjährigen kann Harold nicht das Wasser reichen, für einen unterhaltsamen Filmabend reicht’s aber.

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… doch es kommt zu Komplikationen

Veröffentlichung: 25. Oktober 2016 als DVD

Länge: 85 Min.
Altersfreigabe: FSK 6 (DVD FSK 12 wg. Beiprogramm)
Sprachfassungen: Deutsch, Norwegisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Her er Harold
Internationaler Titel: Here Is Harold
NOR 2014
Regie: Gunnar Vikene
Drehbuch: Gunnar Vikene, nach dem Roman „Saganatt“ (deutscher Titel: „Ein ehrliches Angebot“) von Frode Grytten
Besetzung: Bjørn Sundquist, Fanny Ketter, Björn Granath, Grethe Selius, Vidar Magnussen, Ellen Birgitte Winther, Veslemøy Mørkrid, Amina Eleonora Bergrem, Thias Salberg, Samuel Hellström
Zusatzmaterial: Interview mit Regisseur Gunnar Vikene, Kinotrailer, Trailershow
Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 EuroVideo Medien GmbH / NFP marketing & distribution

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